Beim Milchverarbeiter Hochdorf ist die Unsicherheit gross

In den letzten Monaten haben viele Mitarbeitende den taumelnden Milchverarbeiter verlassen, darunter die Personalchefin. Auch die langjährige Leiterin der Abteilung für Lebensmittelsicherheit geht Ende Jahr.

Maurizio Minetti
Drucken
Teilen
Der Hauptsitz des Milchverarbeiters Hochdorf. (Bild: Corinne Glanzmann, Hochdorf, 5. April 2018)

Der Hauptsitz des Milchverarbeiters Hochdorf. (Bild: Corinne Glanzmann, Hochdorf, 5. April 2018)

«Wir verabschieden und wünschen für die Zukunft alles Gute.» Unter diesem Titel informiert der Milchverarbeiter Hochdorf jeweils intern, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Firma verlassen. In letzter Zeit war das besonders oft der Fall: Allein in den vergangenen vier Monaten haben sich 40 Personen verabschiedet, wie aus dem Umfeld des Unternehmens zu erfahren ist. Teilweise würden offene Stellen nicht mehr besetzt.

Die hohe Fluktuation dürfte mit der unsicheren Lage von Hochdorf zu tun haben. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen einen riesigen Verlust von 63,6 Millionen Franken ausgewiesen. Hochdorf selbst schrieb Ende August von einer «ernst zu nehmenden Krise», in der man sich befinde.

Hauptgrund dafür sind die Probleme der 51-Prozent-Tochter Pharmalys, die sich deutlich schlechter als erwartet entwickelt habe. In der Folge hätten wegen einer Neubeurteilung der Geschäftsrisiken bei Pharmalys erhebliche Debitorenrückstellungen gebildet und Wertberichtigungen vorgenommen werden müssen. Wenig später übernahm Hochdorf-Interimschef Peter Pfeilschifter den Chefposten bei der kriselnden Tochter. Er folgte damit auf Pharmalys-Gründer Amir Mechria, der kurz davor von allen Funktionen bei Pharmalys zurückgetreten war. Bereits im Frühjahr war es zu einem Wechsel im Verwaltungsrat gekommen, als unter anderem Präsident Daniel Suter abgewählt und Bernhard Merki an die Spitze des Aufsichtsgremiums gewählt worden war. Seitdem versucht der ehemalige Chef des Hochdorfer Fensterbauers 4B das Ruder bei Hochdorf herumzureissen.

Abgänge sollen ersetzt werden

Bislang ist ihm das nicht gelungen. Die Banken könnten Hochdorf schon im Herbst den Geldhahn zudrehen. Wird ein überlebenswichtiger Kredit nicht gesprochen, könnte der börsenkotierte Betrieb mit weltweit fast 700 Beschäftigten Konkurs gehen. Allein in Hochdorf arbeiten heute 210 Personen.

Diese Situation führt dazu, dass sich vor allem das qualifizierte Personal nach einem neuen Job umsieht. Der wohl gewichtigste Abgang ist jener der Chefin der 40-köpfigen Abteilung Lebensmittelsicherheit (Food Safety). Insider sagen, der freiwillige Rücktritt der erfahrenen Lebensmittelingenieurin sei ein herber Verlust für das Unternehmen. Hochdorf-Sprecher Christoph Hug bestätigt, dass die Bereichsleiterin die Firma Ende Jahr verlassen werde. Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin sei eingeleitet worden. Eine weitere Schlüsselposition muss ebenfalls neu besetzt werden: Die Personalchefin, eine weitere Bereichsleiterin, hat die Firma bereits verlassen. Auch hier läuft die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger.

Firmensprecher Christoph Hug wollte die Abgänge auf Führungsstufe nicht weiter kommentieren. Er räumte ein, dass die Unsicherheit im Unternehmen zwar verständlicherweise gross sei, die Fluktuationsrate bei Hochdorf aber in den letzten Jahren immer wieder geschwankt habe. Man glaube nach wie vor daran, die finanziell schwierige Situation zu überwinden.

Davon zeugt, dass Hochdorf aktuell rund ein Dutzend Jobs ausgeschrieben hat, darunter auch vier Lehrstellen ab Sommer des kommenden Jahres.