Uhren
Bezahlen aus dem Handgelenk: Das kann die Smartwatch von Swatch

Mit der Smartwatch «Bellamy» von Swatch kann ab diesem Sommer bargeldlos bezahlt werden.

Lina Giusto
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«Bellamy» bleibt dem Swatch-Look treu – dennoch ist erstmals eine Smartwatch mit NFC-Chip in der Schweiz erhältlich. ho

«Bellamy» bleibt dem Swatch-Look treu – dennoch ist erstmals eine Smartwatch mit NFC-Chip in der Schweiz erhältlich. ho

Was lange währt, wird endlich gut. Mit deutlicher Verspätung soll ab Juni die erste Bezahluhr von Swatch – «Bellamy» – in der Schweiz erhältlich sein, teilte die Uhrenfirma mit Sitz in Biel gestern mit. Ganz einfach soll mit der Smartwatch aus dem Handgelenk heraus ohne Bargeld bezahlt werden können. Die Partnerschaft zwischen Swatch, Visa und der Luganer Cornèr Bank macht dies möglich. Damit ist der Weg für die «Geldbörse am Handgelenk» frei.

Wobei nicht ganz: Denn gratis ist die Bezahluhr von Swatch nicht. Für den Kaufpreis von
105 Franken aber immer noch deutlich günstiger als vergleichbare Modelle der Konkurrenz – ohne Bezahlfunktion. Hersteller wie Tissot und Fossil bieten ihre Smartwatches zu einem Kaufpreis im vierstelligen Bereich an.

Nahfeldkommunikation

Smartphones oder -watches, die mit einem Nahfeldkommunikations-Chip (NFC-Chip) ausgestattet sind, können mittels Funktechnik auf kurze Entfernung miteinander kommunizieren und Zahlungsvorgänge abwickeln. Im Abstand von maximal 10 Zentimetern kann der Zahlvorgang aktiviert werden. Der Käufer muss diesen lediglich mit einem Knopfdruck bestätigen. Die Distanz bei NFC ist absichtlich beschränkt, damit sich keine dritten Nutzer Zugang zur Transaktion verschaffen können. Damit das bargeldlose Bezahlen jedoch überhaupt funktionieren kann, müssen Mobilfunk- oder Uhrenhersteller mit Banken und Kreditkartenunternehmen kooperieren. Für Geräte ohne NFC-Chip gibt es derweil eine Brückenlösung: den NFC-Sticker. Er verwendet dieselbe Technik wie der gleichnamige Chip und kann ganz einfach hinten auf das Gerät geklebt werden. Die Verbindung von zwei NFC-Geräten dauert maximal eine Zehntelsekunde und ist damit deutlich schneller, als eine Bluetooth- oder WLAN-Verbindung. Diese Verbindungsarten funktionieren dagegen aber auch über grössere Abstände hinweg. Sie müssen aber manuell durch den Nutzer aktiviert werden. Das ist bei einer NFC-Verbindung hingegen nicht notwendig, denn diese entsteht durch die blosse physische Nähe von zwei NFC-Geräten. (GIU)

Hayeks Gesinnungswechsel

Die Smartwatch ist mit einem Nahfeldkommunikations-Chip ausgestattet, der unter dem Zifferblatt eingearbeitet ist. In Sekundenschnelle wird die Bezahlung zwischen dem Handgelenk und dem Lesegerät an der Kasse abgewickelt. Ein Knopfdruck des Käufers genügt, um den Zahlvorgang zu bestätigen. Dazu benötigt der Kunde einen Vertrag mit der Cornèr Bank. Dieser ist gemäss Swatch gebührenfrei erhältlich: «Bei der Swatch Bellamy Uhr gibt es keine Jahresgebühr, wie das üblich ist bei Bankkarten. Auch gibt es keine Gebühren bei den einzelnen Inland-Einkäufen.»

Dennoch würde bei der erstmaligen Registrierung bei der Cornèr Bank eine Gebühr von sieben Franken anfallen. Das erste Aufladen der «Bellamy» mit Guthaben sei gratis, für jede weitere Auflad-Aktion fallen dann aber Kosten in der Höhe von drei Franken an. Und wie Swatch weiter sagt, kann das Guthaben im Falle eines Verlusts der Uhr gebührenfrei transferiert werden.

Vor mehr als einem Jahr überraschte Swatch-Konzernchef Nick Hayek mit seinem Kurswechsel, nun doch in den Smartwatch-Bereich einzusteigen. Die Liste von Hayeks Argumenten, warum eine Computeruhr unsinnig sei, war lang. Er änderte seine Ansicht dazu zu Beginn des letzten Jahres, nachdem Apple seine Smartwatch bereits auf den Markt gebracht hatte.

Konkurrenz für Bezahl-Apps

Und Hayek geht mit seiner Bezahluhr noch einen Schritt weiter: Mit dem eingebauten NFC-Chip, der gleichen Technologie also wie sie Apple Pay verwendet, tritt Swatch in Konkurrenz zu den bargeldlosen Bezahlsystemen «Paymit» und «Twint». Erstere App wickelt Transaktionen mittels eines QR-Codes ab. Lanciert hat dieses System der Börsenbetreiber SIX zusammen mit verschiedenen Banken. Die von der Postfinance entwickelte Bezahl-App «Twint» dagegen übermittelt die Daten bei der Bezahlung via Bluetooth. Die NFC-Chips der iPhones aber sind von Apple für hiesige Drittanbieter nicht freigeschaltet.

Wie Swatch weiter in ihrer Mitteilung schreibt, ist die Schweiz das erste Land in Europa, in der «Bellamy» ab diesem Sommer erhältlich sein wird. Lediglich in China ist die Uhr schon seit Beginn des Jahres erhältlich. Und laut Swatch ist sie «in China beliebt und erfolgreich».