BEKLEIDUNG: «China wird immer teurer»

Calida-Chef Felix Sulzberger will mit seiner Outdoorsparte wachsen. Dafür investiert der Markenspezialist kräftig. Die Produktion in Asien aber fährt der Surseer Wäschehersteller etwas zurück.

Interview Roman Schenkel
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Calida-CEO Felix Sulzberger am Hauptsitz der Gruppe in Sursee. (Bild Pius Amrein)

Calida-CEO Felix Sulzberger am Hauptsitz der Gruppe in Sursee. (Bild Pius Amrein)

Interview Roman Schenkel

Felix Sulzberger, in Grindelwald und Zermatt eröffnen Sie neue Shops für ihre Ski- und Outdoorbekleidung. Weshalb die Eröffnungslaune?

Felix Sulzberger:Wir wollen mit unserer Outdoormarke Millet wachsen. Dafür sind die beiden Skidestinationen perfekt. Dass wir nun neben Chamonix auch in Grindelwald und Zermatt präsent sein werden, hat neben wirtschaftlichen Überlegungen aber auch historische Gründe. Das Millet-Logo besteht aus einem Triangel. Es heisst Triologie und steht für Chamonix, Zermatt und Grindelwald. Dort bezwang der französische Alpinist Eric Escoffier im Jahre 1987 zum ersten Mal mit einer Millet-Ausrüstung die drei schwierigsten Nordwände der Alpen im Alleingang – die Nordwand des Matterhorns, die Eigernordwand und bei Chamonix die Grandes Jorasses. Wir wollen diese grosse Vergangenheit von Millet wieder aufleben lassen.

Die goldenen Zeiten für die Outdoorbranche scheinen aber vorbei.

Sulzberger:Es gibt ja fast wöchentlich Zeitungsartikel über die angeblich so schwierige Outdoorbranche. Natürlich stimmt es, dass die Konkurrenz hart, der Preisdruck enorm und der Markt gesättigt ist. Das trifft aber auf andere Branchen ebenso zu.

Das erste Halbjahr lief für Calida nicht sehr gut. Wie sieht es nun in der zweiten Jahreshälfte aus?

Sulzberger: Das erste Halbjahr hat schwach begonnen. Das hatte insbesondere mit den Konsumenten zu tun – gerade in der Schweiz. Mit dem Frankenschock kam auch viel Pessimismus auf. Es wurde weniger gekauft. Seit dem Monat Mai sehen wir aber einen klaren Trend nach oben. Fürs ganze Jahr sind wir recht zuversichtlich.

Calida hat den Turn-around der übernommenen Lafuma-Gruppe mit den Marken Lafuma, Millet, Eider und Oxbow geschafft. Die Gruppe befindet sich in einem Übergangsjahr. Wie zeigt sich das?

Sulzberger:2013 und 2014 standen im Zeichen der Restrukturierung. Im laufenden Jahr steht nun Entwicklung im Vordergrund. Wir haben viel aufgegleist und viel Geld investiert. Die Ladeneröffnungen in der Schweiz sind gute Beispiele.

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses war dabei wohl nicht gerade hilfreich.

Sulzberger:Die Währungsturbulenzen haben uns hart getroffen. Neben dem Euro macht uns auch der Dollar das Leben schwer. Wir kaufen sehr viel in Asien ein und produzieren dort auch in einer eigenen Fabrik. Bei Calida ist dieser Anteil nicht sehr hoch, bei technischen Gegenständen wie Bergschuhen oder Rucksäcken aber schon. Unsere Kosten in Dollar übersteigen unsere Dollareinnahmen um rund 50 Millionen.

Sie stecken in einer Währungsklemme.

Sulzberger: Ja, wir kaufen teuer in Dollar ein und verkaufen es zu einem tieferen Preis in Euro. Wir werden also doppelt bestraft. Den Dollar hatten wir zu 80 Prozent abgesichert. Der Kursanstieg des Greenbacks betrifft uns dadurch dieses und auch das nächste Jahr weniger stark. Aber man muss dennoch viel verdauen. Wir müssen Kosten senken, mit den Lieferanten die Verträge neu aushandeln und allenfalls Lieferantenstandorte versetzen.

Welche zum Beispiel?

Sulzberger: Wir machen derzeit eher wieder etwas weniger in Asien und wieder mehr in Europa. China wird immer teurer. Die Kosten steigen pro Jahr um 10 bis 12 Prozent. Die Kostenvorteile, die vor 20 Jahren alle nach Asien zum Produzieren gelockt hatten, sind heute nicht mehr so stark. Unsere Fabriken in Ungarn, aber auch in Tunesien sind nicht mehr so stark in Rückstand.

Waren Entlassungen oder Verlängerung der Arbeitszeit wegen des harten Frankens für Sie aber kein Thema?

Sulzberger:Wir haben immer optimiert, wenn es notwendig war. Nur wegen der Währungsschwierigkeiten haben wir nicht gesehen, dass wir etwas anders machen könnten. Entlassungen oder Verlagerungen sind oft zu kurzsichtig. Wir haben in der Schweiz optimierte Prozesse, motivierte und erfahrene Mitarbeitende. Das wiegt vieles auf. Der Schweizer Standort hat seine Berechtigung, davon bin ich nach wie vor überzeugt.

War man zu euphorisch, was China anbelangt?

Sulzberger: Das denke ich nicht. China wandelt sich jetzt von einem Produzenten- zu einem Konsummarkt. Das ist auch der Grund, wieso wir in China nun Verkaufsaktivitäten entwickeln. Wir haben einen Manager eingestellt, der mit seinem Team den chinesischen Markt bearbeiten soll. Outdoor ist ein grosses Thema in China. 2022 folgen ja die Olympischen Winterspiele. Das wird einen Boom auslösen.

Mit Lafuma ist der französische Markt der wichtigste für Calida geworden. Was heisst das für Calida?

Sulzberger:Der Euroanteil ist natürlich noch grösser geworden. Aber schon in der Ur-Calida war der Umsatz im Ausland gleich gross wie in der Schweiz. Da der Schweizer Markt begrenzt ist, ist es schon richtig, wenn wir im Ausland wachsen. Nicht günstig ist es, wenn man zu stark von einem Land abhängig ist. Frankreich macht derzeit rund 40 Prozent unseres Umsatzes aus. Mir wäre es lieber, wir hätten in Asien und anderen Wachstumsmärkten einen etwas grösseren Anteil.

Wie gross ist denn der Umsatzanteil in Asien?

Sulzberger:Von der Gesamtgruppe macht Asien rund 10 Prozent aus. Besonders stark sind wir in Japan mit Aubade und Millet. In Hongkong ist Lafuma gut vertreten. Und in China fangen wir ja erst an.

Sie sind ein Markenmensch. Ist es für Sie ein Problem, dass viele Leute die Marke Millet hierzulande nicht kennen?

Sulzberger:Sie sind einfach zu jung, um Millet zu kennen! Als ich 20 Jahre alt war, war Millet gross. Sie ist eine alte Bergmarke. Millet ist einfach zu stark in der Versenkung verschwunden. Mit Ausnahme von Asien und Frankreich. Nur eine kleine Anekdote: Als wir Lafuma übernommen haben, hat mir der Besitzer des Luzerner Sporthändlers Eiselin einen Brief geschrieben und mir gratuliert. Eiselin senior hat einst sogar ein Praktikum bei Millet gemacht. Bei den Bergsteigern und den Insidern hat Millet also immer noch einen hohen Stellenwert.

Calida verkauft nun auch Gartenmöbel. Wie passt das zusammen?

Sulzbeger: Zuerst einmal muss ich sagen, dass das Geschäft mit den Möbeln neben der Stammmarke Calida derzeit am besten läuft. Gartenmöbel passen auch gut zu uns. Sie haben einen hohen Textilanteil. Zudem kommt die Produktion historisch von den Rücksäcken. Früher waren Rucksäcke mit Rohrkonstruktionen gefertigt, daraus hat sich dann die Möbelproduktion entwickelt.

Keine Überlegungen, das Geschäft zu verkaufen?

Sulzberger:Nein. Gartenmöbel sind für uns die perfekte Ergänzung. Sie werden vor allem im Sommerhalbjahr verkauft. Die anderen Marken sind eher winterlastig. Das gleicht unsere Finanzströme aus. Wenn der Cashflow der Gartenmöbel reinkommt, müssen wir gleich das Lager für die Winterbekleidung aufbauen.

Wie sieht es eigentlich mit dem Onlinebereich von Calida aus?

Sulzberger: Die Vertriebskanäle haben sich bei Calida sehr stark verändert. Heute sind Aubade und Calida im Onlinebereich sehr weit. Wir verkaufen zwischen 40 und 50 Prozent direkt an den Konsumenten – über eigene Läden, Outlets und Online. Davon wächst online am stärksten.

Online konkurrenziert aber Ihre Läden.

Sulzberger: Der Onlineboom ist zu einem grossen Anteil Verlagerung. Statt im Laden kaufen die Leute im Internet. Auch die höhere Marge muss man mit Vorsicht geniessen. Das Onlinebusiness hat hohe Kosten. Denken Sie nur mal an die ganze Logistik. Dann kommen noch die Retouren.

Sie leiten Calida seit 2001 operativ. Wann ist die Zeit reif für einen Wechsel ins Präsidium?

Sulzberger:Nächstes Jahr werde ich 65. Da macht man sich schon Gedanken. Ich habe nicht vor, ewig weiterzumachen. Aber bis heute haben wir noch nichts vereinbart. Der Job macht mir sehr viel Spass, aber ein Rückzug muss gut geplant sein, und in der Regel ist ja 65 das Pensionsalter. Es gibt ja auch noch andere Dinge im Leben.

ZUR PERSON

Felix Sulzberger (64) ist seit 2001 CEO der Calida-Gruppe. Zuvor war der gebürtige Berner unter anderem für Reebok, Fruit of the Loom und Levi Strauss tätig. Sulzberger schloss 1975 sein Betriebswirtschaftsstudium an der Universität Graz ab.

Bild: Grafik Neue LZ/Oliver Marx

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