Führungswechsel
Bei der Credit Suisse wird über die neue Strategie diskutiert

Mit der Ablösung von Brady Dougan an der Spitze der CS werden die Fragen um die künftige Strategie der Schweizer Grossbank wieder aktuell.

Andreas Schaffner
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Tidjane Thiam, Urs Rohner und Brady Dougan.

Tidjane Thiam, Urs Rohner und Brady Dougan.

Keystone

Lange wurde über Brady Dougans Rücktritt spekuliert. Seitdem die Bank im letzten Mai 2,8 Milliarden Dollar im Steuerstreit mit den USA bezahlen musste – verbunden mit einem Schuldeingeständnis –, immer häufiger und immer lauter.

Der Mann, der die Grossbank durch die Stürme der Finanzkrise manövriert hatte, dann einen Sonderbonus von 70 Millionen Franken erhielt, war angezählt, wies jedoch jegliche Schuld von sich. Seit Dienstag nun die Gewissheit: Er wird durch den branchenfremden Tidjane Thiam ersetzt und nicht durch den Schweizer Hans-Ulrich Meister, wie vielfach spekuliert wurde.

Mit dem Entscheid wird gegen aussen ersichtlich, dass man für den Credit-Suisse-Chef schon länger auf der Suche nach einem Ersatz war. Mehr noch: Es kommen grosse strategische Veränderungen auf die Bank zu. Denn Brady Dougan stand nicht nur für die Bussenzahlung und die schlechte Aktienperformance der Bank in den letzten Jahren. Sondern er stand auch für ein Geschäftsmodell, insbesondere im Investmentbanking, das seit längerem unter Beschuss ist.

Mit den neuen Kapitalanforderungen in den USA, aber auch in der Schweiz, können die sehr kapitalintensiven Bereiche, wo auch viele Kredite vergeben werden, kaum mehr gewinnbringend betrieben werden.

Kapitallücke von 5,7 Milliarden

Die Kapitalausstattung der Credit Suisse war denn auch die Hauptsorge der Regulatoren. Wiederholt hat sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) hierzu kritisch geäussert. Aber auch die Anleger und Analysten waren besorgt: Unter der Annahme einer zukünftigen Kernkapitalquote von 3,5 Prozent im Vergleich zur Bilanzsumme der Gruppe weist die Credit Suisse laut dem Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB), Andreas Brun, eine Kapitallücke von 5,7 Milliarden Franken aus.

Diese Lücke kann über die kommenden Jahre durch einbehaltene Gewinne geschlossen werden. Wenn die Lücke frühzeitig geschlossen werden soll, muss die CS das Geschäft herunterfahren oder sich neues Kapital besorgen. Letzteres sind die Grossaktionäre im arabischen Raum wohl kaum bereit, mitzumachen. Zu gross wäre der Verlust auf ihren Positionen.

Der Rückbau im Investmentbanking wurde übrigens bereits mit den Jahreszahlen 2014 vor wenigen Wochen kommuniziert. Von Brady Dougan, der damals genau wusste, dass er gehen wird. Darauf haben gestern anlässlich der Präsentation des neuen CS-Chefs sowohl der Präsident des Verwaltungsrats, Urs Rohner, als auch Brady Dougan hingewiesen. Weiter eingehen auf strategische Fragen wollte Rohner nicht: «Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um weitere strategische Schritte anzukünden.»

Die Diskussionen um die künftige Strategie sind mehr als nur aktuell. Mit den eigenen Massnahmen zur Reduktion der Bilanzsumme kann die Lücke zwar verringert werden, rechnet ZKB-Analyst Brun vor. Aber gleichzeitig sind Unsicherheiten in Bezug auf mögliche neue Rechtsfälle und Bussen vorhanden. Der ZKB-Analyst rechnet hier mit zusätzlichen Belastungen von 1,5 Milliarden Franken in Form von Rückstellungen. «Negative Überraschungen im laufenden Jahr sind damit nicht ausgeschlossen», bilanzierte der Analyst. Die Frankenstärke hat das Problem noch verstärkt.

Ein letzter Punkt führt die CS zum Umdenken: Im letzten Jahr wurden auch operativ keine berauschenden Ergebnisse erzielt, auch wenn dies Brady Dougan in seinem Rückblick auf seine Zeit anders darstellte. Die Zahlen sahen zwar auf den ersten Blick besser aus als die des Hauptkonkurrenten UBS. Doch auf den zweiten Blick stechen im letzten Jahr die hohen Kosten im Geschäft mit den vermögenden Kunden ins Auge sowie die geringe Zunahme des Neugelds. Im Geschäft mit europäischen Kunden, wo lange dank des Bankgeheimnisses schöne Erträge und hohe Margen erzielt wurden, findet ein fundamentales Umdenken statt. Visionen fehlen, wie diese Situation kompensiert werden kann.

Steigende Kapitalerfordernisse, hohe Kosten für Rechtsfälle und ein unbefriedigendes Resultat im operativen Bereich führen nun dazu, dass die zweitgrösste Schweizer Bank sich noch stärker neuorientieren wird. Es wird erwartet, dass die CS bis im Herbst die Neuausrichtung des Investment Bankings, wie sie die UBS schon im November 2012 bekannt gegeben hatte, kommuniziert.