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Beruhigungspille für Glencore-Aktionäre

Der unter Beobachtung der US-Justiz stehende Rohstoffkonzern investiert eine Milliarde Doller in den Rückkauf eigener Aktien. Derweil meiden immer mehr Investmentfirmen den Kauf von Wertpapieren grosser Erzeuger von fossilen Brennstoffen.
Daniel Zulauf
Ein Arbeiter in der kongolesischen Provinz Katanga kontrolliert Kupferplatten. (Bild: Simon Dawson/Bloomberg; Kolwezi, 1. August 2012)

Ein Arbeiter in der kongolesischen Provinz Katanga kontrolliert Kupferplatten. (Bild: Simon Dawson/Bloomberg; Kolwezi, 1. August 2012)

Die am Dienstag unter starken Verkaufsdruck geratenen Glencore-Aktien haben wieder etwas Auftrieb erhalten. Der in der Schweiz ansässige Rohstoffkonzern kündigte gestern die Lancierung eines umfangreichen Aktienrückkaufprogramms im Wert von bis zu 1 Milliarde Dollar an. In der Folge legten die an der Londoner Börse gehandelten Titel um rund 2 Prozent auf über 325 Pence zu.

Zu Beginn der Woche verkehrten die Papiere noch zu Kursen von über 370 Pence, bis eine Meldung über Nachforschungen der amerikanischen Justizbehörden zu verdächtigen Geschäftspraktiken des Unternehmens in Nigeria, Venezuela und in der Demokratischen Republik Kongo die Investoren in Panik versetzte. Das Departement of Justice (DOJ) verlangte die Einreichung von Dokumenten und anderen Unterlagen im Zusammenhang mit möglichen Verstössen gegen Antikorruptions- und Geldwäschegesetze. Die Nachricht führte zu einem Kurseinbruch, der in der Spitze 13 Prozent betrug.

Baarer Rohstofffirma Blackstone Resources
neu an der Börse

An der Schweizer Börse kommt es zu einem kurzfristig angekündigten Börsengang: Das Rohstoffunternehmen Blackstone Resources will seine Aktien bereits am kommenden Montag an der SIX Swiss Exchange kotieren lassen. Das Ziel sei es, durch den Börsengang die Bekanntheit zu steigern, die Aktionärsbasis zu erweitern und in Zukunft Mittel für weitere Zukäufe aufnehmen zu können, wie Blackstone Resources gestern mitteilte. Das von Firmenchef und Verwaltungsratspräsident Ulrich Ernst geführte Unternehmen wurde im Jahr 1995 gegründet. 2017 erzielte Blackstone Resources einen Gewinn von 3,8 Millionen Franken. Insgesamt sollen 42,7 Millionen Aktien mit dem Symbol BLS an der SIX kotiert werden. Dabei sieht die Gruppe laut eigenen Berechnungen einen Wert der Aktien von 13.50 Franken pro Stück.

Blackstone Resources hat ihren Sitz in Baar und ist im Rohstoffsektor sowohl im Handel aus auch in der Produktion tätig. Sie baut, entwickelt und leitet Produktionsanlagen in Peru, Kolumbien, Kanada, Norwegen und der Mongolei. Dabei konzentriere man sich auf die Produktion von Gold und Silber und insbesondere für die von Batterieherstellern nachgefragten Metalle Kobalt, Mangan, Molybdän, Lithium, Grafit, Kupfer und Nickel. (sda)

Der Zeitpunkt für die Ankündigung des Aktienrückkaufs ist kaum Zufall. Finanzanalysten vermuten, dass Glen­core damit das angeknackste Vertrauen der Investoren zu stärken hoffe. Die Transaktion könne als Hinweis dafür gewertet werden, dass das Glencore-Management die negative Börsenreaktion für überzogen halte, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg einen Kommentar der britischen Barclays Bank. Der Aktienrückkauf wird gemäss Mitteilung von Glencore in zwei Phasen erfolgen: In einer ersten Phase, die bis zum 7. August, dem Vortag der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen, andauert, sollen Aktien im Wert von 350 Millionen Pfund (ca. 460 Millionen Dollar) zurückgekauft werden. Die zweite Phase dauert bis zum Jahresende.

Ob der Aktienrückkauf die vom Management gewünschte Wirkung dauerhaft erzeugen kann, wird sich weisen. Der Börsenwert von Glencore beträgt 47 Milliarden Pfund oder rund 62 Milliarden Dollar. An gewöhnlichen Tagen werden Aktien im Wert von rund 100 bis 200 Millionen Dollar umgesetzt. Nach Einschätzung von Branchenanalysten laufen die Geschäfte der Rohstoff- und Bergbauunternehmen derzeit rund. Auch Konkurrent Rio Tinto hat sein Aktienrückkaufprogramm kürzlich aufgestockt.

Im Nachhaltigkeitsbericht betont man die wichtige Rolle von Kohle

Die Glencore-Aktien gelten bei den Investoren allerdings als besonders riskant. Dies, obschon der Konzern die immense Nettoverschuldung nach der teuren Xstrata-Übernahme in nur drei Jahren von 30 Milliarden auf nurmehr rund 10 Milliarden Dollar reduzieren konnte. Besonders schwer lastet auf dem Kurs der Glencore-Aktien natürlich der offene Ausgang der Nachforschungen des Department of Justice (DOJ). Das DOJ hatte im Nachgang der Finanzkrise zahlreiche Banken für unerlaubte Geschäftspraktiken mit Bussen in Milliardenhöhe belegt. Aber auch das Geschäftsportfolio von Glencore dürfte vielen Investoren nicht gefallen. Der Konzern produzierte 2017 in seinen 26 Minen in Australien, Südafrika und Kolumbien mehr als 120 Millionen Tonnen Kohle. Weitere 106 Millionen Tonnen, die von Dritten produziert wurden, hat Glencore vermarktet. Der Konzern bezeichnet sich selber als einer der weltgrössten Kohleproduzenten. Viele Klimaexperten raten dringend zu einer drastischen Reduktion in der Verwendung des CO2-intensiven Brennstoffs.

Diese Woche gab der Versicherungskonzern Swiss Re bekannt, dass er Firmen mit einem Kohleanteil von über 30 Prozent am Geschäftsvolumen künftig keine Versicherungsdeckungen mehr anbieten werde. Und eine wachsende Zahl von Investmentfirmen versucht Anlagen in Wertpapiere von grossen Erzeugern fossiler Brennstoffe zu meiden. Auch bei Glencore hatten Investoren schon Antworten auf die Frage verlangt, ob das Unternehmen unter einem sich verändernden Weltklimaregime überhaupt noch dazu kommen werde, seine immensen Reserven an Kohle anzuzapfen. Doch im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht zeigt Glencore keinen Respekt vor solchen Szenarien: Kohle werde als billige und in grossen Mengen vorhandene Ressource weiterhin eine wichtige Rolle in der Entwicklung der aufstrebenden Volkswirtschaften spielen. Dank der breiten Diversifikation des Konzerns stellt auch die 30-Prozent-Schwelle von Swiss Re kein ernsthaftes Problem für Glencore dar.

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