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Bei den Aktien vermehrt
auf Qualität achten

Wirtschaftsprofessor Maurice Pedergnana erklärt wieso es gut wäre, über die reale Geschäftsentwicklung von Firmen zu berichten anstatt deren Aktienkurs.
Maurice Pedergnana
Maurice Pedergnana.

Maurice Pedergnana.

Bossard, ein in Zug domizilierter internationaler Spezialist für hochwertige Schrauben und Verbindungstechnik, verkündete ein gutes Quartalsergebnis, aber die Aktie stürzte gleichentags um 13 Prozent ab. Am Donnerstag war Letzteres keine Schlagzeile wert. Die Aktie handelt 27 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn. Ähnlich ist es der soliden Landis+Gyr ergangen, deren Aktie inzwischen 29 Prozent tiefer gehandelt wird. Diese Liste liesse sich fast beliebig erweitern, und sie wirft Fragen auf: Kommt es zu einem «Crash» wie 2008?

Erhebliche Verunsicherung über die weitere Entwicklung der globalen Konjunktur gibt es nicht. Der Internationale Währungsfonds hat in diesen Tagen verlauten lassen, dass sich das globale Wachstum abschwächt. Statt wie bisher prognostiziert 3,9 Prozent wird für das nächste Jahr «nur» noch 3,7 Prozent erwartet. Diese Abwärtsrevision von 0,2 Prozent ist allerdings moderat.

Es geht längst nicht mehr nur um Strafzölle.

Dagegen bereitet die Hartnäckigkeit, mit der die USA mit China wirtschaftlich und politisch kämpfen, deutlich mehr Sorgen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Strafzölle, sondern um die globale Führung per se, insbesondere um die Vorrangstellung in den Technologien der Zukunft. Das verunsichert die chinesische Führung in einem Ausmass, wie das vor kurzem kaum vorstellbar war. Die publizierten Wachstumsraten Chinas sind vermutlich höher als die effektiven. Das erklärt denn auch die Zurückhaltung Chinas mit der Vergabe neuer Aufträge, auch an europäische Unternehmen. Zudem spüren die US-Unternehmen den Gegenwind auf dem grossen chinesischen Markt. Es gibt da attraktive Smartphones wie Xiaomi, die funktional gleichwertig wie ein iPhone X ist, aber nur halb so teuer. Ebay und Google spielen kaum mehr eine Rolle, Alibaba und Baidu heissen die Marktführer.

Am Aktienmarkt hat inzwischen eine gesunde Korrektur eingesetzt, die in den USA sämtliche Technologiewerte heftig erfasst hat. Wie weit sie geht, weiss niemand. Im Silicon Valley blickt man ungern über den Pazifik. Da hat sich aus einer Korrektur eine Aktienbaisse entwickelt, die allmählich den Boden findet.

Tencent hat in diesem Jahr 250 Milliarden Franken an Börsenwert verloren.

In China – glauben manche inzwischen – sei das Allerschlimmste schon vorbei. Deren Liebling, der Technologiekonzern Tencent hat in diesem Jahr allerdings bereits 250 Milliarden Franken an Börsenwert verloren. Die Firma verfügt über tolle Produkte, die auf jedem chinesischen Smartphone installiert sind, doch die Erträge wachsen nicht in den Himmel. Das haben die Investoren mitbekommen und zahlen für eine Aktie «nur noch» den 23-fachen Jahresgewinn. Im Januar bezahlte man pro Aktie den 40-fachen Jahresgewinn.

Die Märkte werden gewiss nicht von Panik, aber von Angst und Verunsicherung beherrscht. Wer jetzt vorsichtig und verstärkt auf qualitativ herausragende Unternehmen als auf Wachstumshoffnungen setzt, macht gewiss nichts falsch. Wer allerdings dem Aktienmarkt generell fernbleibt, der verpasst auch jeden Aufschwung. Zudem muss er langfristig in Kauf nehmen, dass sein Spargeld einen schleichenden realen Wertverlust erleidet.

Wenn die Vergangenheit etwas gelehrt hat, dann gilt es, in dieser Zeit ruhig zu bleiben und nicht voreilig zu handeln. Deshalb ist es vielleicht ja gut, über die reale Geschäftsentwicklung von Bossard zu berichten und nicht über deren Aktienkurs.

Maurice Pedergnana ist Professor für Banking und Finance an der Hochschule Luzern und Studienleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ).

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