Kommentar

Bei der Elternzeit sind KMU gefordert

Grosskonzerne gehen mit langen Elternzeit-Fristen voran. Im Kampf um Talente müssen KMU nachziehen.

Maurizio Minetti
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Maurizio Minetti.

Maurizio Minetti.

Wer heute Vater wird, bekommt üblicherweise einen Tag Urlaub – und damit gleich viel wie fürs Zügeln. Nur schon dieser Vergleich zeigt, wie gering der Stellenwert der Vaterschaft in der Schweiz momentan ist. Während sich die Politik jahrelang mit dem Thema beschäftigt hat und wir im September über zwei Wochen Vaterschaftsurlaub abstimmen, gehen Grosskonzerne viel weiter: Sie geben ihren Mitarbeitenden 16, 18 oder sogar 20 Wochen Elternzeit.

Diese Tatsache sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der allergrösste Teil der Schweizer Arbeitgeber nur am gesetzlichen Minimum orientiert, und zwar nicht nur aus Kostengründen. Wenn Väter und Mütter länger fehlen, kann dies ein KMU in Schwierigkeiten bringen.

Wenn Väter und Mütter aber schon gar nicht erst bei diesem KMU arbeiten wollen, hat der Arbeitgeber ein noch grösseres Problem. Denn Elternzeit ist nicht einfach Gratisurlaub. Es ist ein Mittel, um die talentiertesten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Unternehmen zu holen. Kein Wunder, sind vor allem Pharmafirmen bei der Elternzeit führend: Sie sind ständig auf der Suche nach Talenten.

Grosskonzerne werden ihre Elternzeit nicht abschaffen, eher werden sie künftig noch grosszügigere Leistungen anbieten. KMU sind deshalb gefordert, alles zu unternehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dazu kann auch die Einführung einer Elternzeit gehören.