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BERUFSBILDUNG: Die Schweiz dient als Vorbild

Die Ausbildung von Berufsleuten fristet in den USA ein Nischendasein. Ein gestern unterzeichnetes Abkommen mit der Schweiz soll das ändern.
Ein Lernender im Labor der Roche Diagnostics International in Rotkreuz. Auch der Pharmakonzern Roche hat sich verpflichtet, künftig in den USA Lehrlinge auszubilden. (Bild: pd)

Ein Lernender im Labor der Roche Diagnostics International in Rotkreuz. Auch der Pharmakonzern Roche hat sich verpflichtet, künftig in den USA Lehrlinge auszubilden. (Bild: pd)

Renzo Ruf, Washington

Die Deutschen waren schneller. Bereits Anfang Juni unterzeichnete ein Vertreter der Berliner Regierung im Beisein der US-Handelsministerin Penny Pritzker eine Absichtserklärung. Die Vereinbarung hält fest, dass die beiden Staaten auf dem Gebiet der dualen Be­rufsbildung enger zusammenarbeiten oder, besser gesagt: dass Amerika in Zukunft noch stärker vom reichen Erfahrungsschatz des europäischen Partners profitiert. Eine ähnliche «Declaration of Intent» unterschrieb gestern auch die Schweiz, und erneut trat Ministerin Pritzker als Gastgeberin auf. Bei der Unterzeichnung war mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann ein hochrangiges Regierungsmitglied anwesend, während Berlin im Juni bloss einen parlamentarischen Staatssekretär nach Washington geschickt hatte.

Hohes Ansehen bei Praktikern

Diese symbolische Geste zeigt, dass Bundesbern alle Hebel in Bewegung setzt, um den amerikanischen Wissensdurst zu stillen auch, weil man stolz darüber ist, dass die Eidgenossenschaft für einmal in den USA als Impulsgeberin auftreten kann. «Amerika kann von uns lernen», sagte Schneider-Ammann gestern. Und diese Rolle spielt die Schweiz nicht nur in den Amtsstuben der Regierung Obama, in denen seit Monaten die Wichtigkeit der Berufslehre (auf Englisch: «Apprenticeship») bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit betont wird (siehe Grafik).

Auch unter Praktikern ist die Eidgenossenschaft hoch angesehen. «Wir haben sehr eng mit der Schweizer Botschaft zusammengearbeitet», sagt Brad Neese, im Bundesstaat South Carolina verantwortlich für ein vorbildliches Ausbildungsprogramm («Apprenticeship Carolina»), das er seit 2012 in enger Zusammenarbeit mit staatlichen Berufsschulen («Technical College») führt. Neese erwähnt auch Besuche in der Schweiz, an der ETH Zürich, und eine gute Zusammenarbeit mit der Konjunkturforscherin Ursula Renold.

Berufslehre hat schweren Stand

Die Geschäftigkeit der Schweiz kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Berufslehre in Amerika immer noch einen schweren Stand hat. Es sei zwar zutreffend, dass die Offensive der Regierung Obama zu einem Hunger nach mehr Informationen geführt habe, sagt Greg Jones er erhalte immer wieder Anfragen von Mitgliedern des Branchenverbandes AMT (Association for Manufacturing Technology), für den er als Ausbildungsexperte arbeitet. «Aber es sind halt immer noch überwiegend die amerikanischen Tochterfirmen von schweizerischen, deutschen oder österreichischen Unternehmen, die mit Initiativen auf diesem Feld vorpreschen und neue Ausbildungslehrgänge entwickeln.» Gemäss Bundesrat Schneider-Ammann sind es derzeit rund 30 Schweizer Firmen, die Interesse zeigen, in Amerika Lehrlinge auszubilden (siehe Box).

Die Statistik des US-Arbeitsministeriums zeigt, dass die meisten US-Lehrlinge weiterhin in klassischen Handwerksberufen ausgebildet werden: Elektriker (33 389 Lehrlinge), Zimmerer (10 170) und Spengler (10 080) stehen an der Spitze der Rangliste der Berufslehren. Solche Ausbildungsgänge stehen oft unter der Ägide der Gewerkschaften und sie tragen dazu bei, dass viele Eltern, gerade im gewerkschaftsfeindlichen ­Süden der USA, dem «Apprenticeship» kritisch gegenüberstehen. Hartnäckig hält sich das Klischee, Berufslehren seien «schmutzig und gefährlich».

Gute Fachkräfte für US-Industrie

Letztlich leisteten deshalb diejenigen Unternehmen der produzierenden Industrie, die nach modernen Kriterien Lehrlinge ausbildeten, «einen Dienst an der Gemeinschaft», sagt Joerg Klisch im Gespräch. Klisch arbeitet an führender Stelle für eine US-Tochtergesellschaft des deutschen Motorenherstellers Rolls-Royce Power Systems. Vor drei Jahren stampfte er für sein Unternehmen MTU America – in Aiken (South Carolina) ein Ausbildungsprogramm aus dem Boden, in Zusammenarbeit mit «Apprenticeship Carolina» und der lokalen Berufsschule.

Damit habe man sicherstellen wollen, dass dem Unternehmen auch künftig gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stünden, sagt Klisch. Dieses Ziel wurde bisher verfehlt, auch wenn er von «durchwegs positiven Erfahrungen spricht»: Von den 36 Lehrlingen, die für die ersten drei Jahrgänge des Programms rekrutiert wurden, hat sich bloss ein Absolvent entschieden, bei der Firma zu bleiben. Der Rest steht entweder mitten in der Ausbildung, brach sie ab oder hat sich an einem College eingeschrieben.

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