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BERN: Garagisten und Importeure kämpfen mit Margendruck

Wachsende Autoverkäufe treiben den Schweizer Privatkonsum an. Man sollte meinen, das Geschäft boomt. Für Autoimporteure und -händler sind die Zeiten aber alles andere als rosig.
Eine Frau putzt in einer Garage die Felgen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Eine Frau putzt in einer Garage die Felgen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Von Januar bis Juni rollten insgesamt 161'798 neue Autos auf die Schweizer Strassen. Das sind 7,9 Prozent mehr als noch in der ersten Jahreshälfte 2014, nachdem die Zahlen zuvor zwei Jahre lang rückläufig gewesen waren.

Die Jubelsprünge aber bleiben aus. «Die an sich erfreulichen Zahlen haben eine negative Kehrseite», kommentierte Auto-Schweiz, der Verband der Schweizer Importeure. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar reagierte der Handel mit Preissenkungen auf den starken Franken, um die Konkurrenzfähigkeit mit dem nahen Ausland zu wahren.

Nicht nur die Preise für Neuwagen, sondern für alle Fahrzeuge in der Schweiz seien gesunken, erklärt Auto-Schweiz-Präsident François Launaz gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Dazu gehörten etwa Lagerbestände, Occasionen, aber auch Leasing- und Flottenautos, deren Verträge ausliefen. In der Folge machen Importeure und Händler weniger Gewinn. Der grösste Schweizer Autoimporteur Amag reagierte bereits mit einem Stellenabbau.

Mehr Garagen gehen ein

Mit dem Preis- und Margendruck haben insbesondere aber die Garagisten zu kämpfen. In der ersten Jahreshälfte 2015 mussten 81 Betriebe aus dem Autogewerbe ihre Werkstätten schliessen - im Vorjahreszeitraum waren es noch 47 gewesen.

Der Einfluss des starken Frankens habe möglicherweise für einige Betriebe, die bereits zuvor mit Schwierigkeiten kämpften, das Fass zum Überlaufen gebracht, erklärt Markus Peter vom Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS). Harte Zeiten sind aber für die Garagisten nicht erst mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar angebrochen.

Die Preise etwa sind bereits seit längerem unter Druck. 2014 waren die Preise neuer Autos innert zwei Jahren um rund einen Fünftel gesunken - auf fast die gleiche Höhe wie in der EU. Die Betriebs- und Personalkosten der Unternehmen blieben aber auf Schweizer Niveau, wie der AGVS damals warnte. Überdies seien die Anforderungen der Importeure gegenüber Markengaragen gestiegen, etwa bei den Investitionen für die Fahrzeugpräsentation oder bei der Ausbildung.

Weniger Service nötig

Auch der technologische Fortschritt stellt die Garagisten vor Herausforderungen. So braucht es Ausbildung, Investitionen in Werkzeug und Diagnosegeräte. Gleichzeitig müssen die Fahrzeuge weniger häufig in die Werkstätten. Beispielsweise sei das Service-Intervall für neuere Autos von einem auf zwei Jahre ausgedehnt worden, führt Markus Peter aus. Auch die Abgaswartung, die früher alle zwei Jahre erfolgte, ist aufgrund der technischen Verbesserung für gewisse Fahrzeuge nicht mehr obligatorisch.

Das Garagengeschäft mit dem Reparaturbetrieb und dem Verkauf etwa von Ersatzteilen und Pneus entwickelt sich laut der Konjunkturforschungsstelle Bakbasel seit 2012 rückläufig. Durch das dichte Verkaufsnetz seien die Filialen einem äusserst starken Wettbewerb ausgesetzt, schreibt Bakbasel in einem Konjunkturausblick für das Gewerbe. Zudem beobachtet Bakbasel eine Sättigung des Marktes in der Schweiz - dem stärksten motorisierten Land Europas.

Neue Wege gefragt

Bakbasel rechnet daher mit einer Konsolidierung des Gewerbes. Heute gibt es rund 5200 Garagenbetriebe in der Schweiz. Die meisten Betriebe sind sehr klein: Im Durchschnitt sind in diesen Unternehmen zwischen fünf und sechs Personen angestellt. Das gesamte Automobilgewerbe beschäftigt rund 85'600 Personen. Damit beschäftigt die Branche laut Bakbasel mehr Personen als die Nahrungsmittel-, Textil- und Bekleidungsindustrie zusammen.

Doch mit dem wachsenden Druck auf das Gewerbe dürfte die Zahl der Erwerbstätigen und die Bedeutung für die Gesamtwirtschaft abnehmen. «Insgesamt ist das Umfeld härter geworden», bilanziert Markus Peter vom AGVS. Auch der Onlinehandel mit Ersatzteilen nehme - wenngleich noch auf tiefem Niveau - zu.

Die Autogewerbler müssen sich daher neu positionieren. Wichtig sei für die Garagisten, ihre Dienstleistungen und ihre Arbeit in den Vordergrund zu stellen, führt Peter aus. Einige Händler böten zudem neue Dienstleistungen wie die Autovermietung oder Carsharing an oder sie spezialisierten sich auf Restaurationen älterer Fahrzeuge.

sda

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