Baubranche baut auf günstige Hypozinsen

140 Mio. Franken werden in diesem Jahr im Kanton verbaut, fast 20 mehr als 2008. Von Krise ist in der Solothurner Baubranche nichts zu spüren. Noch nicht, denn erste Anzeichen sind da. So ist das Submissionsvolumen im Vergleich zum Vorjahresquartal erneut gesunken.

Drucken
Teilen
Baumeister

Baumeister

Solothurner Zeitung

Marco Zwahlen

Von 4500 auf knapp 2000 Festangestellte innert zehn Jahren - so hatte sich ab Anfang der 90er-Jahre die damalige Wirtschaftkrise in der Solothurner Baubranche niedergeschlagen. Und jetzt? «Die Krise werden auch wir zu spüren bekommen», so Präsident Paul Jetzer an der gestrigen Generalversammlung des Baumeisterverbandes Solothurn (BVS) in Solothurn. Die Frage sei nur: wie stark? Klar ist: Die Branche spürt Wirtschaftkrisen und -aufschwünge immer um 12 bis 18 Monate zeitverzögert. Jetzer glaubt und hofft vor allem, dass es nicht so schlimm wird, wie bei der exportorientierten Präzision- und Maschinenindustrie. Und: Im Unterschied zu den 90er-Jahren mit Hypothekarzinsen von 8 Prozent ist Bauen aktuell so günstig wie fast noch nie. «Die Hypozinsen sind sagenhaft tief», so der BVS-Präsident. Jetzer erachtet Konjunkturprogramme nicht zwingend für nötig. Es reiche, wenn Bund, Kanton und Gemeinden soviel Aufträge geben würden, wie bis anhin, «und vielleicht etwas mehr».

Erneut weniger Submissionsvolumen

Erfreulich haben sich im letzten Jahr die Beschäftigungszahlen entwickelt. Gegenüber dem Jahr 2007 ist die Zahl der im Bauhauptgewerbe Festangestellten um 100 auf etwa 2200 angestiegen, jene der Lehrlinge (Maurer und Strassenbauer) von 160 auf 180. BVS-Geschäftsführer Paul Hug führt dies auch auf die verstärkte Berufswerbung zurück. Ausserdem sei die Branche mit einem Minimallohn von 5450 Franken Brutto mal 13 (ein Jahr nach dem Lehrabschluss) «sehr attraktiv». Anfang letzten Jahr wies der BVS, dem gut 120 Firmen angeschlossen sind, Arbeitsvorräte im Umfang von 120 Mio. Franken aus. In diesem Jahr sollen gemäss Auftragbüchern 140 Mio. Franken verbaut werden. Möglicherweise sind aber erste Anzeichen der Krise da. So ist das Submissionsvolumen im Vergleich zum Vorjahresquartal erneut gesunken. Konkret: Von 98 auf 76 Mio. Franken.

Ein Auftragsschub ist beim Tiefbau zu verzeichnen. Laut BVS-Vizepräsident Hans Studer macht sich das Stasenbauprojekt Entlastung Region Olten (ERO) deutlich bemerkbar. Zu schaffen machte allgemein der harte, lange Winter. «Bis Mitte März waren die Arbeiten schlicht nicht ausführbar», so Studer. «Als Folge davon wurden auch Arbeiten spät ausgeschrieben.» Einige Firmen seien deshalb nicht um Kurzarbeit herumgekommen. Nun aber «ist bis Ende Jahr mit Vollbeschäftigung zu rechnen.»

Preise auf sehr tiefem Niveau

Sorge bereitet Studer die Preisfront. Diese sei - auch im Hochbau - auf einem sehr tiefen Niveau. Teils müssten Aufträge gar unter dem Selbstkostenpreis ausgeführt werden. Studer rechnet daher in diesem Jahr mit Ertragseinbrüchen. Und wie siehts im Hochbau aus? BVS-Vizepräsident Guido Sterki: «Die Auftragslage ist stabil und auf einen sehr guten Niveau.» Zu verdanken sei dies vor allem Aufträgen Privater. Denn seitens des Kantons stünden aufgrund der ERO im Hochbaubereich erst ab 2011 Grossbauten an. Nach wie vor würden viele Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser gebaut. In naher Zukunft stünde zudem das Grossprojekt Synthes-Neubau in Zuchwil an. Offen sei, ob und wann die Stahl Gerlafingen AG ihre geplanten Neubauten, ebenfalls Grossprojekte, auslöse.

Beim Wohnungsbau ist laut Paul Hug der Zenit erreicht. Interessant: In den letzten Jahren wurde wie wild gebaut, im letzten Jahr sank jedoch der Leerwohnungsbestand erstmals wieder markant. Die Gründe dafür führt Hug auf die Zuwanderung (Personenfreizügigkeit) sowie auf den gestiegenen Pro-Kopf-Quadratmeter-Bedarf zurück.

Mitglied der Arbeitskontrollstelle

Nach über einem Jahr Funkstille zwischen BVS und Gewerkschaften hat sich das Verhältnis der Sozialpartner wieder normalisiert. Mit Abschluss des neuen nationalen Gesamtarbeitsvetrages (GAV) ist der BVS nun seit letzten Oktober auch der Arbeitskontrollstelle (AKS) Kanton Solothurn beigetreten. hinter sich. Sie kontrolliert auf den Baustellen die in die Schweiz entsandten Arbeitnehmenden und Dienstleistenden auf die Einhaltung derer GAV. 2008 konnten 1346 Arbeitgeber mit 2499 Arbeitnehmenden kontrolliert werden. Jetzer betonte gestren ausdrücklich, dass die Kontrollen absolut «im Sinne von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind».