Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

BESCHWERDEN: Nicht ohne Totenschein

Wer nachrichtenlosen Vermögen nachspürt, macht oft schlechte Erfahrungen. Für den Bankenombudsmann funktioniert das System «einwandfrei».
Daniel Zulauf
Der Bankenombudsmann Marco Franchetti. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 2. Juli 2015))

Der Bankenombudsmann Marco Franchetti. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 2. Juli 2015))

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Nico Planzer, Jungpräsident BDP Schweiz, war nur neugierig, als er auf der Website der Bankenombudsstelle die elektronische Liste der nachrichtenlosen Vermögen nach seinen eigenen Vorfahren durchging. Mehr als 2000 Namen stehen in dem Dokument. Ganz unerwartet wurde der Luzerner fündig: Alfons und Johann (Namen geändert), so hiessen die beiden Onkel seiner Grossmutter mütterlicherseits. Ins Raster passten nicht nur deren Vor- und Familiennamen, sondern auch deren Herkunft.

Als kleine Kinder waren die beiden mit ihren Eltern von Österreich in die Schweiz, nach St. Gallen emigriert, wo sie später auch die Staatsbürgerschaft erhielten. Doch in den Dokumenten der Bank blieb einer versehentlich Österreicher. Ein Glück für Nico Planzer. Erst dieses Detail motivierte ihn, die Recherche richtig in die Hand zu nehmen. «Es muss sich um die Sparkonti gehandelt haben, die mein Urgrossonkel seinen Söhnen im Kindesalter eingerichtet hatte», vermutet er. Alfons und Johann waren die Onkel von Planzers noch lebender Grossmuter, die einen gesetzlichen Erbanspruch auf die Vermögen ihrer beiden Verwandten besitzt. Doch deren Spuren haben sich schon vor mehr als einem halben Jahrhundert verloren. Die beiden zogen schon in jungen Jahren von der Schweiz in Richtung Amerika weiter und vergassen dabei offenbar, den Sparbatzen ihres Vaters auf die Reise mitzunehmen. Seit mehr als 60 Jahren sind die Konti nachrichtenlos.

Ein Drittel mehr Anfragen als im Vorjahr

Weil das Parlament im März 2013 beschlossen hatte, dass langfristig nachrichtenlose Vermögen liquidiert und die Erlöse an die Bundeskasse abgeliefert werden müssen, werden die Namen der Kontoinhaber seit Dezember 2015 nach 60 Jahren ohne Nachricht auf der Webseite der Ombudsstelle veröffentlicht. Als Folge davon hat die Zahl der Nachforschungen im vergangenen Jahr sprunghaft zugenommen, wie Ombudsmann Marco Franchetti gestern an der Jahresmedienkonferenz in Zürich erklärte. 714 Fragebogen seine im Berichtsjahr ausgefüllt retourniert worden – ein Drittel mehr als im Jahr davor. 687 seien nach erfolgter Prüfung als ausreichend legitimiert worden. In 62 Fällen habe eine tatsächliche Übereinstimmung stattgefunden. Den Berechtigten konnten Werte in der Höhe von 12,7 Millionen Franken ausbezahlt werden. «Dies zeigt einmal mehr eindrücklich, dass das System einwandfrei funktioniert», stellte Franchetti fest.

Doch Nico Planzer machte eine andere Erfahrung. Nach einer ersten positiven, telefonischen Beurteilung seines Falles durch die Ombudsstelle schickte er die nach der langen Zeit noch erhalten gebliebenen Dokumente an die Bank, welche die Verwandtschaft seiner Grossmutter mit Alfons und Josef eindeutig belegen konnten: ein Familienbüchlein, ein Auszug der Wohnsitzgemeinde im Kanton St. Gallen mit wichtigen Informationen zur Familie und die Kontovollmacht der Grossmutter. Bald darauf kam ein Brief der Bank: «Nach Prüfung der von Ihnen erfassten Angaben, sowie der von Ihnen eingereichten Unterlagen, müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass mit diesen Informationen kein Zusammenhang zu der publizierten Person hergestellt werden kann.» Ein Standardbrief mit einer Standardabsage. «Inakzeptabel», fand Planzer und liess nicht locker. Einige Woche später kam er zum Erfolg – aber nur, weil es um ein paar wenige tausend Franken ging.

Die Bank benötige im Erbfall «grundsätzlich den Todes- und Erbschein des Kontoinhabers sowie auch die entsprechenden Unterlagen von sämtlichen nachverstorbenen Erben, jeweils im Original oder als beglaubigte Kopie». Als die Nachkommen der Holocaust-Opfer Anspruch auf die in der Schweiz vermuteten Vermögenswerte ihrer Vorfahren geltend machen wollten, wurden sie von den Banken während vieler Jahre mit ähnlichen Forderungen ausgebremst. In Anlehnung an jene trüben Erfahrungen glaubt Nico Planzer, dass das System bei weitem nicht so gut funktioniert, wie der Ombudsmann glauben möchte. Deshalb will der Jungpolitiker seine Partei motivieren, im nationalen Parlament einen Vorstoss zur Vereinfachung des Prozederes vorzunehmen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.