Bei Ricardo wird Teures teurer

Das Schweizer Auktionsportal Ricardo.ch schafft die Einstellgebühren ab. Dies sorgt besonders bei Anbietern hochpreisiger Produkte für Kopfschütteln.

Raphael Bühlmann
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Das Schweizer Auktionsportal Ricardo.ch hat sein Preismodell angepasst. (Bild: Sigi Tischler/Keystone (Zug, 18. Oktober 2011))

Das Schweizer Auktionsportal Ricardo.ch hat sein Preismodell angepasst. (Bild: Sigi Tischler/Keystone (Zug, 18. Oktober 2011))

«Wir haben den Preisplan so ­angepasst und moderne Bezahlmöglichkeiten wie Apple Pay integriert, um auch für kleinere Händler wieder attraktiver zu werden.» Simon Marquard, Digital Communication Manager bei Tamedia, sagt, dass im Beson­deren Geschäftstreibende, die gleiche Artikel oft mehrmals beim Auktionshaus einstellen würden, mit dem neuen Modell in Zukunft besser fahren würden.

Konkret: Wer bis anhin etwas bei Ricardo zur Auktion feilbot, zahlte dafür zwischen 0.15 bis 2.50 Franken. Diese Gebühr wurde immer fällig, also auch dann, wenn das Inserat nach maximaler Laufzeit von zehn Tagen erfolglos endete. «Das Abschaffen der Einstellgebühren war eine der Änderungen, die von unseren Nutzerinnen und Nutzern am häufigsten nachgefragt wurde», erklärt sich Francesco Vass, CEO von Ricardo mit Sitz in Zug, in einer entsprechenden Medienmitteilung. Marquard fügt dem hinzu, dass ohne Einstellgebühr die Hemmschwelle für erstmalige Nutzer sinken werde. Man rechne bei Ricardo mit einer entsprechenden Zunahme von Auktionen.

Es werden immer mehr teure Produkte gehandelt

Soweit die guten Absichten von Ricardo, das bestehende Preissystem zu vereinfachen. Um ­allerdings den Wegfall der Einnahmen aus den Einstellgebühren kompensieren zu können, ­erhöht die Auktionsplattform gleichzeitig die Abschlussprovision. Und zwar um 12,5 Prozent. Kommt es zum Verkauf, ist neu in jedem Fall fast ein Zehntel des Erlöses an Ricardo zu entrichten.

Das stösst bei einigen Nutzern sauer auf. «Bis jetzt musste ich 14 Franken pro Verkauf zahlen, jetzt sind es 190 Franken», empört sich ein Kunde der Auktionsplattform, der anonym ­bleiben will, und bezeichnet die Preiserhöhung als «unglaublich». Simon Marquard bestätigt auf Anfrage, dass die Auktion für Inserenten von hochpreisigen ­Artikeln tatsächlich teurer würden. «Das betrifft jedoch nur rund 3,5 Prozent aller Transak­tionen auf ricardo.ch», so Marquard. Der weitaus grösste Teil der Auktionen spielten sich in tieferen Preissegmenten ab.

Dabei scheint bemerkenswert, dass bei Ricardo immer mehr teure Produkte gehandelt werden. Allen voran grosse Maschinen für das Bau- und Landwirtschaftsgewerbe. Gemäss eigener Statistik der Onlineplattform werden heute Artikel aus der Agrar- und Forstwirtschaft für monatlich knapp zwei Millionen Franken gehandelt, Tendenz weiter steigend.

Nur Louis Vuitton vor Bagger

Eine Kategorienanalyse zeigt, dass bei Ricardo vor allem der Handel mit Bau- und Landmaschinen stark zugenommen hat. «In den letzten zwei Jahren haben sich die Verkäufe und der Umsatz in dem Bereich mehr als verdoppelt», schreibt die Auktionsplattform in einer Mitteilung von Ende Juli. 2017 setzte die Tamedia-Tochter in der neu zusammengefassten Kategorie «Agrar, Forst und Bauen» rund 71000 Artikel im Wert von über 22,1 Millionen Franken um. Im Jahr 2015 waren es in dem Bereich noch deren 32000 verkaufte Artikel im Wert von rund 9,3 Millionen. «Aktuell wechselt alle zehn Minuten ein Artikel aus der Land-, Forst- oder Bauwirtschaft über ricardo.ch seinen Besitzer», hält Ricardo dazu weiter fest. Diese wachsende Nachfrage zeige sich ebenfalls in der allgemeinen Suchstatistik. Der Begriff «Bagger» belegt den zweiten und «Traktor» den vierten Platz der häufigsten Suchanfragen des vergangenen Jahres. Im 2017 wurde über die Suchmaschine von Ricardo nicht weniger als 81000 Mal nach einem «Bagger» gesucht. Nur der Suchbegriff «Louis Vuitton» erfreut sich mit über 97000 Suchanfragen einer noch grösseren Beliebtheit. Wirft man noch einen Blick auf die fleissigsten Verkäufer und deren Wohnkantone in der Kategorie «Agrar, Forst und Bauen», macht der Kanton Bern mit einem Jahresumsatz von fast 4 Millionen Franken im Jahr 2017 deutlich das Rennen. Auf Platz zwei mit immerhin 2,8 Millionen folgt Zürich, dicht gefolgt vom Kanton Aargau mit verkauften Waren im Wert von 2,5 Millionen Franken im letzten Jahr. (rab)