BERUFSWAHL: Die grossen Fahrten im Visier

Lastwagenchauffeure sind gefragt. Ein guter Fahrer zu sein, reicht aber längst nicht mehr. Genauso wichtig sind denn auch Kontakt- und Kommunikationsstärke.

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Lehrling Stefan Stirnimann erfüllt hinter dem Steuer eines Lastwagens der Galliker Transport AG in Altishofen gewissenhaft seine Pflichten. (Bild Corinne Glanzmann)

Lehrling Stefan Stirnimann erfüllt hinter dem Steuer eines Lastwagens der Galliker Transport AG in Altishofen gewissenhaft seine Pflichten. (Bild Corinne Glanzmann)

Noch fährt Stefan Stirnimann auf dem Beifahrersitz mit. Die grossen Lastwagen auf dem Areal der Firma Galliker steuern seine Berufsbildner oder ausgebildete Chauffeure. Doch allzu lange muss der 17-Jährige aus Menznau nicht mehr warten. Innerhalb des nächsten Jahres wird er seine Lastwagen-Führerscheinprüfung ablegen. Dann kann er alleine Transporte ausfahren. Stefan Stirni­mann absolviert seit Anfang August eine dreijährige Ausbildung zum Strassentransportfachmann bei der Firma Galliker. Zeitgleich mit ihm haben 9 weitere Lehrlinge bei Galliker eine Ausbildung in dem Berufsbild begonnen. Rund 30 Strassentransportfachleute bildet die Galliker-Gruppe gesamthaft aktuell aus.

Persönliches Auftreten wichtig

«Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Man sollte ein Interesse an Technik haben, aber auch gerne unterwegs sein und den regelmässigen Kontakt mit vielen neuen Menschen mögen», sagt Stefan Stirnimann. Besonders die Bedeutung der Kommunikationsfähigkeit und des persönlichen Auftretens würden oft unterschätzt, wenn es um den Beruf des Strassentransport-Fachmanns/-frau gehe, sagt Christian Kempter-Imbach (41). «In dem Beruf ist es nicht mehr damit getan, gut Auto zu fahren. Jeder Fahrer ist ein Repräsentant und ein Verkäufer einer Firma», sagt der Präsident der Zentralschweizer Sektion des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbands Astag. Kempter-Imbach leitet die Imbach Logisitk AG in Schachen mit rund 300 Mitarbeitern.

Migros Luzern sucht noch Lehrlinge

Rund 35 Lehrlinge beginnen pro Lehrjahr in der Zentralschweiz mit einer Ausbildung zum Strassentransportfachmann/-fachfrau. Jedes Jahr können in der Region bis zu 10 Lehrstellen nicht besetzt werden. Auch die Migros Luzern bildet in dem Berufsbild aus. Sprecherin Rahel Probst bestätigt, dass die Migros immer wieder Mühe habe, geeignete Kandidaten für die Ausbildung zu finden. Auch für den Sommer 2015 sind noch zwei Lehrstellen bei der Migros Luzern frei.

Die Ausbildung habe lange Zeit ein negatives Image gehabt, sagt Toni Schmid (51), Leiter des Ressorts Aus- und Weiterbildung bei der Astag Zentralschweiz und Ausbildungsleiter bei der Firma Galliker. «Mach zuerst eine richtige Ausbildung, dann kannst du immer noch Lastwagenfahrer werden. Solche Aussagen hören wir oft von Eltern. Diese entsprechen aber nicht der Realität, das Berufsbild ist anspruchsvoll und herausfordernd», ergänzt Toni Schmid.

Störungen frühzeitig erkennen

Kenntnisse des Strassenverkehrsrechts, der Arbeitssicherheit, die richtige und effiziente Planung von Transporten, Fahrzeugunterhalt und Wartung, Produktkenntnisse, Umweltschutz und ressourcenschonendes Fahren – all das sei seit langem fester Bestandteil der Ausbildung. «Technische Kenntnisse bleiben wichtig. Heute geht es aber weniger darum, sämtliche Details des Fahrzeugs zu kennen. Zentral ist, dass der Fahrer in der Lage ist, allfällige Störungen frühzeitig zu erkennen und deren Schwere einschätzen zu können», sagt Schmid. Die Grundlagen dafür werden bei Galliker in der eigenen Lernwerkstatt gelegt. Dort lernen die Lehrlinge an Lastwagenmotoren Störungen zu erkennen und zu beheben.

Ab 18 sein eigener Chef

Einmal in der Woche besuchen die Lehrlinge die Berufsschule in Luzern. «Der theoretische Teil der Schulausbildung wird immer wieder unterschätzt. Hier sind auch Sprachkenntnisse und ein gutes Textverständnis wichtig, um das Strassenverkehrsrecht interpretieren zu können», sagt Toni Schmid. Die praktischen Prüfungen hingegen seien weniger ein Problem. Im ersten Lehrjahr steht in der Regel der theoretische und praktische Teil der Personenwagen-Prüfung an, im zweiten Jahr die Lastwagen-Prüfung, ab dem dritten Lehrjahr das selbstständige Fahren mit dem LKW und die Anhängerprüfung. Gemäss Rahel Probst von der Migros Luzern freuen sich die angehenden Strassentransportfachleute immer besonders auf ihren 18. Geburtstag: «Es ist das erste Mal, dass sie alleine mit einem LKW auf der Strasse unterwegs sein können.» Deshalb nutzten die Lehrlinge den 18. Geburtstag fast immer als Arbeitstag.

Die Übernahmechancen nach der Ausbildung sind gut. «Die Leute sind auf dem Markt gesucht», sagt Toni Schmid. Jährliche Weiterbildungen sind nach der Ausbildung obligatorisch. Diese qualifiziert auch für neue Herausforderungen, so kann man sich zum Strassentransport-Disponenten oder Betriebsleiter/-in im Strassentransport weiterbilden. Neu bietet die Transportbranche eine zweijährige Ausbildung zum Strassentransportpraktiker/-in EBA an. Diese ist technisch weniger umfangreich, im Fokus steht die Ausbildung auf Lieferwagen mit Anhängern.

Strassentransport-Fachmann/Fachfrau

Tätigkeiten

Strassentransportfachleute transportieren verschiedene Güter. Sie kennen die Transportvorschriften und wissen, wie sie mit der Ware umgehen und ein Fahrzeug beladen müssen. Weiter führen sie Wartungs- und Unterhaltsarbeiten an Fahrzeugen durch. Wichtig für den Beruf sind ein technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und Freude am Kontakt mit Menschen.

Dauer

Die berufliche Grundbildung mit Eidgenössischem Fachzeugnis (EFZ) dauert drei Jahre. Der praktische Teil der Ausbildung erfolgt im Ausbildungsbetrieb und über überbetriebliche Kurse. Für den theoretischen Teil der Ausbildung ist die Berufsfachschule zuständig, die an einem Tag der Woche besucht wird. Teil der Ausbildung sind zahlreiche Fahrprüfungen. Mit 17 Jahren erhalten die Lernenden den Lernfahrausweis der Kategorien B, C und CE. Sie werden von ihrem Ausbilder auf Fahrten begleitet. Nach bestandener Fahrprüfung erledigen sie die Transportaufträge selbstständig.

Vergütung (pro Monat)

1. Lehrjahr           750.–
2. Lehrjahr          950.–
3. Lehrjahr           1200.–

Bewerbung

Bewerbungen für Lehrbeginn 2015 können sofort eingereicht werden.
Weitere Informationen www.berufsberatung.ch oder unter www.wer-sonst.ch