Bei Calida endet eine Ära: Leitet der neue Präsident den Verkauf von Lafuma ein?

Das vergangene Geschäftsjahr war für Calida sehr erfolgreich. An der Spitze des Verwaltungsrats kommt es nach fast zwanzig Jahren zu einem Wechsel. Nun wird der Ruf nach einem Verkauf der französischen Tochter Lafuma lauter. 

Maurizio Minetti
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Generalversammlung der Calida vor drei Jahren im KKL (v.l.n.r.): CEO Reiner Pichler, der jetzt abtretende Verwaltungsratspräsident Thomas Lustenberger und der designierte Präsident Marco Gadola. Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 21. April 2016)

Generalversammlung der Calida vor drei Jahren im KKL (v.l.n.r.): CEO Reiner Pichler, der jetzt abtretende Verwaltungsratspräsident Thomas Lustenberger und der designierte Präsident Marco Gadola. Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 21. April 2016)


Der am Freitag veröffentlichte Jahresabschluss von Calida kann sich sehen lassen. Der Surseer Wäschehersteller hat Umsatz und Gewinn gesteigert und mit allen Marken und Vertriebskanälen zugelegt. Gesprächsthema Nummer eins unter Calida-Beobachtern war diese Woche aber nicht der Jahresabschluss, sondern der eingeleitete Wechsel an der strategischen Spitze des Unternehmens. Am Mittwochmorgen hat Calida den Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Thomas Lustenberger bekannt gegeben. Der Vertrauensmann der Besitzerfamilie Kellenberger soll an der kommenden Generalversammlung vom 15. April vom bisherigen Vizepräsidenten Marco Gadola ersetzt werden.

Familie wollte Anteile verkaufen

Mit dem Rücktritt von Lustenberger endet eine Ära bei Calida, denn der Rechtsanwalt war 19 Jahre lang Präsident des Aufsichtsgremiums. Vor drei Jahren war Lustenberger in die Kritik geraten. Es ging damals einerseits um den Konflikt mit dem abtretenden langjährigen CEO Felix Sulzberger, der auf Zukäufe pochte, während der Präsident im Einklang mit der Familie eher die vergangenen Übernahmen konsolidieren wollte. Ausserdem sorgte das Hin und Her der Familie Kellenberger für Unruhe: Diese wollte ihren Anteil von rund einem Drittel am Unternehmen zunächst verkaufen – tat dies dann aber doch nicht.

Lustenberger sagte vor drei Jahren, die Familie könne sich einen Verkauf der eigenen Aktien frühestens in drei Jahren vorstellen. Aus dem Umfeld der Familie ist heute zu erfahren, dass ein Verkauf zurzeit aber sicher kein Thema ist. Das lasse sich daraus schliessen, dass die Familie weiterhin aktiv im Verwaltungsrat vertreten sei. So wird Erich Kellenberger, der aus Altersgründen den Verwaltungsrat im April verlassen muss, von seiner Frau Dijana Kellenberger ersetzt. Sie hat Jahrgang 1963 und dürfte die Familie die nächsten Jahre im Verwaltungsrat vertreten.

Die Ernennung von Marco Gadola wird von Calida-Aktionären mehrheitlich begrüsst. Dem designierten Präsidenten, der nächstes Jahr als Straumann-Chef abtritt, wird die nötige Unabhängigkeit attestiert. Lustenberger musste sich hingegen immer wieder den Vorwurf des Interessenkonflikts gefallen lassen, weil er mit seiner Anwaltskanzlei Erich Kellenberger beriet und gleichzeitig Verwaltungsratspräsident von Calida war.

Spin-off soll Börsenwert erhöhen

Mit dem Wechsel im Präsidium könnten sich nun strategische Optionen auftun. Die Zürcher Investmentfirma Veraison Capital, die 16 Prozent an Calida hält, stellt folgende Überlegungen in den Raum: «Calida sollte sich fokussieren und auf das Kerngeschäft mit Unterwäsche konzentrieren», sagt Veraison-Mitgründer Gregor Greber auf Anfrage. Man müsse «alle möglichen Optionen prüfen».

Veraison-Mitgründer Gregor Greber: «Alle möglichen Optionen prüfen.» (Bild: PD)

Veraison-Mitgründer Gregor Greber: «Alle möglichen Optionen prüfen.» (Bild: PD)

Greber spricht es nicht aus, aber was er meint, ist: Calida sollte die französische Tochtergesellschaft Lafuma abstossen. Dem Vernehmen nach ist Veraison nicht alleine mit dieser Meinung. Die Überlegung dahinter ist, dass Calida und die Dessous-Marke Aubade auf der einen Seite und die Sportbekleidungsgruppe Lafuma auf der anderen Seite separat einen grösseren Börsenwert haben könnten als der gegenwärtige Wert der gesamten Gruppe.

Calida hatte die Mehrheit an Lafuma erst vor fünf Jahren übernommen und letztes Jahr den Anteil auf 87,7 Prozent aufgestockt. Die französische Tochtergesellschaft ist nach wie vor an der Pariser Börse kotiert. Ein Verkauf wäre derzeit also schwierig zu bewerkstelligen. Dass Calida in den letzten Jahren den Anteil an Lafuma laufend aufgestockt hat, sehen Beobachter als Zeichen dafür, dass Calida die Tochter früher oder später abstossen will. «Calida muss alle Anteile besitzen, um einen Spin-off durchzuführen», sagt eine mit der Sache vertraute Person. Von den verbleibenden Lafuma-Aktionären sind rund die Hälfte institutionelle und die andere Hälfte sind Privataktionäre.

Gegner eines allfälligen Lafuma-Verkaufs glauben jedoch, dass weder Calida noch Lafuma auf sich alleine gestellt mit ihren jeweiligen Grössen börsenfähig sind. Die angedachte Spin-off-Strategie wäre laut Kritikern höchstens dann sinnvoll, wenn beide Unternehmen von der Börse genommen und als Privatunternehmen geführt würden. Calida ist an der Börse aktuell rund 250 Millionen Franken wert, Lafuma rund 175 Millionen Euro.

Das Calida-Management selbst hat bislang öffentlich immer wieder darauf hingewiesen, Lafuma sorge für eine Diversifikation in dem wetterabhängigen Wäschegeschäft. Die Privatbank Vontobel glaubt auch nach dem Wechsel im Präsidium nicht an eine Änderung dieser Haltung: «Der Wechsel hat keinen Einfluss auf die bisherige Strategie von Calida», schreibt Vontobel auf Anfrage. Die Privatbank ist über Fonds und Kundenmandate in Calida investiert. Das Stimmrecht geschieht über die Anlagestiftung Ethos, die keinen Kommentar zum Wechsel im Präsidium oder zu einem allfälligen Verkauf von Lafuma abgeben wollte.