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Kolumne

Befristete und begrenzte Loyalitäten reichen nicht

Kolumnistin Monika Roth zum Nationalfeiertag und darüber, wieso auch Unternehmen ihre Verantwortung gegenüber Umwelt oder Gesellschaft besser wahrnehmen müssen.
Monika Roth
Monika Roth. (Bild: Pius Amrein)

Monika Roth. (Bild: Pius Amrein)

Am Mittwoch ist 1. August. Ein Moment, über Treue und Interessen zu schreiben. Wir leben in der Schweiz eigentlich in geordneten Verhältnissen, die uns allen mal mehr und mal weniger passen. Unterschiedliche Auffassungen haben in einer liberal gebliebenen Gesellschaft Platz. Wem schulden wir etwas, wem sind wir verpflichtet – nur unseren Interessen? Eigen definiert als die ganz individuellen Interessen und dann allenfalls noch Nation Schweiz? Dass diese Grenzziehung nicht ausreicht, erschliesst sich einem an sich schnell. Es gibt eine Vielzahl von Treuepflichten schon allein aus Gesetzen und Verträgen. Darum geht es mir heute nicht. Animiert zu dieser Kolumne hat mich ein Beitrag des Literaturwissenschafters und Gründers des Hamburger Instituts für Sozialforschung Jan Philipp Reemtsma im Blatt «Die Zeit» (28. Juni 2018) mit dem Titel «Grenzen sind kein Fetisch». Ein Fetisch ist gemäss Duden ein Gegenstand, dem magische Kräfte zugeschrieben werden, dem subjektiv besondere Bedeutung beigemessen wird.

Reemtsma äussert sich in seinem Beitrag zu einer Ansicht, die besagt, dass die Grenze der Nation sprich des nationalen Herkommens auch die Grenze moralischer Verantwortlichkeit bilde. Er weist zu Recht darauf hin, dass es Probleme gibt, die trans- oder international gelöst werden müssen und dass diese Einsicht etwa die UNO hervorgebracht habe. Es bestehen unzählige internationale Standards, an denen Vertreter von Staaten oder etwa von Branchen mitarbeiten und die entweder über das nationale Recht verbindlich werden oder über Mechanismen der Reputation (schwarze Listen). Auf globaler Ebene werden also von verschiedenen Gremien Verhaltenserwartungen formuliert, verfeinert sowie weiterentwickelt, und es besteht ein steter politischer Druck zur Anpassung des nationalen Rechts an diese Vorgaben. Schliesslich existiert europäisches Recht und gibt es den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte oder den internationalen Strafgerichtshof. Es ist seit langem Tatsache, dass Gesetzgebungen ihre Wirkungen auch extraterritorial entfalten (und damit sind nicht nur die USA gemeint) und dass weiter die Regulierungsinhalte sowie die Geschwindigkeit der Rechtssetzung verstärkt von internationalen Entwicklungen und Skandalen bestimmt werden.

Wenn man dem beschränkten Donald Trump zuhört, dann weiss man, wie Überheblichkeit, Ignoranz und Gleichgültigkeit im übelsten Originalton sich äussern.

Der Satz, den Ian McEwan in seinem Roman «Saturday» formuliert, «Also soll das mein Motto sein – denk klein», passt nicht, wenn man grundsätzliche Fragen anspricht. Dies schlägt sich beispielsweise beim Thema der Menschenrechte nieder. Von den Unternehmen wird gefordert, sich verstärkt und weltweit mit den Menschenrechten auseinanderzusetzen, da die Globalisierung zu einer Privatisierung der Macht geführt hat. Regierungen sind schwächer geworden, Firmen einflussreicher. Mit dem Machtzuwachs haben Unternehmen Verantwortung zu übernehmen. In einer Studie wiesen Bower, Leonard und Paine 2011 nach, dass es elf Faktoren beziehungsweise Fragestellungen gibt (the potential disruptors), welche das globale Wirtschaftssystem bedrohen und gefährden könnten. Darunter befindet sich «environmental degradation». Namentlich Umweltverschmutzung, die Wasserproblematik und Überfischung stehen im Vordergrund. Zu einem grossen Teil werden «Güter» zum Thema, die letztlich allen «gehören». Das führt dazu, dass die schädlichen Entwicklungen nicht bloss natürliche Mechanismen bewirken, sondern sozio-politische Folgen nach sich ziehen. Als Allmende (im Englischen «Commons») werden gemeinschaftlich genutzte und bewirtschaftete Güter benannt. Ein Beispiel bildet das Grundwasser, das von vielen verwendet wird. Der Anspruch des einzelnen Nutzers, Ressourcen ohne Rücksicht auf andere für sich so viel und so billig wie möglich zu verwenden und dies ungeachtet der Tatsache, dass damit allenfalls die Ressource zerstört wird, ist nicht legitim.

Unternehmen werden von Menschen geleitet und betrieben. Begrenzte Selbstdisziplin und Selbstkontrollmängel sind – neben dem Blick auf den kurzfristig erzielbaren Gewinn – Mitursachen dafür, dass gute Vorsätze und rationale Erkenntnisse, sprich Einsichten in diesem Kontext verdrängt werden. Wenn man dem beschränkten Donald Trump zuhört, dann weiss man, wie Überheblichkeit, Ignoranz und Gleichgültigkeit im übelsten Originalton sich äussern. Die Arbeiten von Elinor Ostrom, die dafür den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften erhielt, sollten wieder mehr debattiert werden, bevor es zu spät ist. Die Frage, wie mit Umwelt-«Gütern» umzugehen ist, damit sie nicht zerstört werden, ist seit 1968 ein Thema in der Wissenschaft.

«Denk klein» genügt also nicht. Es braucht viel mehr, vor allem von Unternehmen, auch aus der Schweiz.

Monika Roth ist Rechtsanwältin und Professorin an der Hochschule Luzern.

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