Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BIER: Eichhof zündet die trübe Vorstufe

Die grösste Zentralschweizer Brauerei hat ein neues Bier auf den Markt gebracht. Das «Trüeb» folgt auf das «Retro», entstanden ist es eher beiläufig, nämlich kurz vor der üblichen Vollendung.
Hans Graber
Gleich für mehrere Eichhof-Brauer – im Bild Daniel Spellmeyer – steht fest: Das neue «Trüeb» ist klar das beste Bier im Hause. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 23. Februar 2018))

Gleich für mehrere Eichhof-Brauer – im Bild Daniel Spellmeyer – steht fest: Das neue «Trüeb» ist klar das beste Bier im Hause. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 23. Februar 2018))

Hans Graber

Das Bier ist neu. Brandneu. So neu, dass es bei unserem Degustationsbesuch nicht mal ganz gereicht hat, das neue Eichhof- «Trüeb» auf die übliche Trinktemperatur von 8 bis 10 Grad herunterzukühlen? Nein, wie sich herausstellte, hat das andere Gründe. Aber der Reihe nach.

Innovationen sind nicht nur kleinen Brauereien vorbehalten. Auch grosse sind eifrig bemüht, mit neuen Kreationen die sich wandelnden Geschmacksnerven der Biertrinker zu treffen und ihre Pfründe zu halten. Immerhin zeigt die Kurve des jährlichen Pro-Kopf-Konsums in den letzten zehn Jahren nur noch leicht abwärts. Trotzdem war man im Jahr 2016 auf einem neuen Tiefststand angelangt: 54,5 Liter. Das sind 23 Prozent weniger als noch zu Beginn der 1990er-Jahre (71 Liter).

Gleichzeitig drängen immer neue regionale Kleinbrauereien auf den Markt: 1990 gab es in der Schweiz 32 biersteuerpflichtige Brauereien, 2017 waren es über 800. Und ob das Bert-Bier aus ­Luthern im Luzerner Hinterland oder das «Stiär Biär» aus Altdorf – sie sind nicht von schlechten Eltern beziehungsweise Brauern.

«Wir begrüssen diese Entwicklung», sagt Martin Wyss, Kommunikationsspezialist bei Heineken Switzerland in Luzern. Inwieweit man das glauben darf, ist offen, denn jeder auch so noch kleine Brauer nimmt Eichhof ein paar Liter weg vom Fass. Andererseits fördern die Mikrobrauereien die Bierkultur. Es wird mengenmässig etwas weniger getrunken, dafür bewusster und gezielter. Genuss statt Suff, Biersommeliers statt Büchsen, Spezialitäten statt lauter Lager hell.

Dessen führende Stellung ist indes unangefochten, Lager hält bei Eichhof einen Anteil von etwa 85 Prozent. Die restlichen Prozente teilt sich die übrige Familie, die seit wenigen Tagen mit dem «Trüeb» ein neues Mitglied hat – wobei umgekehrt die Produktion des 2016 lancierten «Honig» eingestellt wurde.

Das A und O ist die Hefe

Sehr gut eingeschlagen hat dafür letztes Jahr anscheinend das «Retro». Exakte Zahlen nennt Eichhof wie üblich keine. Aber das «Retro» stand nun auch am Anfang des «Trüeb». Oder vielmehr am Ende. Um das zu erklären, muss man kurz ausholen:

Prägend für den Geschmack eines Bieres ist nicht das Wasser vom Pilatus und auch nur beschränkt Malz (Gerste) oder Hopfen, sondern – Hefe. Sie sorgt dafür, dass die Chose gärt. Sie wandelt den Malzzucker in der Bierwürze in Alkohol und Kohlensäure um, zudem entwickeln sich spezielle Aromen.

Kein Wunder, wird viel Sorgfalt auf die Auswahl der Hefe gelegt. Als Martin Respondek, Leiter Bierherstellung Luzern, sich anschickte, das «Retro» zu kreieren, durchforstete er die Hefedatenbanken in Berlin und Weihenstephan und wählte zum Pröbeln Hefen aus, die in den 1970ern Trumpf waren. Schliesslich sollte das «Retro» an genau jene Jahre erinnern. Das Endergebnis ist seit April 2017 ­bekannt. Ob es wirklich dem «Lebensgefühl von einst» (Eichhof-Werbung) entspricht und ­Erinnerungen an die «wilden Siebziger» weckt, vermögen auch Zeitzeugen nicht mehr genau zu sagen. So wild war das doch damals gar nicht. Aber zusammen mit dem «ikonischen» Fläschchen und dem roten Eichhörnchen, samt der schwarzen Schrift auf der Etikette, wusste das «Retro» auf Anhieb auch Leuten zu gefallen, die nicht so nostalgisch veranlagt sind.

In einem letzten Arbeitsschritt wird das «Retro» von den in der Flüssigkeit herumschwirrenden Hefeteilchen gefiltert. Ein Eichhof-Brauer hatte dann beim Probieren des ungefilterten «Retro» ein Oha-Erlebnis: Das ist ja noch besser! Herzhaft, hefig, süffig. Das machte unter den geeichten Eichhof-Männern schnell die Runde.

Die «Retro»-Vorstufe wurde zum neuen «Trüeb» – mit dem Nebeneffekt, dass sich die Brauerei einen Teil der sechsstelligen Summe sparen konnte, welche üblicherweise zur Entwicklung und Einführung eines neuen Bieres investiert werden muss.

Mit 5,2 Prozent Alkohol ist das «Trüeb» etwas stärker als das «Retro» (4,8%), angeboten wird es in denselben 33-cl-Fläschchen, mit grünem statt mit rotem Eichhörnchen. Im Handel ist es vereinzelt bereits erhältlich, ab Mitte März dann auch in der Gastronomie. Wer nicht warten mag, kann direkt die Brauerei heim­suchen. Hoffentlich kriegt man eines mit idealer Temperatur. Denn eben, die Brauer trinken es am liebsten selber. Da können die Vorräte im Kühlschrank schon mal aufgebraucht sein. Aber von trüber Stimmung keine Spur: Den zwei LZ-Testern hat das ein paar Grad zu warme «Trüeb» trotzdem ganz gut geschmeckt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.