Beim Milchverarbeiter Hochdorf geht fast der ganze Verwaltungsrat

Vier von fünf Verwaltungsräte nehmen den Hut, darunter der Präsident Bernhard Merki. Sie fordern eine klare strategische Stossrichtung der Grossaktionäre.

Maurizio Minetti
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Der Hauptsitz des Milchverarbeiters Hochdorf.

Der Hauptsitz des Milchverarbeiters Hochdorf.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Hochdorf, 11. April 2019)

Überraschende Wende beim angeschlagenen Milchverarbeiter Hochdorf: Das börsenkotierte Unternehmen gab am Dienstag bekannt, dass vier von fünf Verwaltungsratsmitgliedern an der kommenden Generalversammlung nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung stehen. Präsident Bernhard Merki, Vize Jörg Riboni sowie die Mitglieder Markus Kalberer und Walter Locher nehmen demnach am 17. April den Hut. Markus Bühlmann, Vertreter der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), bleibt hingegen an Bord.

Die Abgänge sind insofern überraschend, als Merki, Riboni und Kalberer erst an der letzten Generalversammlung im April 2019 ins Gremium gewählt worden waren. Damals wurde auch Bühlmann frisch in den Verwaltungsrat gewählt. Locher sitzt seit 2014 im VR.

Bernhard Merki.

Bernhard Merki.

Milchproduzenten verlieren an Einfluss

In der Mitteilung bezeichnet Hochdorf den Schritt als «logische Konsequenz nach den umfassenden Verschiebungen im Aktionariat». Gemeint ist damit die Tatsache, dass vor einem Jahr noch die ZMP Invest AG mit einem Anteil von 14,5 Prozent die grösste Aktionärin war. Mittlerweile halten jedoch Amir Mechria und die Stichting General Holdings zusammen einen Anteil von rund 40 Prozent. Damit sind sie die grössten Aktionäre und die ZMP Invest mit einem Anteil von etwas mehr als 12 Prozent nur noch drittgrösste Aktionärin. Nach Abschluss der vollständigen Wandlung der ausstehenden Pflichtwandelanleihe in Aktien werden die grössten Aktionäre rund 60 Prozent der Aktien der Gesellschaft halten. Der Anteil der ZMP Invest wird dann zwar wieder auf 15 Prozent steigen, doch mit der neuen Kapitalstruktur hat ZMP Invest nicht mehr den gleichen Einfluss.

Vor diesem Hintergrund ist Hochdorf der Meinung, dass «die künftige strategische Ausrichtung und allfällige Anpassungen in der Kapitalstruktur der Gesellschaft von den Grossaktionären bestimmt und umgesetzt werden müssen». Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zu hören, dass für den Verwaltungsrat unklar ist, welche Strategien Mechria und Stichting genau verfolgen. Das Fass zum Überlaufen brachte offensichtlich Stichting im Dezember mit einem Antrag zur Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung und der Forderung einer Sonderprüfung im Zusammenhang mit dem Verkauf der Tochtergesellschaft Pharmalys. Für den Verwaltungsrat ist dieses Vorgehen ein klares Zeichen für Misstrauen.

Das Aufsichtsgremium ist der Meinung, dass sich die Grossaktionäre «auf einen gemeinsamen Weg bezüglich künftiger Kapitalstruktur und strategischer Ausrichtung einigen» müssen. Die Grossaktionäre sollen danach Vertreter ihrer Wahl für den Verwaltungsrat vorschlagen, heisst es aus Hochdorf.

Bei ZMP Invest heisst es auf Anfrage, dass man diese Forderungen nachvollziehen könne. Die Milchproduzenten nehmen seit der letzten GV im April 2019 mit Markus Bühlmann Einsitz im VR. «Insofern erfüllen wir die Forderung des Verwaltungsrates bereits», sagt ZMP-Sprecherin Carol Aschwanden. Für die ZMP Invest AG sei wichtig, dass die beiden Grossaktionäre nun ebenfalls Verantwortung übernehmen können und «kompetente Personen für den zukünftigen Verwaltungsrat portieren».

Letztes Jahr kam es zum Umbruch

Hochdorf hat eine turbulente Zeit hinter sich: Im März 2019 trat CEO Thomas Eisenring zurück und an der GV im April 2019 wurde Verwaltungsratspräsident Daniel Suter abgewählt und durch Bernhard Merki, Ex-Chef des Hochdorfer Fensterherstellers 4B, ersetzt. Mit dem Wechsel hatten sich die kritischen Aktionäre durchgesetzt, die dem Verwaltungsrat mehrere strategische Fehler vorgeworfen hatten. Das Hauptproblem waren die schlecht laufenden Geschäfte der mehrheitlich von Hochdorf übernommenen Babynahrungsfirma Pharmalys. Diese Firma hat Hochdorf mittlerweile dem ehemaligen Besitzer Amir Mechria zurückverkauft – allerdings mit Verlust.

Hochdorf schreibt in der Mitteilung, dass durch den Pharmalys-Verkauf und dem Abschluss neuer Bank-Kredite im Oktober 2019 die Gesellschaft heute «wieder auf etwas soliderem Boden» stehe. Das Unternehmen hat allerdings nach wie vor eine dünne Kapitaldecke.

Voraussichtlich bei der Präsentation der Jahreszahlen am kommenden 19. März soll über die geplante künftige Zusammensetzung des Verwaltungsrats informiert werden. Weder Amir Mechria noch Stichting äusserten sich am Dienstag zu den Vorgängen.