BAUERN: Die Milch wird knapp

Emmi will Milchproduzenten einen besseren Preis zahlen. Trotz des Anreizes wird Milch wohl längere Zeit ein knappes Gut bleiben.

Bernard Marks
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Bauer Josef Bossart aus Hämikon und sein Sohn Jonas verladen Milchkannen. (Bild: Archiv Neue LZ)

Bauer Josef Bossart aus Hämikon und sein Sohn Jonas verladen Milchkannen. (Bild: Archiv Neue LZ)

Milch ist diesen Sommer so gesucht wie seit Jahren nicht mehr. Der Luzerner Milchverarbeiter Emmi zahlt seinen Direktlieferanten in den Sommermonaten 10 Rappen pro Kilogramm mehr für zusätzlich gelieferte Milch. Damit will Emmi sichergehen, dass sie auch in den Sommermonaten genügend Milch zur Verfügung hat. Es handelt sich zwar nur um einen geringen Zuschuss für die Mehrmilch, die Bauern im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres liefern.

Aber es zeigt: Um an genügend Milch zu kommen, müssen Schweizer Milchverarbeiter vermehrt Anreize schaffen. «Wir wollen nicht zu wenig Milch haben», sagt dazu die Mediensprecherin von Emmi, Sibylle Umiker. «Da geben wir unseren Direktlieferanten gerne Anreize, zusätzliche Milch zu Emmi zu bringen.»

Nicht nur Emmi, auch Hochdorf gerät derzeit unter Druck. «Es gibt einfach zu wenig Milch», sagt Marcel Gavillet, Finanzchef der Hochdorf-Gruppe, im Gespräch mit unserer Zeitung. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, musste Hochdorf bereits handeln. Der Milchpulverhersteller hat deshalb jüngst bei der Oberzolldirektion eine Bewilligung zur Einfuhr von 850 Tonnen Magermilchkonzentrat bis im Oktober eingeholt.

Auch bei der Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) ist man besorgt um die Liefersicherheit für Kunden. «Wir konnten bereits einige Kunden nicht so beliefern, wie wir es vertraglich ausgemacht haben», bestätigt Carol Aschwanden von den ZMP.

Die Verknappung der Milch hatte einen positiven Einfluss auf den Schweizer Butterberg, der in den letzten Jahren auf hohem Niveau verharrte. Der Butterberg ist nahezu aufgebraucht. Lag die Buttermenge im Jahr 2011 noch bei knapp 11 000 Tonnen, liegt sie heute nicht einmal mehr bei 4 Tonnen. Der Branchenverband (BOB) musste sogar das erste Mal seit 2007 in diesem Jahr Butter im Wert von 2,5 Millionen Franken aus der EU importieren, was einer Menge von 500 Tonnen Butter entspricht.

Der Markt spielt wieder

Dass Milch wieder gesucht ist, sei eine gute Entwicklung, sagte Daniel Gerber, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM), kürzlich in einem Artikel im «Tages-Anzeiger». Seit langer Zeit profitieren die Produzenten wieder einmal von höheren Milch­preisen. Der Milchmarkt spiele wieder, sagte Gerber zufrieden: «Für Aussenstehende ist es hingegen schwer nachvollziehbar, warum der Rückgang des Milchangebots von einem Teil der Branche als Problem dargestellt wird.» Dies speziell nach den jahrelangen Querelen über Milchschwemme und Preiszerfall.

Trotzdem geben Bauern auf

«Ich glaube nicht, dass der Markt spielt», sagt Gavillet dazu, «die Politik läuft in die falsche Richtung. Fleisch- und Milchproduktion werden in Zukunft als Folge der Agrarpolitik 14–17 eingeschränkt, weil den Bauern das Land fehlt und die Tierbeiträge entfallen. Die neue Agrarpolitik ist kontraproduktiv.» Der Richtpreis für A-Milch liegt zwar aktuell bei 69 Rappen. Vor allem für B- und C-Milch wird deutlich mehr gezahlt als im vergangenen Jahr. Die ZMP nehmen zum Beispiel derzeit die B-Milch zum Preis für A-Milch ab. Trotz der Anreize sinkt aber die Milchmenge.

8500 Kühe weniger als im Vorjahr

Es gibt in der Schweiz in diesem Jahr bereits 8500 weniger Milchkühe als im Vorjahr. «50 Millionen Kilogramm Milch fehlen deshalb schon jetzt im Markt», sagt Gavillet. Und die Bauern steigen weiterhin aus der Milchproduktion aus. Einer der Gründe: Ab 2014 werden die Beiträge für die Kuhhaltung wegfallen. Nach Schätzungen stellen noch in diesem Jahr bis zu 1000 Betriebe die Milchproduktion ein. Damit nicht genug. Laut einer Umfrage wollen 40 Prozent der Schweizer Bauern in den nächsten 10 Jahren die Milchproduktion aufgeben.