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BERGBAHNEN: Mit ihm endet am Pilatus eine Ära

Unter der Ägide von Oscar J. Schwenk haben die Pilatus-Bergbahnen wirtschaftlich einen Quantensprung gemacht. Seine Versprechen habe er eingehalten, sagt der scheidende Präsident.
Hans-Peter Hoeren
Oscar J. Schwenk an der Talstation der steilsten Zahnradbahn der Welt in Alpnach. (Bild Corinne Glanzmann)

Oscar J. Schwenk an der Talstation der steilsten Zahnradbahn der Welt in Alpnach. (Bild Corinne Glanzmann)

Hans-Peter Hoeren

Er ist ein erfolgreicher Unternehmer. Und er ist sehr naturverbunden. Über 40 Jahre lang hat Oscar J. Schwenk (69) einen eigenen Bauernhof am Pilatus bewirtschaftet. Er besitzt Wald am Luzerner Hausberg, geht dort zur Jagd. «Meine erste Gämse habe ich am Pilatus geschossen, ich kenne jeden Weg am Pilatus», sagt der scheidende Verwaltungsratspräsident der Pilatus-Bahnen. 17 Jahre lang hatte er das Präsidium bei der Bergbahn inne. An der Generalversammlung am kommenden Dienstag tritt er nicht mehr zur Wahl an. Als Nachfolger wird Bruno Thürig, CEO der Kantonalbank Obwalden, zur Wahl vorgeschlagen.

Der Kampf mit dem Kantönligeist

In der Ära Schwenk hat die Bergbahn einen Quantensprung gemacht. Als der Unternehmer und langjährige CEO der Pilatus-Flugzeugwerke 1999 zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt wurde, gab es noch zwei Bahnen: die Pilatus-Bahn-Gesellschaft und die Krienseregg-Bahn. Für deren Fusion sei viel Überzeugungsarbeit notwendig gewesen, sagt Schwenk. Die Aktionäre stammten vor allem aus drei Kantonen, der «Kantönli­geist» sei immer wieder aufgeflackert. Mit Luzern, Alpnach und Hergiswil sind bis heute drei Korporationen Vertragspartner, die Überfahrrechte gewähren. «Ich habe den Aktionären versprochen, dass der Wert der Aktie nach der Fusion steigen wird und dass wir die Schulden abbauen», erinnert sich Schwenk.

Beide Versprechen wurden eingehalten. Der Aktienkurs hat sich seit der Fusion im Jahre 2000 fast verfünffacht. Der Gesamtumsatz hat sich mehr als verdoppelt, die Zahl der Gäste am Berg wurde merklich gesteigert. Die Bergbahn hat keine Bankschulden mehr, aus eigener Kraft wurden zirka 50 Millionen Franken in eine neue Infrastruktur am Pilatus investiert. Gemäss einer Studie der Hochschule Luzern – Wirtschaft sind die Pilatus-Bahnen die zweitrentabelste Bergbahn der Schweiz.

Gastronomie als Erfolgsstory

«Die Zusammenlegung der Bahnen hat uns eine flexible, kundenbezogene einheitliche Preisgestaltung ermöglicht», sagt Schwenk. Doch richtig autonom in der Preisgestaltung wurde man erst, als die Bergbahn ab 2001 dazu überging, die verpachteten Restaurants und Gastronomiebetriebe am Pilatus in Eigenregie zu führen. Das Führen der Gastronomiebetriebe wird zum Erfolg. Der Umsatz steigt deutlich, ebenso die Profitabilität. Schwenk setzte zudem seinen damaligen persönlichen Assistenten bei den Pilatus-Flugzeugwerken, André Zimmermann, als CEO der Bahn ein. Auf diesen folgte im vergangenen Jahr der aktuelle CEO Godi Koch.

Durch den Bau eines Seilparks, des Kinderspielplatzes «PiluLand» und die Pachtübernahme der Sommerrodelbahn wird der Freizeitwert rund um den Pila­tus gesteigert. «Für uns stand dabei aber immer der naturnahe Tourismus im Vordergrund. Das grösste Kapital am Pilatus ist die Natur», bekräftigt Schwenk.

Deshalb sei es wichtig, dass der Dialog mit jeder der zahlreichen Interessengruppe gepflegt werde – von den Jägern über die Land- und Forstwirtschaft, den Wanderern bis hin zur Interessen­gemeinschaft Pro Pilatus. «Alle müssen ihren Platz haben am Pilatus», sagt Schwenk. Angestrebt werde am Pilatus nach wie vor ein Anteil der Schweizer Besucher von über 50 Prozent. Gesteuert wird das über die Preise und teils auch über die Kontingentsvergabe bei den ausländischen Gruppen. «Als Bergbahn haben wir aber auch in vielerlei Hinsicht eine Verantwortung für Dinge, die nicht kommerziell sind», sagt Schwenk. Als Beispiel nennt er die Renovierung der Klimsenkapelle. Weil deren Fundament kaputt war, drohte diese Anfang 2000 abzurutschen. Dank Geldern von Bund und Kanton sowie privater Gönner konnte das Kleinod renoviert werden.

Jetzt ist Konsolidierung angesagt

Die Einnahmen aus dem Bahnbetrieb, der Gastronomie, aber auch aus dem Merchandising ermöglichten in den letzten Jahren Millioneninvestitionen in die Infrastruktur am Pilatus. Investiert wurde beispielsweise in die Renovierung des Hotels Pilatus-Kulm, in eine Panoramagalerie, aber auch in die erst kürzlich fertiggestellte Luftseilbahn Dragon Ride.

Nach den hohen Investitionen der vergangenen Jahre müssten die Kassen jetzt erst wieder gefüllt werden für die nächsten Investitionen, sagt Schwenk. Strategisch blickt er aber schon weit voraus. «Bei den Pilatus-Bahnen wird ein Grossteil der Gelder im Sommer eingenommen und teils im Winter wieder ausgegeben», sagt Schwenk. Der Winterbetrieb decke gerade einmal die eigenen Kosten. Die Pilatus-Bahnen müssten deshalb den Erwerb einer guten Winterbahn prüfen, sagt Schwenk. Ein Kauf hätte auch grosse Vorteile fürs Personal. Aktuell arbeiteten im Sommerbetrieb rund 300 Mitarbeiter für die Pilatus-Bahnen, im Winter rund 50. «Wenn wir eine Winterbahn übernehmen würden, könnte man viele unserer Mitarbeiter das ganze Jahr über beschäftigen», sagt Schwenk.

Probleme mit Talstation in Kriens

Ein Dorn im Auge ist ihm auch die Parkplatzsituation in Kriens. «An guten Tagen stauen sich die Autos bis in den Ort», sagt Schwenk. Die Gemeinde Kriens bekomme diese Probleme nicht in den Griff. «Dort, wo man vom Tourismus lebt, wie in Engelberg, hätte man schon längst eine Lösung gefunden», sagt Schwenk. Eine Alternative wäre für ihn eine Hochseilbahn von Obernau nach Luzern-Hauptbahnhof, die in der Nähe der jetzigen Talstation der Pilatusbahn in Kriens hält.

Oder man baue eine grosse Talstation im Schlund, wo sich viele grosse Shoppingcenter befinden. Die Bahnführung zum Pilatus wäre einfacher, und am Schlund gebe es genügend Parkplätze. «Einkaufen und zwischendurch Bahnfahren, um auszulüften, das passt zusammen», sagt Schwenk. Eine solche Talstation liesse sich in einem vernünftigen Zeithorizont realisieren, wenn alle wollten. Die Bahn würde dann nicht mehr über die Häuser fahren, sondern über den Wald. «Eine Win-win-Situation für alle», ist Schwenk überzeugt.

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