BDO hat massiv in digitale Infrastruktur investiert – das zahlt sich nun aus

Der Unternehmensberater BDO beweist ein glückliches Händchen: Eine neue digitale Kundenplattform hilft die Kundenbetreuung in Coronazeiten abzuwickeln. Zaghaft gestartet ist das Blockchainprojekt.

Gregory Remez
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BDO-Kunden können sich neu von einem künstlich intelligenten Bot namens «Lisa» unterstützen lassen.

BDO-Kunden können sich neu von einem künstlich intelligenten Bot namens «Lisa» unterstützen lassen.

Symbolbild: Getty

Es sei einer glücklichen Fügung zu verdanken, dass man ausgerechnet im letzten Jahr massiv in die eigene digitale Infrastruktur investiert habe, sagt Heinz Vogel, Präsident des Unternehmensdienstleisters BDO Schweiz. Nur dank der Lancierung einer neuen digitalen Kundenplattform, die den sicheren elektronischen Austausch von Informationen und heiklen Dokumenten wie Bilanzen oder Rechnungen erlaube, sei es möglich gewesen, die Betreuung der schweizweit über 23'000 BDO-Kunden trotz Coronamassnahmen beinahe nahtlos weiterzuführen.

«Gerade in dieser schwierigen Zeit hat sich die Plattform für uns als wahrer Lebensretter erwiesen»,

sagt Vogel. Sie habe die Zusammenarbeit sowie die Interaktion mit den Kunden enorm erleichtert, zumal man bereits auf erste Erfahrungswerte seit dem Start im vergangenen Jahr zurückgreifen konnte. Zudem habe man dank des Einsatzes von künstlich intelligenten Bots einen Teil der Treuhand- und Wirtschaftsprüfungsprozesse automatisieren können.

Bei der eingeschränkten Revision beispielsweise werden Kunden neu von einer digitalen Prüfassistentin namens Lisa, ein Akronym für «Limited Statuatory Audit», unterstützt. Zu den Aufgaben des Bot-Programms, das ursprünglich von Microsoft entwickelt wurde, gehört es, Revisionskunden noch vor der eigentlichen Prüfung zu befragen und Auskünfte sowie Dokumente einzuholen. Alles, was diese dafür tun müssen, ist, sich auf dem neuen Kundenportal einzuloggen und das entsprechende Programm zu starten.

Nummer eins in der Zentralschweiz

BDO Schweiz ist hinter den sogenannten «big Four» Ernst & Young (EY), PricewaterhouseCoopers (PWC), KPMG und Deloitte der fünftgrösste Unternehmensberater des Landes. In der Zentralschweiz ist BDO mit sieben Niederlassungen und insgesamt 220 Mitarbeitenden gar die Nummer eins unter den Revisions- und Beratungsfirmen.

Während sich die Grossen tendenziell auf die Buchprüfung von Konzernen spezialisiert haben, verfolgt BDO einen anderen Ansatz: «Wir generieren über 80 Prozent des Umsatzes mit kleinen und mittleren Unternehmen. Deshalb ist es auch nicht unser Ziel, zu den grossen Vier zu gehören, sondern eine Alternative zu ihnen zu bilden», sagt Vogel, der neben seinem Amt als Verwaltungsratspräsident auch als Leiter der Region Zentralschweiz fungiert, zu der BDO zusätzlich den Kanton Tessin zählt. «Gerade die Zentralschweiz, in der der KMU-Anteil gegen 90 Prozent tendiert, ist für uns ein wichtiger Markt.»

Blockchainprojekt zaghaft gestartet

Wie dem gestern publizierten Geschäftsbericht zu entnehmen ist, konnte BDO seinen Umsatz auch im letzten Jahr weiter steigern, um 4,7 Prozent auf 221,4 Millionen Franken (siehe Tabelle).

BDO Schweiz in Zahlen

Bereich, in Millionen Franken 2019 Veränderung zu 2018 in Prozent
Umsatz 221.4 + 4,7
_davon Wirtschaftsprüfung 74.3 + 2,8
_davon Treuhand 71.3 + 6.8
_davon Steuern und Recht 27.7 + 8,0
_davon Finanzdienstleistungen 17.1 – 0.6
_übrige Dienstleistungen 31.0 + 4,4
Mitarbeitende 1321 + 1,8
_davon Zentralschweiz (und Tessin) 220 k.A.
Kunden 23'377 + 3.5

Je ein Drittel des Gesamtumsatzes machten dabei die Bereiche Wirtschaftsprüfung und Treuhand aus, die beide zulegen konnten. Einen minimen Umsatzrückgang musste einzig der Bereich Finanzdienstleistungen hinnehmen. Die Gründe dafür liegen laut Vogel in dem letztjährigen Entscheid der Finanzmarktaufsicht, kleinere Banken von bestimmten aufsichtsrechtlichen Vorschriften zu befreien. «Das hatte direkte Auswirkungen auf uns. Denn weniger Regulation bedeutet auch weniger Prüfungs- und Beratungsbedarf». Zudem seien die Blockchainlösungen, für die BDO 2018 eigens ein sechzehnköpfiges Team in Zug und Zürich aufgebaut hat, in der Praxis noch nicht wirklich ins Rollen gekommen. «Die Blockchaintechnologie hat grosses Zukunftspotenzial, doch es braucht wohl noch Zeit, bis der Gesetzgeber die digitalen Lösungen, zum Beispiel digitale Aktien, zulässt – und sich die Technologie schliesslich auch am Markt durchsetzt.»

Mit Blick auf die gegenwärtige Stimmungslage bei den Unternehmen stelle er fest, sagt Vogel, dass neben den drohenden Liquiditätsengpässen vor allem die Ungewissheit in Bezug auf die eigene Zukunft vielen kleineren Firmen zusetze. «Da hat der Bundesrat unzulänglich kommuniziert, gerade mit Blick auf die Gastronomie- und die Tourismusbranche.» Ansonsten stelle er aber fest, dass gerade familiengeführte Unternehmen alles daran setzten, um Entlassungen zu vermeiden. Und diesbezüglich ist die Zentralschweiz mit ihrem hohen KMU-Anteil in einer guten Position.