BERUFSWAHL: Netzelektriker: Draussen zu Hause

Wetterfestigkeit und Freude an körperlicher Arbeit braucht es für eine Lehre als Netzelektriker – einen Job, der aber auch Köpfchen verlangt.

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Sandro Weiss (19) graute es vor einem Bürojob. Die Lehre als Netzelektriker war deshalb genau das Richtige. (Bild: PD)

Sandro Weiss (19) graute es vor einem Bürojob. Die Lehre als Netzelektriker war deshalb genau das Richtige. (Bild: PD)

Die dreijährige Lehre als Netzelektriker bei der WWZ-Energie AG in Zug hat Sandro Weiss diesen Sommer erfolgreich abgeschlossen. Dem 19-Jährigen aus Menzingen gefällt der Job auch nach der Lehrzeit, deshalb hat er das Angebot seines Arbeitgebers angenommen und bleibt nun als Netzelektriker tätig, wie er sagt. Weshalb hat sich Sandro Weiss vor über drei Jahren entschlossen, diesen Beruf zu erlernen? Der schlanke und kräftige junge Mann muss nicht nach einer Antwort suchen. «Ich bin gerne draussen, und körperliche Arbeit sagt mir zu», erklärt er. «Ein Bürojob wäre für mich nie in Frage gekommen.»

Aufgewachsen ist Sandro Weiss auf dem Bauernhof seiner Eltern in Menzingen. Von Kindsbeinen an sei es für ihn selbstverständlich gewesen auf dem Hof mit anzupacken. Da sei es eigentlich auf der Hand gelegen, eine landwirtschaftliche Lehre zu machen. «Ich habe mich dann aber für die Netzelektrikerlehre entschieden, weil ich zuerst noch etwas anderes lernen wollte», erzählt er. Zu ungewiss sei die Zukunft in der Landwirtschaft, und er wisse nicht, ob der elterliche Hof später genügend hergebe für eine Vollzeittätigkeit. Sandro Weiss wählte deshalb eine handwerkliche Lehre in einem Industriebetrieb. «So erhalte ich eine berufliche Basis. Eine Zweitausbildung zum Landwirt ziehe ich aber weiterhin in Betracht.»

Schnupperlehre gab den Ausschlag

Vor Abschluss der obligatorischen Schulzeit 2010 hat sich Sandro Weiss verschiedene Ausbildungen genauer angeschaut. «Landmaschinenmechaniker hat mich interessiert, aber auch Seilbahnmechatroniker», verrät er. Die Arbeit in luftiger Höhe fasziniere ihn. «Ich klettere in meiner Freizeit.» Nachdem er in Zug einmal Arbeitern bei ihren Tätigkeiten an einem Strommast zuschaute, war es um ihn geschehen. «Ich wusste, auf so einen Freileitungsmast will ich auch einmal.» Er erkundigte sich nach dem Beruf, erhielt ausführliche Informationen an der Zentralschweizer Bildungsmesse in Luzern. Dort gab man ihm auch den Kontakt zu den WWZ, worauf er wenig später eine einwöchige Schnupperlehre beim Zuger Energie-, Telekom- und Wasserversorgungsunternehmen absolvieren durfte. Dabei konnte er sich ein genaueres Bild vom Job machen. Gleichzeitig lernten die Ausbildungsverantwortlichen den damals 15-Jährigen kennen, so dass es nach dem offiziellen Bewerbungsverfahren zur Anstellung kam.

Ausbildung in drei Fachrichtungen

Aber was macht denn ein Netzelektriker genau? «Die Tätigkeiten bei den WWZ umfassen das Bauen und Unterhalten von elektrischen Anlagen und die Verteilung elektrischer Energie sowie der Telekommunikationsnetze. Allgemein gesagt, das Bauen der elektrischen Leitungen vom Kraftwerk bis zum Hausanschluss», erklärt Hansruedi Huber, Berufsbildner bei der WWZ. «Die Aufgaben des Netzelektrikers hören dort auf, wo die Arbeiten des Elektromonteurs beginnen», sagt Huber. Während der Elektromonteur – im Volksmund auch «Stromer» genannt – alle elektrischen Arbeiten innerhalb der Gebäude vornimmt, sei der Netzelektriker für den Strom- oder Telekommunikationsleitungszugang bis zu den Liegenschaften zuständig.

Die Berufsausbildung «Netzelektriker» gibt es seit 1978. Vor wenigen Monaten wurde das Berufsbild des Netzelektrikers angepasst. Neu gibt es die Ausbildung in drei Fachrichtungen: Energie, Telekommunikation und Fahrleitungsbau. In der Zentralschweiz erlernen den Beruf derzeit rund 14 Lehrlinge. Sie arbeiten in einem der Versorgungsunternehmen der sechs Kantone (WWZ, CKW, EWA, EWS usw.) und besuchen einmal in der Woche gemeinsam die Berufsschule in Luzern.

Vielseitige Tätigkeit

Sandro Weiss darf sich nach erfolgreicher Lehrabschlussprüfung seit diesem Sommer Netzelektriker mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) schreiben. Das Klettern auf Strommasten macht ihm nach wie vor Spass, obwohl es nur ein kleiner Teil seiner Arbeit ist, wie er ausführt. «Als Netzelektriker arbeitet man die meiste Zeit am Boden oder sogar darunter», sagt er mit einem Schmunzeln. Unterwegs sei man jeweils in einem 2er- oder 4er-Team. «Kabel einziehen, Freileitungen warten, bauen der Trafostationen und der öffentlichen Beleuchtungen – die Aufgaben sind sehr vielseitig und interessant.»

Auch wenn man heute Maschinen und moderne technische Geräte habe, so erfordere die tägliche Arbeit immer noch viel Körpereinsatz, ergänzt sein Lehrmeister und fügt mit einem Lachen an: «In den letzten drei Jahren hat Sandro sicherlich an Muskeln zugelegt.» Wer Netzwerkelektriker lernen will, sei aber auch intellektuell gefordert. «In der Berufsschule wird unter anderem Elektrotechnik, Materialkunde, Zeichnen und Mechanik unterrichtet», erklärt Huber. Zudem werde Unfallverhütung und der sichere Umgang mit elektrischen Leitungen vermittelt. Hansruedi Huber: «Netzelektriker müssen konzentriert und überlegt arbeiten können. Teamwork und Verantwortungsbewusstsein werden grossgeschrieben.» Sandro Weiss nickt seinem Chef zu und ergänzt dann mit etwas Stolz: «Ohne Netzelektriker würde keine Maschine laufen, die Strassenbeleuchtung bliebe dunkel, und zu Hause ein iPhone aufladen könnte man auch vergessen.»