Krisenzeichen
Bezinpreis auf Tiefstand - das empfiehlt der Erdöl-Chef

Die Tiefpreise im weltweiten Ölhandel lassen Autofahrer hierzulande frohlocken. Für den Chef der Erdöl-Vereinigung ist der tiefe Ölpreis aber nicht nur ein Grund zum Jubeln. Er empfiehlt rechtzeitiges Vorsorgen beim Heizöl.

Andreas Schaffner
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Tiefe Benzinpreise in der Schweiz, doch wie lange noch? Baertschi

Tiefe Benzinpreise in der Schweiz, doch wie lange noch? Baertschi

Letzten Donnerstag ist der Ölpreis auf den tiefsten Stand seit anderthalb Jahren gefallen. Am Freitag erholte er sich leicht. Ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent war für 91 Dollar zu haben. Das ist kein Vergleich zu den rekordhohen 129 Dollar, die ein Fass des «Schwarzen Golds» noch vor drei Monaten gekostet hat.

Die Folgen: An Schweizer Zapfsäulen sanken die Preise für Benzin deutlich, auch wenn nicht im gleichen Mass wie der Ölpreis. Die Wende brachte hier schon der Mai, doch die Preise machten in den letzten Wochen einen weiteren Sprung.

Für den Geschäftsführer der Schweizer Erdölvereinigung, Niklaus Boss, ist der jüngste Einbruch des Ölpreises und in der Folge des Benzins in der Schweiz aber nicht nur ein Grund zum Jubeln: «Der Preiseinbruch zeigt, dass die globale Angst vor einem Einbruch der Wirtschaft zunimmt. Und das kann uns nicht freuen.»

Vorsorge für den Winter

Tatsächlich machen sich Bremsspuren in der weltweiten Wirtschaftsdynamik spürbar, besonders in China und den USA, den beiden grössten Ölverbrauchern weltweit. Analysten weisen auf volle Öllager in den USA hin.

Offenbar, so die Analysten von Merrill Lynch, hatte die Ankündigung der US-Notenbank von letzter Woche nur wenig Wirkung. Die National Bank of Australia senkte ihre Ölpreisprognose für das zweite Quartal für Brent-Öl von 115 auf 111 Dollar. Und die Rohstoffspezialisten von Julius Bär sehen für Anleger keinen Grund, in diesen Sektor einzusteigen. Mit anderen Worten, auch sie rechnen bis auf Weiteres nicht mit einem Preisanstieg.

Bei der Analyse der Entwicklung von Rohstoffpreisen spielt eine entscheidende Rolle, welche Faktoren wie stark gewichtet werden. Oft gehen die Meinungen der Analysten weltweit klar auseinander. Weniger stark fallen offenbar beim Erdöl derzeit die Drohungen der Opec ins Gewicht, die Produktion zu drosseln. Weniger stark wird auch die Gefahr einer Eskalation des Konflikts im Nahen Osten gewichtet. Noch Anfang Jahr wurde Letzteres für den starken Preisanstieg beim Ölpreis verantwortlich gemacht.

Einig sind sich die Beobachter, dass der stärkere Dollar eine wichtige Rolle spielt. Dies lasse sich auch in anderen Rohstoffklassen festmachen. Grund hierfür ist, dass die Rohstoffe zum grössten Teil in Dollar gehandelt werden. Und wenn dieser stärker wird, etwa gegenüber dem Euro, liegen höhere Margen drin. Diese Grundstimmung und die Frage der Gewichtung der einzelnen Nachrichten, das dann kann sich rasch ändern.

Unsicherheiten bleiben

Diese Unsicherheiten bei der Bewertung der relevanten Faktoren haben laut Niklaus Boss von der Erdölvereinigung zur Folge, dass kaum eindeutige Preisprognosen für den Benzinpreis gemacht werden können. Auch macht er darauf aufmerksam, dass sich aufgrund der Steuersituation in der Schweiz die Preisentwicklung im weltweiten Erdölhandel nicht eins zu eins beim Benzin, aber auch beim Heizöl abbilden lässt. Einen Tipp für Schweizer Konsumenten hat Boss jedoch: «Im Moment ist es sicher ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf den Heizöltank zu werfen und ihn wenn nötig aufzufüllen.» Mit einem leeren Tank bis zum Winter warten, davon rät er ab.