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BERGBAHNEN: Skigebiete am Scheideweg

Die Schweizer Skigebiete kämpfen mit sinkenden Gästezahlen. Ihre Zukunft wird von der öffentlichen Unterstützung abhängen. Erfolgsrelevant wird auch die Ausrichtung am Kunden – tiefe Preise können dafür eine Strategie sein.
Raphael Bühlmann
Zwei Skifahrerinnen vor der Kulisse des Brisen auf dem privaten Sessellift von Kurt Mathis (Bild: Dominik Wunderli (Haldigrat, 24. Januar 2018))

Zwei Skifahrerinnen vor der Kulisse des Brisen auf dem privaten Sessellift von Kurt Mathis (Bild: Dominik Wunderli (Haldigrat, 24. Januar 2018))

Raphael Bühlmann

Nicht nur Lawinen donnern derzeit talwärts. Immer mehr Bewegung kommt auch in das Angebot von Schweizer Bergbahnen – ausgelöst durch den massiven Preisrutsch in Saas Fee. Für 222 Franken war das Abo 2016/2017 zu haben. Mittels Dynamic Pricing, Tagesaktionen oder durch Zusammenschlüsse in Verbundkarten buhlen Skigebiete um immer weniger Touristen.

Ein Preiskampf, der in der Branche viel Staub aufwirbelt. Von «ruinösem Wettbewerb» oder «Schleuderpreisen» ist die Rede – mit dem Zeigefinger Richtung Saastal deutend. Reak­tionen, wie sie in anderen Branchen kaum vorstellbar wären. Bei Gastronomen beispielsweise dürfte die Preispolitik eines ­Hotelbetreibers kaum eine öffentliche Diskussion auslösen. Denn wie bei Hoteliers, orientiert sich das Pricing an der Strategie. Setzt man etwa den tiefsten Preis in der Branche, müssen die tieferen Margen pro verkaufte Einheit durch Skaleneffekte kompensiert werden. Kostenführerschaft nennt die Wirtschaftstheorie den Ansatz. Und so wie in anderen Metiers, dürfte auch bei den Wintersportgebieten die Tiefpreisstrategie nur eine von vielen ­Erfolgsfaktoren sein. «In einem Skigebiet muss das Gesamtpaket stimmen», erklärt Philipp Lütolf von der Hochschule Luzern. In einem Hotel mit fünf Sternen sei eine Übernachtung teurer als im Drei-Sterne-Bereich. Genau so sollten sich Bergbahnen differenzieren, sagt Lütolf. Gerade kleinere Gebiete müssen ihre Infrastruktur günstig halten, um einen tiefen Preis setzen zu können.

Umsätze sinken und die Betriebskosten steigen

Eine klare Positionierung scheint immer wichtiger. Après-Ski und Schlagermusik in Ischgl oder Halfpipe und Hip-Hop in Laax – zwei Beispiele, die den Erfolg einer zielgruppenorientierten Marktbearbeitung bestätigen. Dass der Preis bei Touristen dabei nicht das Mass aller Dinge ist, zeigt das Beispiel Engelberg-Titlis. Das Zentralschweizer Resort zählte im Winter 2016/17 knapp 600 000 Gäste, 8,4 Prozent mehr als in der Saison zuvor und 10,6 Prozent mehr als im Fünfjahresschnitt. Ein Erfolg, den der stellvertretende CEO und Leiter Marketing Peter Reinle unter anderem einer klaren strategischen Ausrichtung zuschreibt. «Wir stehen zu den Werten unserer Leistungen und werden uns auf keine Preiskämpfe einlassen. Eine ­Aktion wie in Saas Fee wäre für uns absolut tödlich», erklärt er. Heute verkaufe man 6000 Winterkarten, wären es 50 000 Abos wie im Walliser Skiort, würde an einem schönen Tag schlicht die Infrastruktur am Titlis zusammenbrechen. Den Erfolg der ­Engelberg-Titlis-Bahnen schreibt Reinle den Pistenverhältnissen, der geografischen Lage (Einzugsgebiet), der Kapazität der Transportanlagen, dem Gastronomieangebot sowie der konsequenten Marktbearbeitung zu.

Ein weiteres Beispiel aus der Zentralschweiz ist der Haldigrat. Mit nur einem Sessellift trifft Kurt Mathis oberhalb von Niederrickenbach derzeit einen Nerv bei denjenigen, die den Tiefschnee den präparierten Abfahrten vorziehen. Keine Pisten, keine Markierung und alles auf eigenes Risiko. «Zwei Fahrten Kosten 20 Franken, jede weitere 5 Franken», sagt Besitzer und Betreiber Mathis. Ein einfaches Geschäftsmodell, das aber aufgeht. Mathis lässt seine Anlagen nur an ausgewählten rund 150 Tagen im Jahr laufen. An einem schönen Wochenende gebe es auch mal Wartezeiten von zwei Stunden. «Die Gäste kommen aus aller Welt und sind überwiegend Freerider. Sie kommen ­wegen den unberührten Hängen, der Natur und weil bei mir alles etwas unkomplizierter ist», ist Mathis überzeugt. Das Beispiel Haldigrat ist wohl etwas überspitzt, zeigt aber, dass Gäste zu zahlen bereit sind, wenn das Angebot die Nachfrage trifft. Im Fall Haldigrat nehmen sie dafür einen Fussmarsch von 30 Minuten, lange Wartezeiten und einen in die Jahre gekommenen, gemächlichen Zweiersessellift in Kauf.

Internationale Konkurrenz

Ob Abgrenzung durch tiefe Preise oder kundenspezifische Angebote: Festzuhalten bleibt, dass Schweizer Resorts etwas unternehmen müssen, wollen sie im internationalen Wettbewerb auch in Zukunft bestehen. Gemäss dem Branchenverband Seilbahnen Schweiz verzeichneten die Schweizer Skigebiete 2016/17 rund 21,2 Millionen Ersteintritte (mindestens einmal Drehkreuz passiert). Verglichen mit dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von rund 1,9 Prozent. Gegenüber dem Fünfjahresschnitt beträgt der Rückgang satte 10,2 Prozent. Der tiefste Wert seit mehr als 25 Jahren.

Zum sinkenden Umsatz kommen steigende Kosten. 2005 ­waren schweizweit knapp 20 Prozent der Pisten beschneit, heute ist es die Hälfte, wobei sich die ­Investitionen pro beschneiter ­Pistenkilometer auf rund eine Million Franken belaufen. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von 20 000 bis 30 000 Franken. Die Frage, ob in den kommenden Jahren vermehrt Bergbahnen eingestellt werden müssen, macht Philipp Lütolf vom IFZ vor allem auch davon abhängig, wie lange die öffentliche Hand und die ­lokalen Nutzniesser (Bewohner, Gäste, Gewerbe) bereit und fähig sind, die Bergbahnen mit finanziellen Zuschüssen zu unterstützen. «Häufen sich schlechte Winter stärker, könnten Betriebe die Unterstützung verlieren», mahnt Lütolf. Gefährdet seien Gebiete, welche keine wirkliche Tourismusdestination mit vielen Hotels, Ferienwohnungen etc. im Hintergrund hätten.

Kurt Mathis bedient mit seinem Sessellift auf dem Haldigrat eine besondere Wintersportnische. (Bild: Domink Wunderli (24. Januar 2018))

Kurt Mathis bedient mit seinem Sessellift auf dem Haldigrat eine besondere Wintersportnische. (Bild: Domink Wunderli (24. Januar 2018))

Bild: Grafik: LZ

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