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BAUGEWERBE: Auf dem Weg zum Bau-Rekord

Der milde Winter macht es möglich. 2014 dürfte ein Bau-Rekordjahr werden. Die Auswirkung auf Kauf- und Mietkosten sind jedoch äusserst gering.
Rainer Rickenbach
Der Bauboom hält in der Schweiz unvermindert an. Der milde Winter liess die Arbeiten auf vielen Baustellen in der Region nicht stillstehen. (Bild: Freshfokus/Andy Mueller)

Der Bauboom hält in der Schweiz unvermindert an. Der milde Winter liess die Arbeiten auf vielen Baustellen in der Region nicht stillstehen. (Bild: Freshfokus/Andy Mueller)

Der optische Eindruck täuscht nicht. Wegen der milden Temperaturen sind trotz des Winters an fast jeder Ecke die Bauarbeiter am Werk. Die hohe Nachfrage nach Bauleistungen lässt die Preise steigen (siehe Grafik). Auch auf lange Sicht sieht Credit Suisse keine Trendwende. «Beim Wohnungsbau sind wir eineinhalb Monate weiter als geplant», sagt zum Beispiel Marc Staffelbach vom Bauunternehmen Wüest. Der Nebikoner Betrieb beschäftigt 120 Mitarbeiter und baut vor allem im Norden des Kantons Luzern sowie in den Regionen Zofingen und Olten. Geschäftsleitungsmitglied Staffelbach: «Ich sehe keinen Winter. Wir haben bis Weihnachten durchgearbeitet und waren am 6. Januar bereits an unseren 20 Baustellen am Werk.»

Inneneinrichter stehen unter Druck

Ähnlich hielten es die rund hundert Angestellten des Bauunternehmens der Gebrüder Amberg in Luzern. Die meisten der Mitarbeiter verteilen sich zurzeit auf 15 Baustellen in der Innerschweiz, auf 9 davon entstehen Mehrfamilienhäuser. «Wir sind in der Tat schneller vorangekommen als erwartet», sagt Bruno Amberg. Er und auch Staffelbach warnen indes vor voreiligen Schlüssen: Kälteeinbrüche, die Bauarbeiten zum Stillstand bringen, könne es noch bis im April geben. «Doch sie fallen kürzer aus», so Staffelbach.

Kommen die Arbeiten auf den Baustellen schnell voran, ist das für die Bauherren eine gute Nachricht. Sie sparen Zeit und Geld. Anlass zur Vorfreude besteht aber noch nicht. «Wenn der Frühling so nass und kalt wird wie letztes Jahr, schmilzt der Vorsprung weg wie Schnee unter der Frühlingssonne», erklärt Amberg. Vor allem aber garantieren schnelle Maurerarbeiten noch keinen vorzeitigen Einzug in die Miet- oder Eigentumswohnung. Staffelbach: «Die Planer, Fensterbauer, Dachdecker oder Kücheneinrichter kommen wegen des warmen Winters nicht schneller voran. Sie stehen zurzeit unter Druck. Möglich also, dass nach Errichtung der Rohbauten die Arbeit eine Weile ruht.»

Die 1a Hunkeler AG in Ebikon ist nebst dem Holzbau auf Fenster spezialisiert. «Es gab einige Anfragen, die Fenster früher als vertraglich vereinbart zu in­stallieren. Wenn es möglich ist, erfüllen wir den Wunsch. Aber jeder lässt sich nicht erfüllen», sagt Rolf Hunkeler. Seine 65 Mitarbeiter sind momentan für zwanzig Baustellen in der ganzen Deutschschweiz tätig. Ihm ist jedoch Termindruck nach vorne lieber als Verzögerungen bis in den Frühling. Hunkeler: «Als sich letztes Jahr die kalte Jahreszeit in die Länge zog, fielen hohe Lagerkosten und Engpässe beim Transportmaterial an, weil alles beladen war.» Nicht ungelegen kommen milde Winter auch der Arbeitslosenversicherung. Legt nämlich ein Kälteeinbruch die Bauarbeiten für längere Zeit lahm, kommt sie zum Handkuss, nachdem die Bauarbeiter ihre Überstunden, Ferien und Gleitzeiten abgebaut haben.

Volle Auftragsbücher

Nur: Droht nach zehn Jahren Bauhochkonjunktur im Spätfrühling nicht eine Delle, wenn die Bauarbeiter ein bis zwei Monate im Vorsprung sind? «Unsere Auftragsbücher sind voll bis zu den Sommerferien», winkt Marc Staffelbach von ­Wüest ab. Auch Amberg fürchtet kein Auftragsloch. «Wir sind für dieses Jahr eingedeckt», sagt er. Rolf Hunkeler relativiert – nicht wegen des Wetters, sondern wegen der Überkapazitäten in der Branche. «Die klaren saisonalen Schwankungen von früher gibt es heute nicht mehr. Das Geschäft spielt sich mehr und mehr in Wellenbewegungen ab.» Beim Fensterbau ist Hunkeler bis Juni gut ausgebucht, und auch für die zweite Jahreshälfte seien viele «schöne Aufträge» vorhanden. Der Holzbau lege nach einem schwächeren Start auch zu, habe aber noch Luft nach oben, so Hunkeler.

Steigen die Mieten im gleichen Tempo weiter?

rr. Fast 50 000 neue Miet- und Eigentumswohnungen wurden 2013 in der Schweiz erstellt. Nach Schätzungen der Immobilienspezialisten von Wüest & Partner wird diese Marke dieses Jahr übertroffen. Dazu trägt die Zentralschweiz mit ihrem überdurchschnittlichen Wachstum wesentlich bei.

Mieterverband ist skeptisch

«Weil dieses Jahr so viele neue Wohnungen auf den Markt kommen, dürfte sich der Preisanstieg im tiefen einstelligen Prozentbereich bewegen. Bei gesuchten Lagen wird es etwas mehr sein», prophezeit Patrick Schnorf von Wüest & Partner in einem Interview (Ausgabe vom 20. Februar). 2013 sind die Kaufpreise in der Region um 4 bis 6 Prozent gestiegen, die Mietpreise um 1,2 Prozent. Klingt nun die Teuerung in der Immobilienbranche ab, weil sich das Angebot ausweitet?

Beim Mieterverband ist man skeptisch. «Das Argument mit Angebot und Nachfrage hat natürlich etwas an sich. Allein mir fehlt der Glaube: Von seiner dämpfenden Wirkung ist seit Langem die Rede. Doch die Wohnungsknappheit verschärft sich von Jahr zu Jahr», sagt Michael Töngi, Generalsekretär des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbandes Deutschschweiz.

Immerhin konnten die Mieter in den letzten Jahren vom gesunkenen Hypo-Referenzzins profitieren. Ihre Mietpreise sanken oder blieben zumindest stabil. Doch nun scheint er mit den tiefen 2 Prozent die Talsohle erreicht zu haben. Die zuständige Bundesstelle liess diese Woche davon ab, ihn weiter zu senken. Für Wohnungssuchende ist dieser Zinssatz ohnehin kaum von Bedeutung, denn für Neuwohnungen oder bei Mieterwechseln sind faktisch die Marktpreise massgebend.

Unternehmer: Keine Trendwende

Auch in der Baubranche ist der Glaube an eine schnelle Trendwende nicht weit verbreitet. «Die Nachfrage nach Mietwohnungen ist nach wie gross. Möglich, dass sie bei den Eigentumswohnungen etwas ins Stocken gerät. Grund dafür sind aber nicht die Anzahl neuer Wohnungen, sondern die schärferen Regeln für deren Finanzierung», sagt Toni Bucher, Chef des Sarner Immobiliendienstleisters Eberli.

Er meint damit die höheren Kapitalpuffer der Banken und die Vorschrift, dass der Bauherr mindestens einen Fünftel der Kauf- und Baukosten aus der eigenen Tasche zu berappen hat. Davon darf er nicht mehr als die Hälfte aus seiner Pensionskasse vorbeziehen. Der Bundesrat will so dem Platzen der Immobilienblase vorbeugen.

«Für junge Familien und Paare mit wenig Eigenkapital liegt dadurch die Latte plötzlich höher», kritisiert Bruno Amberg vom Luzerner Bauunternehmen Gebrüder Amberg. Er hält die Einschränkungen ohnehin für unnötig, was die Zentralschweiz angeht. Anders als in den Regionen Zürich, Genf und Waadt stimme das Preisgefüge in der Region rund um den Vierwaldstättersee mehrheitlich. Amberg: «Viel entscheidender ist die Lage. Wer in Luzern und Agglomeration an guten Lagen und in einem gutem Preis-Leistungs-Verhältnis Wohnungen erstellt, findet dafür auch weiterhin Abnehmer.»

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