Bei OVS droht eine Entlassungswelle

Eine Massenentlassung sei unumgänglich, schreibt Sempione Fashion in einem Brief an die Angestellten.

Maurizio Minetti
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Die OVS-Filiale an der Hertensteinstrasse in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 1. Juni 2018)

Die OVS-Filiale an der Hertensteinstrasse in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli, 1. Juni 2018)

Die Schweizer Angestellten von Sempione Fashion erhielten dieser Tage einen Brief, der auf eine Entlassungswelle hindeutet. Darin werden sie informiert, dass das Unternehmen Massenentlassungen in Betracht zieht. Ein Konsultationsverfahren sei eingeleitet worden. Angestellte sollen innert vier Monaten Vorschläge machen, wie sich Kündigungen vermeiden lassen. Ein Sprecher bestätigte gegenüber unserer Zeitung die Echtheit des Briefes.

Sempione Fashion mit Hauptsitz in Pfäffikon SZ hatte erst vor knapp zwei Jahren den Modehändler Charles Vögele übernommen. Letzte Woche ist bekannt geworden, dass Sempione vor der Pleite steht. In Pfäffikon arbeiten heute noch 148 Personen, nachdem der italienische Sempione-Hauptinvestor OVS bereits in den letzten Monaten Hunderte Stellen gestrichen hatte. Die Italiener hatten im Dezember 2016 rund 140 Schweizer Geschäfte von Charles Vögele gekauft. Die Vögele-Läden wurden komplett umgebaut und in OVS umbenannt. Schweizweit zählt OVS rund 1180 Angestellte.

1180 Mitarbeitende stehen vor der Kündigung

Im Brief, der unserer Zeitung vorliegt, betont das Unternehmen, dass keine Sozialplanpflicht bestehe. Unter der Bemerkung «Zahl der Arbeitnehmenden, denen gekündigt werden soll», heisst es: «Wir rechnen derzeit mit rund 1180 Mitarbeitenden, welche von möglichen Massnahmen – welche auch Kündigungen umfassen – betroffen sein könnten.»

Der Modehändler geht im Brief auch auf die Absicht ein, einen Teil der Filialen «an einen oder mehrere Dritte zu übertragen». Hinweise, wer die Filialen übernehmen könnte, macht Sempione Fashion nicht. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, abzuschätzen, ob und inwiefern bei einer allfälligen Übertragung eines Teils der Filialen an Dritte eine Lösung für die Belegschaft gefunden werden könne, heisst es im Brief. Kündigungen in Zusammenhang mit einer möglichen Massenentlassung würden nach Ende der Konsultationsfrist bis Ende Juni 2018 ausgesprochen.

Der von CEO Jürg Bieri und Personalchef Martin Zois unterzeichnete Brief schliesst so: «Wir bedauern diese Situation aufrichtig und möchten Ihnen für Ihre langjährige Treue und Solidarität sowie Ihren unermüdlichen Einsatz bereits heute herzlich danken. Ohne jeden einzelnen von Ihnen hätten wir in den letzten Jahrzehnten nicht die Höhen und Tiefen durchstehen und die vielen kleinen und grossen Erfolge erreichen können.»

 

Ohnmacht bei den OVS-Angestellten

Der italienische Modekonzern OVS zieht sich zum zweiten Mal aus der Schweiz zurück. Über tausend ehemalige Charles-Vögele-Angestellte bleiben im Ungewissen.
Maurizio Minetti