BERUFE: Gute Aussichten auf eine Lehre

Die Chancen, eine Lehrstelle zu finden, waren lange nicht so gut wie im Jahr 2014. Die Betriebe der Zentralschweiz melden mehr offene Stellen als im Vorjahr.

Bernard Marks
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Angehende Elektroinstallateure wie Luca Stalder (4. Lehrjahr, links) und Kilian Leutwyler (1. Lehrjahr) der Energie Wasser Luzern sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Angehende Elektroinstallateure wie Luca Stalder (4. Lehrjahr, links) und Kilian Leutwyler (1. Lehrjahr) der Energie Wasser Luzern sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Für Jugendliche, die im Sommer 2014 eine Berufslehre antreten wollen, beginnt jetzt eine heisse Phase. Viele Schüler haben ihre Bewerbungen verschickt und hoffen auf eine positive Antwort einer Firma aus der Region. In den Lehrbetrieben finden bereits Bewerbungsgespräche statt.

«Wer bisher noch keine Lehrstelle finden konnte, hat in diesem Jahr noch beste Chancen», sagt Christof Spöring, Leiter der Dienststelle für Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern. Denn viele Branchen klagen über Lehrstellen, die nicht besetzt werden können, weil geeignete Kandidatinnen und Kandidaten fehlen. Besonders Mühe, geeigneten Nachwuchs zu finden, haben Baufirmen, Metzgereien und technische Betriebe. Angehende Elektroinstallateure, Polymechaniker, Metallbauer, Gebäudetechniker oder Informatiker sind derzeit Mangelware.

Allein im Kanton Luzern sind aktuell noch 1510 Lehrstellen unbesetzt (siehe Grafik). Im Jahr 2013 lag die Zahl der offenen Lehrstellen zur selben Zeit bei 1600 und im Jahr 2012 bei 1400. Im Kanton Schwyz sind aktuell 558 Lehrstellen offen. Das sind 101 mehr als noch vor einem Jahr. Der Kanton Zug meldet 470 offene Stellen, was rund 10 Prozent mehr entspricht als im vergangenen Jahr. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Obwalden (180) und Nidwalden (166). Auch in diesen Kantonen sind mehr Lehrstellen als im letzten Jahr zu vergeben. Im Kanton Uri sind derzeit noch 54 Stellen in verschiedenen Berufsfeldern offen.

Zum Vorteil für Schulabgänger

Im Jahr 2013 konnten Luzerner Betriebe 400 Lehrstellen nicht besetzen. Christof Spöring geht davon aus, dass auch in diesem Jahr eine ähnlich hohe Zahl an Lehrstellen unbesetzt bleiben wird. Diese Tendenz werde zudem anhalten. «Die Betriebe und Verbände müssen immer mehr Anstrengungen unternehmen, um ihre Lehrstellen besetzen zu können», sagt Spöring. Was für die Wirtschaft eine bittere Pille ist, wird für die Schulabgänger der 9. Klassen zunehmend zu einem Vorteil. «Die Schulabgänger können aus einem breiteren Spektrum offener Lehrstellen auswählen», sagt Spöring.

Im Kanton Schwyz wurden 2013 rund 150 Lehrstellen nicht vergeben. «Die Wirtschaft läuft gut. Insbesondere im Hightechbereich, wo die Anforderungen der Betriebe hoch sind, wird es aber immer schwieriger, fähige Jugendliche zu finden», sagt Benno Kälin vom kantonalen Amt für Berufsbildung in Schwyz. «Die Betriebe müssen um ihre Lehrlinge kämpfen», sagt Kälin. Dies sei für die Schulabgänger eine äusserst komfortable Situation.

Karriere machen mit einer Lehre

Der Berufsberater Kälin kann den Berufsweg über eine Lehre derzeit nur empfehlen. «Wenn jemand nach der Berufslehre über eine Berufsmatura an eine Fachhochschule kommt, sind die Chancen für den Arbeitsmarkt ausgezeichnet», sagt Kälin. Denn da fehlen die Fachkräfte. Die Universitäten werden hingegen in vielen Fakultäten mit Leuten überschwemmt. «Der Wirtschaft mangelt es zum Beispiel an Ingenieuren mit Sozialkompetenz und Praxiserfahrung», sagt Kälin. In diesem Bereich haben Jugendliche heute keine Probleme, sich im Arbeitsmarkt zu etablieren. «Die Bildungswege in der Schweiz sind durchlässig, das muss man auch den Eltern erklären», sagt Kälin.

Das bestätigt auch sein Kollege Urs Brütsch, Leiter des Amtes für Berufsberatung in Zug. «Kombiniert mit einer Berufsmaturität erachte ich eine Lehre sogar als Königsweg, weil dem Jugendlichen danach alle Wege offen stehen», sagt Brütsch. So könne man zum Beispiel in drei Jahren eine Kochlehre mit Berufsmatura absolvieren und anschliessend studieren, arbeiten oder eben in einem zusätzlichen Jahr die universitäre Hochschulreife erlangen. «Der Weg ist ein Jahr länger als der direkte Weg über das Gymnasium», sagt Brütsch. Doch was ein Gymnasiast in der Regel nicht mitbringt, ist die wertvolle Berufserfahrung. «Wer aber drei Jahre in einer Küche gearbeitet hat, findet sich in der Arbeitswelt überall zurecht», sagt Brütsch.

Lieber Matura statt Lehre

Auch im Kanton Obwalden ist die Lehrstellensituation im Jahr 2014 komfortabel. «Obwohl es in diesem Jahr mehr Schulabgänger (418 statt 405) als im vergangenen Jahr geben wird, werden Lehrstellen offen bleiben», sagt Gerhard Britschgi von der Berufs- und Weiterbildungsberatung Obwalden. «Denn deutlich mehr Schüler gehen in Obwalden auf das Gymnasium», sagt Britschgi. Handkehrum finden aber auch viele Jugendliche keine Stelle, weil sie zu wenig qualifiziert sind. Gerade technische Berufe stellen heute hohe Anforderungen. Offensiv geht man dieses Problem im Kanton Uri an. «Jene Jugendlichen, die noch auf Stellensuche sind, werden wir individuell begleiten», sagt Esther Zgraggen von der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung des Kantons Uri. Hierfür wollen die Berufsberater schon Ende Januar Umfragen in den Schulklassen machen.

Eine Lehre bietet Karrierechancen

«Das ist eine Tendenz, die man genau beobachten muss», sagt Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Ein Grund für den Lehrstellenüberhang ist die demografische Entwicklung. Bis zum Jahr 2020 rechnet der Verband mit einer Abnahme der Schulabgänger pro Jahr bis auf das Niveau von 72 000. Auch die «schleichende Akademisierung» der Ausbildung sei ein Problem, so Vogt. Anbieter von anspruchsvollen Lehren wie Informatik- oder Mechanikbetriebe verlieren potenzielle Lehrlinge oftmals an die Mittelschulen oder Gymnasien. Einige Branchen wie zum Beispiel das Baugewerbe leiden unter dem Vorurteil, man könne nur mit Schlips Karriere machen. Aber die Chancen auf eine Karriere mit einer abgeschlossenen Lehre sind in der Schweiz gut: «Kein anderes Bildungssystem weltweit ist so durchlässig wie das der Schweiz», sagt Vogt. Eine Karriere bleibe demjenigen, der eine Lehre absolviert hat, in der Schweiz nicht verwehrt. Während Universitäten tendenziell überfüllt sind, fehlen Ingenieure und technische Fachkräfte.