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BEKLEIDUNG: Vor der Kampfwahl bei Calida

Nächste Woche wird sich zeigen, ob der ehemalige Calida-CEO Felix Sulzberger im Verwaltungsrat bleiben kann. Seine Chancen sind gering. Eine Überraschung ist aber nicht ausgeschlossen.
Der ehemalige Calida-CEO Felix Sulzberger, hier am Hauptsitz in Sursee im letzten November, möchte im Verwaltungsrat bleiben. (Bild Pius Amrein)

Der ehemalige Calida-CEO Felix Sulzberger, hier am Hauptsitz in Sursee im letzten November, möchte im Verwaltungsrat bleiben. (Bild Pius Amrein)

Maurizio Minetti

Am kommenden Donnerstag wird an der Generalversammlung der Calida im KKL Luzern vor allem einer im Zentrum stehen: Felix Sulzberger. Der langjährige und unbestritten erfolgreiche CEO des Surseer Wäscheherstellers tritt zur Wiederwahl in den Verwaltungsrat an. Im Aufsichtsgremium sitzt er bereits seit 2008. Die Gründerfamilie Kellenberger, die derzeit 34,7 Prozent der Aktien besitzt, möchte ihn aber draussen haben.

Kampf um Strategie

Grund dafür ist ein Zwist, den beide Parteien eigentlich nie öffentlich austragen wollten, der aber seit Monaten für schlechte Presse sorgt. Die Familie Kellenberger möchte – unterstützt vom Verwaltungsrat – die in den letzten Jahren übernommenen Firmen «richtig aufstellen», wie es kürzlich Verwaltungsratspräsident Thomas Lustenberger in einem Interview mit der «Handelszeitung» formulierte. Sprich: bestehende Marken stärken und organisches Wachstum generieren. Sulzberger hingegen plädiert dafür, dass Calida durch weitere Übernahmen wachsen soll. Dass es für Zukäufe einer Kapitalerhöhung bedarf und die Familie diese wegen der drohenden Verwässerung ihrer Anteile ablehnt, dürfte auch eine Rolle spielen. Wegen dieser Meinungsverschiedenheiten musste Sulzberger Ende März den Hut nehmen. Ursprünglich vorgesehen war, dass er Ende 2016 pensioniert wird.

Ein weiterer Grund für die Ablehnung der Wiederwahl von Sulzberger seitens der Gründerfamilie ist, dass der Verwaltungsrat dem neuen CEO Reiner Pichler Gestaltungsfreiheit ermöglichen will, ohne dass ihm sein Vorgänger über die Schulter schaut.

Kleinaktionäre und Fonds

Calida liegt Sulzberger aber weiterhin am Herzen – und er möchte seinen ehemaligen Kollegen im Verwaltungsrat weiterhin auf die Finger schauen, wie er der «Bilanz» sagte. Seine Wahlchancen stehen auf den ersten Blick schlecht, denn die Familie Kellenberger kontrolliert über einen Drittel des Kapitals. Sulzberger geniesst jedoch die Unterstützung des zweitgrössten Aktionärs Micalux mit einem Anteil von über 16 Prozent. Die restlichen Anteile halten diverse Fonds sowie zahlreiche Kleinanleger. Knapp 40 Prozent der Calida-Aktien sind in Besitz von institutionellen Anlegern, die zu einem grossen Teil Sulzberger in seiner fast 16-jährigen Amtszeit ins Boot gelockt hat. Unter diesen Aktionären ist die Unterstützung für Sulzberger nach wie vor gross, wie von verschiedenen Seiten zu hören ist.

Ethos gegen ISS

Ein Ass im Ärmel für Sulzberger ist der einflussreiche Stimmrechtsberater Ethos, der vor Wochenfrist die Wiederwahl von Sulzberger empfohlen hat. Ethos-Direktor Vincent Kaufmann sagt, dass diejenigen Fonds, die den Empfehlungen von Ethos folgen, rund 5 Prozent der Calida-Aktien halten. «Wie viele letztlich für ihn stimmen werden, wissen wir nicht», so Kaufmann. Allerdings hat Ethos mit dem US-amerikanischen Stimmrechtsberater ISS einen Gegenspieler, der die Wiederwahl von Sulzberger nicht unterstützt. Den ISS-Empfehlungen folgt zum Beispiel der Fondsanbieter Swisscanto, der rund 4 Prozent der Calida-Anteile besitzt. Ob Swisscanto Sulzberger tatsächlich nicht wählen wird, ist aber nicht klar. Das Unternehmen will sich dazu nicht äussern. Angesichts dieser Unsicherheiten bleibt Kaufmann vorsichtig: «Für Sulzberger wird es schwierig.»

«Wiederwahl kann gelingen»

Kaum Chancen für Sulzberger sieht hingegen Marc Possa, Chef der VV Vermögensverwaltung AG in Zug und langjähriger Beobachter des Calida-Konzerns. «Ich glaube, es gelingt ihm nicht», so Possa. Der Anteil der Familie ist seiner Meinung nach schwierig zu toppen. Possa macht aber keinen Hehl daraus, dass er eine Wiederwahl von Sulzberger begrüssen würde. «Dass man eine fähige Person mit einem sehr guten Leistungsausweis einfach so eliminieren will, halte ich für falsch», sagt Possa. Sulzberger selbst spricht von einer Fifty-fifty-Möglichkeit. «Eine Wiederwahl kann gelingen», sagt der 65-Jährige auf Anfrage. Oder wie es Calida-Verwaltungsratspräsident Thomas Lustenberger vor kurzem formuliert hat: «Das weiss niemand.»

Eine Wahl ist schon geglückt

mim. Während die Wahl oder Nichtwahl von Felix Sulzberger in den Calida-Verwaltungsrat noch offen ist, kann er sich über ein anderes VR-Mandat freuen. Sulzberger ist seit dieser Woche Mitglied des Verwaltungsrats eines nicht börsenkotierten Unternehmens, wie er auf Anfrage bestätigt. Den Namen der Schweizer Firma möchte er noch nicht nennen. Einen Zusammenhang mit Calida gebe es nicht. Sulzberger ist darüber hinaus schon seit 2001 Mitglied des Beirats der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Finatem. Im vergangenen Februar hat er dort den Vorsitz übernommen. Finatem hält keine Beteiligungen an Schweizer Firmen.

Seit 2004 sitzt Sulzberger zudem im Verwaltungsrat der französischen Lafuma, die zu über 70 Prozent Calida gehört. Seine Amtsdauer dort endet eigentlich erst 2018, er dürfte aber an der kommenden Generalversammlung am 12. Mai in Lyon durch den Mehrheitsaktionär – sprich: Calida – abgewählt werden.

Pichler bei Brillenfirma Viu

Auch der neue Calida-CEO Reiner Pichler verfolgt weitere Engagements. Gemäss Calida-Geschäftsbericht ist er Mitglied des Verwaltungsrates der Viu Ventures AG in Zürich sowie Mitglied des Beirats von Hess Natur-Textilien im deutschen Butzbach. Das Schweizer Start-up Viu Ventures hat in letzter Zeit mit seinen in Italien hergestellten Designerbrillen in der Modewelt für Furore gesorgt.

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