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BEZAHLEN: Das Handy als Portemonnaie

Als erster Detailhändler lanciert Manor eine App, mit der per Smartphone bezahlt werden kann. Banken, Telekomfirmen und Detailhändler arbeiten mit Hochdruck an eigenen Lösungen.
Bernard Marks
Über eine App per Smartphone bezahlen: Bei Manor ist dies seit Montag möglich. (Bild: Neue LZ)

Über eine App per Smartphone bezahlen: Bei Manor ist dies seit Montag möglich. (Bild: Neue LZ)

Rund 150-mal schaut jeder Besitzer eines Smartphones täglich auf den kleinen Bildschirm. Fast 4 Millionen Smartphones sind aktuell in der Schweiz im Einsatz. Jeder zweite Schweizer besitzt demnach ein Smartphone, und damit kann man nicht nur telefonieren, sondern auch bezahlen. Bisher setzten Schweizer Detailhändler wie Valora, Migros und Coop beim Bezahlen mit Handys auf die kontaktlose Übermittlung von Kreditkarteninformationen – sogenannte NFC-Technologie (Near Field Communication). Manor geht nach einem erfolgreichen Pilotversuch in Basel einen anderen Weg.

Manor-App

Seit gestern können Kundinnen und Kunden, die bereits eine Manor-Karte besitzen oder sich registrieren, kostenlos eine App (für iPhone und Android) herunterladen und damit in allen Filialen bezahlen.

Das Potenzial an möglichen Nutzern ist gross. Denn rund eine Million Schweizer besitzen bereits eine solche Manor-Karte. Diese verwandelt sich in Form der neuen App auf dem Smartphone in eine virtuelle Kreditkarte. Zur Unterstützung der neuen Technologie will Manor in seinen 64 Warenhäusern ab 2014 kostenloses WLAN anbieten.

Rechnung zum Monatsende

Die Installation und Handhabung der App ist denkbar einfach. Herunterladen, registrieren, verifizieren, und dann kann bezahlt werden. Dabei wird die App geöffnet und das Smartphone in die Horizontale (Landscape-Modus) gedreht. Es erscheint der Zahlungsbildschirm mit einem persönlichen Barcode, der an der Kasse vorgewiesen werden muss. Dort wird der Code eingescannt und der gesamte Einkauf registriert. Der Kunde erhält am Ende des Monats eine Rechnung mit einer Auflistung sämtlicher Produkte. Laut Auskunft der Accarda AG, Anbieter für Zahlungsverkehr der Kundenkarten von Manor, ist auch ein Lastschriftverfahren möglich.

«Die Sicherheit ist absolut gewährleistet, weil wir keine persönlichen Daten auf dem Smartphone speichern», verspricht Manor-Chef Bertrand Jungor. Mit der App soll das Bezahlen nicht nur schneller und einfacher gehen als mit einer herkömmlichen Kreditkarte, sondern auch sicherer werden. Die neue App vereint das heute modernste Bezahlsystem mit ausgeklügelten Sicherheitshürden. So ist zum Beispiel jeder Barcode, der an der Kasse gescannt werden muss, nur einmalig für den Zeitraum eines Zahlungsvorgangs gültig und noch dazu durch ein Passwort geschützt. Dieser kann weder vervielfältigt noch manipuliert werden.

Jumbo lanciert dieselbe App

Auch die Baumarkt-Kette Jumbo lanciert dieselbe App für ihre Kunden. «Ein Missbrauch über das Internet ist damit ausgeschlossen. Für Einkäufe ab 40 Franken ist zusätzlich eine PIN-Eingabe erforderlich», erklärt Jumbo-Mediensprecher Massimo Moretti. Zusammen mit dem Sicherheitscode des Smartphones ergibt das eine mehrfache Sicherheitssperre. «Hinzu kommt, dass der Manor- oder der Jumbo-Kunde im Falle eines Verlustes das Handy beim Telefonanbieter sperren kann», sagt Moretti. Jumbo gehört wie Manor zum Westschweizer Unternehmen Maus ­Frères. Auch der Sportartikelverkäufer Athleticum gehört zur Genfer Gruppe, beteiligt sich vorerst aber nicht am App-Projekt.

«Wir sprechen mit dieser App alle Privatkunden an», sagt Moretti. Er räumt ein, dass es sich dabei allerdings weniger um ein grosses Geschäft handle als um einen breit angelegten Feldversuch. Man sei gespannt darauf, wie die Konsumenten die App nutzen werden.

Kreditkarten werden verdrängt

Laut einer aktuellen Studie aus dem Nachbarland Deutschland findet bereits eine Verdrängung von Rechnung und Kreditkarte zu Gunsten mobiler Bezahldienste wie beispielsweise Apps statt: Laut Untersuchungen des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels und der Creditreform Boniversum nutzen bereits 40 Prozent der Smartphone­Besitzer in Deutschland das Handy zum Einkaufen, knapp 60 Prozent dieser mobilen Einkäufer seien jüngere Nutzer zwischen 18 und 29 Jahren.

Unter Konsumenten, die Vollzeit arbeiten und wenig Zeit zum Einkaufen haben, würden bereits 47,3 Prozent mobil shoppen. Im Jahr 2012 lag diese Zahl noch bei 33,1 Prozent. «In einer Zukunft ohne Geldtasche gibt es dann auch keine Kreditkarten mehr», mutmasste kürzlich auch die «Los Angeles Times».

Neuer Wachstumsmarkt

Marktteilnehmer, die derzeit einen gewissen Vorsprung im mobilen Bezahlen oder sogenannten «mPayment-Markt» geniessen, sind nicht Banken, sondern diejenigen, die aus dem klassischen Geschäft mit Kundendaten kommen, wie die Accarda AG. «Das mobile Bezahlen ist einer der wichtigsten Trends, die den Markt für Finanzdienstleistungen revolutionieren könnten», sagt Retailbankenexperte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern. Banken und Kreditkartenunternehmen arbeiten zwar bereits mit anderen Firmen zusammen, um die Handys als Zahlungsmittel im Alltag der Konsumenten zu verankern, doch sie müssen «aufpassen, den Zug nicht zu verpassen», so Dietrich.

«Mobile Wallet App»

Swisscom und Sunrise wollen im Jahr 2014 das Bezahlen per Smartphone via NFC-Technologie ermöglichen. Dazu werden von den Mobilfunkanbietern NFC-fähige Smartphones mit einer speziellen SIM-Karte (mit einem Secure Element) sowie einer «Mobile Wallet App» ausgerüstet. In dieser werden Kreditkarteninformationen und Informationen über das Kaufverhalten des Kunden zusammengeführt. In so einer «Mobile Wallet» könnten zum Beispiel verschiedene Informationen von vielen Kundenkarten wie von Manor, Jumbo oder von auch Migros oder Coop etc. enthalten sein.

Seit 2006 forscht die Hochschule Luzern an der NFC. «Ich gehe davon aus, dass NFC jetzt besser an den Markt kommt», sagt René Meier, Leiter der Forschungsgruppe Mobile Systems an der Hochschule Luzern. Neue Bezahlsysteme würden sich auf lange Sicht durchsetzen, so Meier. Ziel der Anbieter ist es, den Griff ins Portemonnaie langfristig überflüssig zu machen. Experten prognostizieren bereits, dass schon 2016 kaum noch mit einer Kreditkarte, sondern per App bezahlt wird.

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