BERUFSWAHL: Leidenschaft und Detailpflege

Bäcker-Konditor-Confiseur ist ein Handwerksjob. Der Beruf verlangt aber auch Kreativität und eine künstlerische Ader. Und er bietet beste Chancen auf eine Anstellung im Ausland.

Ernst Meier
Drucken
Teilen
Auch eine Künstlerin: Die Confiseur-Lehrtochter Kim Unternährer ist zu einem grossen Teil gestalterisch tätig. (Bild Werner Schelbert)

Auch eine Künstlerin: Die Confiseur-Lehrtochter Kim Unternährer ist zu einem grossen Teil gestalterisch tätig. (Bild Werner Schelbert)

Konzentriert verziert Kim Unternährer mit dem Spritzbeutel den Schoggi-Sti­letto – mit dickflüssiger Schokolade. Die Aufgabe erfordert Fingerspitzengefühl und Geduld. Das Endprodukt soll nämlich wie ein richtiger «Stöggeli-Schueh» aussehen und irgendwann im Magen von Schoggi-Liebhabern enden. Das Auge isst mit – was bald im Schaufenster der Confiserie Speck in Zug ausgestellt sein wird, muss den hohen Anforderungen des Chefs entsprechen. Die Freude an der Arbeit sei die wichtigste Voraussetzung, um den Beruf Confiseurin zu lernen, sagt Kim Unternährer. «Man muss aber auch exakt arbeiten können und ausdauernd sein.» Denn auch der 100. Schoggi-Sti­letto soll genauso detailgetreu und liebevoll verziert sein wie der erste.

Verschiedene Fachrichtungen

Kim Unternährer (19) hat bereits eine dreijährige Lehre als Bäckerin-Konditorin bei der Conditorei Heini in Luzern erfolgreich abgeschlossen. Jetzt bildet sie sich noch zur Confiseurin aus. Nach erfolgreichem Abschluss dieser Zusatzausbildung ist sie im Besitze des Eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses für alle drei Sparten: Bäckerin, Konditorin und Confiseurin. Die Luzernerin ist begeistert von ihrem Job. Deshalb sei es für sie klar gewesen, dass sie noch die Ausbildung zur Confiseurin anhängt. «Die drei Berufe gehören zusammen, und doch verlangen sie zum Teil unterschiedliche Fähigkeiten», sagt ihr Lehrmeister Peter Speck. Der Bäcker-Konditor stellt Brotwaren (Brot, Gipfeli, Weggli), aber auch einfachere Desserts wie Cremeschnitten oder Erdbeertorten her. «Das ist eine Massenarbeit; Schnelligkeit und die genaue Abstimmung von verschiedenen Arbeitsabläufen sind gefragt.» Bei der Confiseurin, die süsse Spezialitäten wie Pralinen, Schoggi-Osterhasen oder Marzipanfiguren kreiert, sei es etwas anders. «Der Schwerpunkt liegt auf der Feinarbeit und der Detailpflege», sagt Speck.

Nachtarbeit gehört dazu

Bäcker, Konditoren und Confiseure sind am Arbeiten, wenn andere schlafen, und sie arbeiten im Stehen. Der Job verlangt von den Lehrlingen einiges, wie Kim Unternährer bestätigt: «Die ersten Lehrwochen waren eine Umstellung, und ich war oft sehr müde.» In den ersten beiden Lehrjahren war der Arbeitsbeginn um 3 Uhr morgens, ab dem 3. Lehrjahr stand sie sogar schon um 1 Uhr in der Backstube. «Dafür habe ich bereits vor 12 Uhr mittags Feierabend», sagt sie mit einem Lächeln. «Ich gehe gewöhnlich nach der Arbeit zwei bis drei Stunden schlafen. Danach habe ich Zeit zum Lernen und für Privates. Am Abend gehe ich so gegen 20 Uhr wieder schlafen», erklärt sie. Die Arbeitszeiten hätten sie nie gestört. «Wenn ich am Wochenende frei habe, gehe ich ganz normal in den Ausgang.»

Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein und Ausdauer seien wichtige Eigenschaften, die man mitbringen müsse, sagt Lehrmeister Peter Speck. Seinen Lehrlingen steht der eidgenössisch diplomierte Konditor-Confiseur und Prüfungsexperte mit viel Herzblut zur Seite. «Wer es im Job zu etwas bringen will, der muss bereit sein, viel persönliches Engagement mit einzubringen», sagt er.

So hat die ehemalige Lehrtochter Sophie Zuber vor wenigen Wochen an den Berufsmeisterschaften Swiss Skills in Bern den fünften Platz erreicht. «Ich habe ­einen Monat vor den Swiss Skills jede freie Minuten in der Confiserie geübt», sagt Sophie Zuber. Dieser Einsatz geht nun weiter; die 20-Jährige versucht sich im Januar für die Weltmeisterschaften zu qualifizieren.

Das Thema Swiss Skills ist auch für Kim Unternährer ein Thema, wenn ihr eine Top-Abschlussprüfung gelingt. Sie macht sich auch bereits Gedanken für die Zeit nach der Lehre. «Ich würde gerne im Ausland arbeiten – in England oder Frankreich. Feine Baguettes oder Cupcakes backen und gleichzeitig die Sprache lernen, das reizt mich», sagt sie. Ihr Chef nickt ihr zu. Peter Speck: «Schweizer Bäcker, Konditoren und Confiseure sind in ausländischen Backstuben und Hotels sehr gefragt. Unsere praktische Ausbildung gilt weltweit als führend.»

Bäcker / Konditor / Confiseur

Tätigkeiten

Die Ausbildung steht in den beiden Fachrichtungen «Bäckerei-Konditorei» und «Konditorei-Confiserie» offen. Je nach gewählter Fachrichtung liegt der Schwerpunkt auf der Herstellung einer Vielfalt an Gipfeli, Brötchen, Broten und Patisserie oder auf Tortenspezialitäten, Glace, Hauskonfekt, Pralinen und Schokoladenspezialitäten. Dazu gehören auch das Dekorieren und Verzieren von Gebäcken und Torten.

Dauer

Die berufliche Grundbildung zum Bäcker-Konditor-Confiseur mit Eidgenössischem Fachzeugnis (EFZ) dauert 3 Jahre. Der praktische Teil der Ausbildung erfolgt im Ausbildungsbetrieb, ergänzt durch überbetriebliche Kurse. Für den theoretischen Ausbildungsteil ist die Berufsfachschule zuständig. Der Unterricht an der Berufsfachschule dauert jeweils einen Tag pro Woche. Vor Lehrbeginn muss die Fachrichtung gewählt werden (siehe oben).

Weiterbildungsmöglichkeiten

Berufsprüfungen z. B. Diplomlehrgänge (Chef Bäcker-Konditor, Chef Konditor-Confiseur EFZ oder Branchenspezialist Bäcker-Konditor). Höhere Fachprüfung (HFP) mit eidg. Diplom (dipl. Bäcker-Konditor, dipl. Konditor-Confiseur, dipl. Kaufmann Bäcker-Konditor usw.). Höhere Fachschule HF/Fachhochschule FH (dipl. Techniker HF Lebensmittel, Bachelor FH in Lebensmitteltechnologie, dipl. Betriebswirtschafter, dipl. Marketingmanager HF).

Vergütung (pro Monat)

1. Lehrjahr 800.–, 2. Lehrjahr 900.–, 3. Lehrjahr 1100.–,
4. Lehrjahr 1200.– bis 1500.–

Bewerbung

Bewerbungen für das Lehrstellenjahr können sofort eingereicht werden.
Weitere Infos: www.berufsberatung.ch

Der Betrieb
Confiserie Speck, Zug
Alpenstrasse 12, 6300 Zug
www.speck.ch

Anzahl Mitarbeiter

60, davon 5 bis 10 Lernende, derzeit 7.Bäcker/Konditor