BERUFSWAHL: Präzision in luftiger Höhe

Bauen mit Holz liegt im Trend – entsprechend gross ist die Nachfrage nach Zimmerleuten. Diese brauchen nicht nur handwerkliches Geschick und Kraft, sondern auch Köpfchen.

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Tobias Bucher (links) und Dominic Durrer machen eine Ausbildung zum Zimmermann bei der Kost AG in Küssnacht am Rigi. Das Bild zeigt sie auf einer Baustelle in Ebikon. (Bild Nadia Schärli)

Tobias Bucher (links) und Dominic Durrer machen eine Ausbildung zum Zimmermann bei der Kost AG in Küssnacht am Rigi. Das Bild zeigt sie auf einer Baustelle in Ebikon. (Bild Nadia Schärli)

Auf der Baustelle an der Luzernerstrasse 26c in Ebikon herrscht emsiges Treiben. Hier, wo in einigen Monaten die Heilpraktikerschule Luzern einziehen soll, wird im Moment noch gehämmert, gebohrt – und geschwitzt. Denn obwohl der Herbst längst Einzug gehalten hat, brennt die Sonne an diesem Nachmittag Mitte Oktober auf die Nacken der Bauarbeiter. «Das ist nichts im Vergleich zu einem heissen Sommertag», sagt Adrian Stocker und lacht. Stocker ist Produktionsleiter bei der Kost Holzbau in Küssnacht am Rigi. Das Unternehmen aus Küssnacht am Rigi wurde mit dem dreistöckigen Holzbau und dem Innenausbau des Schulgebäudes beauftragt. Über 8 Millionen kostet das Projekt. «Auch für uns eine grosse Sache», sagt der 31-Jährige.

Effizientes Bausystem

Derzeit sind die Kost-Mitarbeitenden daran, das Tragwerk aus vertikalen und horizontalen Holzelementen zu erstellen. Die einzelnen Module wurden zuvor Stück für Stück im Produktionswerk hergestellt und anschliessend auf der Baustelle zusammengesetzt. «Holzsystembau» nennt sich diese moderne Methode, bei der Wände, Fassadenteile oder Decken erst am Computer konstruiert und dann im Werk als komplette Elemente fertiggestellt werden. Die eigentliche Montage vor Ort nimmt letztendlich nur wenige Tage in Anspruch. «Das ist wesentlich effizienter als die herkömmliche Bauweise», so Stocker.

Adrian Stocker ist nicht nur Produktionsleiter, sondern auch Lehrlingsverantwortlicher bei Kost. 15 junge Berufsleute betreut er, alles angehende Zimmermänner. Einer davon ist Dominic Durrer, 17-jährig, aus Merlischachen. Auch er ist in diesen Tagen in Ebikon im Einsatz.

Tägliches Muskeltraining

Wie ein alter Hase bewegt sich der junge Mann über die Baustelle, die Haut von der Sonne gebräunt. Von den anderen Arbeitern unterscheidet sich Durrer einzig durch die noch etwas schmächtige Figur und die jugendlichen Gesichtszüge. Nicht mehr lange, und auch er wird sich auf der Baustelle kräftige Muskeln antrainiert haben. Zimmermann ist physisch ein anspruchsvoller Beruf – aber nicht nur das.

Der Schwyzer absolviert derzeit das 2. Lehrjahr zum Zimmermann EFZ. Er sagt: «Ich hatte schon immer Freude an Holz.» Schon früh war ihm klar, dass er einen handwerklichen Beruf erlernen möchte. «Der Job ist abwechslungsreich, und man arbeitet stets im Team.» Und: «Ich sehe abends immer, was ich geschafft habe. Das ist vielleicht das Schönste am Beruf.»

Ein Faible für Holz

Schon ein Jahr weiter ist Tobias Bucher. Mehr noch: Der 24-Jährige hat sogar schon eine Lehre als Elektromonteur hinter sich. Auch er hatte stets ein besonderes Faible für Holz. «Man sieht es, man riecht es, man spürt es. Holz lebt!» Seine Entscheidung zur Zusatzlehre hat Bucher deshalb nie bereut. Ob bei Neu- oder Umbauten, im Innenausbau von Gebäuden oder auch beim Erstellen von Brücken, Werk- oder Sporthallen: Zimmerleute sind überall gefragt. Heute mehr denn je. «Holz ist ein einmaliger Baurohstoff», sagt Lehrlingsbetreuer Stocker nicht ohne Stolz. «Es ist vielseitig einsetzbar, lässt sich leicht verarbeiten, und es steht gleichzeitig für ein gesundes und angenehmes Raumklima.»

Längere Lehrzeit

Zwar führen die Zimmerleute eines der ältesten Gewerbe überhaupt aus – die Arbeit hat sich aber besonders in den vergangenen Jahren stark verändert. Im Produktionswerk der Firma Kost trifft das traditionelle Handwerk auf modernste Technik. Eine immer wichtigere Rolle spielen in dem Beruf heute auch Themen wie Energieeffizienz, Bauphysik oder der ökologische Aspekt. «Der Job ist anspruchsvoller geworden», sagt Lehrlingsbetreuer Adrian Stocker. Deshalb dauert die Lehre neu auch vier statt drei Jahre.

Schnupperwoche ist entscheidend

Wer sich für den Zimmermannsberuf interessiere, brauche nebst handwerklichem Geschick auch Köpfchen – und vor allem ein echtes Interesse am Job, betont Stocker. «Die Freude am Werkstoff Holz ist entscheidend.» Das wichtigste Auswahlkriterium bei der Lehrstellenvergabe ist für ihn die Schnupperwoche, die jeder Bewerber absolvieren muss. «Dort merken wir schnell, ob einer mit einer Handsäge oder mit einem Stück Holz umgehen kann.» Nebst einem ausgeprägten räumlichen Vorstellungsvermögen müssen die Lernenden auch mathematisch gewisse Fähigkeiten mitbringen. «Mathe ist eines der strengsten Fächer in der Berufsschule», bestätigt Lehrling Dominic Durrer. Nach der Lehrzeit stehen den Zimmerleuten verschiedene Wege offen: «Unser Ziel ist es, die Berufsleute in der Firma zu halten und ihnen auch langfristig Perspektiven zu bieten», sagt Adrian Stocker. Wer genug Ehrgeiz mitbringt, kann sich bis zum Meister hocharbeiten. Und dann gibt es auch noch Zimmerleute, die nach der Lehre auf die Walz gehen. Eine Tradition, der in der Schweiz jedoch nur sehr selten nachgegangen wird.

Wanderschaft? «Im Moment kein Thema», lautet deshalb auch die Antwort der beiden Kost-Lernenden, während sie gerade für die Fotografin unserer Zeitung posieren. Dann plötzlich ruft ein älterer Kollege aus dem Hintergrund halb ernst gemeint: «Jetzt ist dann fertig ‹gfötelet›. Los, zurück an die Arbeit!» Beide lachen. Noch immer strahlt den Zimmerleuten die Sonne ins Gesicht.

ZimmerMann/Zimmerin

Zimmerleute der Stufe EFZ beherrschen alle Tätigkeiten des Holzbaus. Zu den Kernkompetenzen gehören: Erstellung, Instandstellung und Unterhalt von Holz- und Hybridbauten sowie die Vorfertigung und Montage von Holzbauteilen. Nebst Handwerkzeugen und Handmaschinen sind Zimmerleute geübt im Umgang mit stationären Maschinen und beherrschen den Computer und CAD.

Die Ausbildung zum Zimmermann EFZ dauert neu 4 Jahre. Bei sehr guten schulischen Leistungen kann während der Grundbildung die Berufsmaturitätsschule besucht werden. Gefragt sind handwerkliches Geschick, Freude an geometrischen Aufgaben, Physik, räumliches Vorstellungsvermögen, Teamfähigkeit, Kraft und Konzentration.

Weiterbildungsmöglichkeiten
Im Anschluss an die Lehre besteht die Möglichkeit, sich zum Vorarbeiter, Polier, Techniker oder bis hin zum Meister weiterzubilden. Auch eine Höhere Fachschule oder eine Fachhochschule kann im Anschluss an die Berufsbildung besucht werden.

Vergütung (pro Monat)
1. Lehrjahr, 750.–; 2. Lehrjahr, 980.–; 3. Lehrjahr, 1330.–; 4. Lehrjahr, 1700.–
Bewerbung
Bewerbungen für das Lehrstellenjahr können sofort eingereicht werden.
Weitere Infos:
www.berufsberatung.ch
www. holzbau-schweiz.ch
www.kost.ch