Nach SNB-Schock
Bei den Hypotheken steht eine Trendwende bevor

Lange waren Liborhypotheken günstiger als langfristige Festhypotheken. Nun kippt das Bild. Zudem propagieren die Banken kaum noch langjährige Hypotheken.

Andreas Schaffner
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Die Hypozinsen sinken immer noch. Doch in der heutigen Zinssituation lohnt sich eine Liborhypothek für viele kaum noch.

Die Hypozinsen sinken immer noch. Doch in der heutigen Zinssituation lohnt sich eine Liborhypothek für viele kaum noch.

Keystone/Urs Flüeler

Seit dem 15. Januar ist der Sparbatzen immer weniger wert. Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Mindestkurs zum Euro aufzugeben und zusätzlich Negativzinsen für die Banken einzuführen, hat zur Folge, dass auf den Sparkonten die Zinsen gegen null sinken. Grosskunden müssen sogar tatsächlich negative Zinsen in Kauf nehmen – sprich sie verlieren auf den Spareinlagen viel Geld.

Auf den Kopf gestellt hat sich die Situation für Hypothekarkunden, diejenigen, die von der Bank also das Geld ausleihen. Dies zeigt eine Auswertung des Beratungsunternehmens Moneypark, die der «Nordwestschweiz» vorliegt.

Der Reihe nach: Schon im vergangenen Jahr waren die Hypozinsen historisch tief. Besonders die Zinsen für Libor-Hypotheken waren Ende 2014 verglichen mit dem Jahr 2008 nur noch ein Viertel so hoch. Nach einem kurzen Aufbäumen um den Jahreswechsel 2014 waren auch die Festhypotheken wieder auf Tiefstständen angelangt. Für Hausbesitzer ein Grund zum Jubeln. Die Prognosen versprachen angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation in Europa längerfristig tiefe Zinsen.

Unterschiedliche Phasen

Doch nach dem SNB-Entscheid wurde der Markt komplett durcheinandergewürfelt. Die Zinskurven machten ganz unterschiedliche Phasen durch. Zunächst sind sowohl die Hypotheken mit langen Laufzeiten als auch teilweise die Libor-Hypotheken gesunken. Letztere jedoch weniger, da die meisten Institute die vertragliche Regelung von einem Mindestzinssatz beim Libor von null haben.

Diese Entwicklung scheint auf den ersten Blick auch logisch. Doch nur wenige Tage später haben viele Banken die Zinsen für Festhypotheken wieder angehoben. Als Grund gaben die Banken die teuer gewordenen Absicherungs-Kosten an. Diese «Versicherungsprämien» seien gestiegen, weil die Unsicherheit bei der Refinanzierung der Hypotheken zugenommen habe. Die interne Überprüfung der Zinssätze hat innerhalb dieser Finanzinstitute ergeben, dass die neuen Risiken zu wenig berücksichtigt worden seien.

Die Marktanalyse von Moneypark zeigt nun, dass die Situation komplizierter wurde und heute für viele Kunden kaum noch durchschaubar ist: Die Volatilität bei den Preisstellungen hat zugenommen und viele Banken haben ihre Zinssätze für Festhypotheken wieder korrigiert. Während einige Finanzhäuser teurer wurden, senkten andere ihre Preise für langfristige Hypotheken. 10-jährige Festfinanzierungen gibt es heute bei guter Objekt- und Schuldnersituation schon wieder für unter 1,3 Prozent Jahreszins, sagt Michael Hartmann, Leiter Vertrieb bei Moneypark.

Doch es kommt noch ein anderes Phänomen dazu: Der Unterschied zwischen Hypotheken unterschiedlichster Laufzeit ist im Durchschnitt heute so klein wie kaum je zuvor. «Das hat zur Folge, dass diese Angebote zum Teil günstiger sind als die Libor-Hypotheken». Auch die Rangliste der günstigsten Hypo-Anbieter hat sich massiv verändert: Günstige Banken (und Versicherungen) wurden teurer und umgekehrt.

Für Hartmann ist die heutige Zinssituation vergleichbar mit derjenigen beim Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2009. Auch damals waren Banken darauf bedacht, möglichst wenig Kapital bei der Nationalbank zu platzieren und je nach Fälligkeitsstruktur attraktive Festhypotheken an Hausbesitzer auszugeben. Auch damals waren zeitweise die Angebote für Kredite mit kürzerer Dauer höher als diejenigen für die länger laufenden Verbindlichkeiten.

Das heisst für die Kunden: Der Renner in der Finanzierung von Hypotheken, die Libor-Hypothek, hat an Attraktivität verloren. Die alte Weisheit, dass man langfristig mit einer Libor-Hypothek günstiger fahre als mit einer Festhypothek, gelte heute nicht mehr uneingeschränkt, so Hartmann: «Für einen geringeren Aufpreis kann sich ein Kunde, der entweder neu abschliessen will oder sich refinanzieren möchte, langfristig absichern. Vorausgesetzt, er ist auch bereit, zum richtigen Anbieter zu wechseln.»

10-Jährige bei Banken unbeliebt

Wobei von Bank zu Bank und von Kunde zu Kunde trotz tiefen Zinsen ganz unterschiedliche Zinssätze vergeben werden, so die Analyse von Moneypark. Auffällig ist, so die Experten weiter, dass die Zinsen für 10-jährige Hypotheken trotz reger Nachfrage kaum mehr aktiv propagiert würden: «Zu gross ist hier die Unsicherheit bei den Banken und zu klein die Marge angesichts der Konkurrenzsituation. Nur gute Kunden können bei den Geldhäusern Vorzugskonditionen heraushandeln.» Vergleichen lohnt sich also immer noch, aber neu kommt auch ein Blick auf die neuen Risiken hinzu.