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BILANZ: Fachmärkte bereiten Migros Sorgen

Migros-Chef Herbert Bolliger blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 zurück. Er sieht den Detailhandelsriesen im Zeitalter der Digitalisierung und des wachsenden Onlinehandels gut aufgestellt. Veränderungen sieht er auf die Einkaufscenter zukommen.
Ernst Meier
Herbert Bolliger (63) an seiner letzten Bilanzmedienkonferenz als Migros-Chef. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 28. März 2017))

Herbert Bolliger (63) an seiner letzten Bilanzmedienkonferenz als Migros-Chef. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 28. März 2017))

Interview: Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Herbert Bolliger, die Migros hat im Jahr 2016 mehr Umsatz erzielt und den Marktanteil erhöht, der Gewinn ist jedoch gesunken. Weshalb sinkt die Rendite?

Der Gewinnrückgang ist auf Wertkorrekturen zurückzuführen. Konkret haben wir in unseren Büchern die Werthaltigkeit der Non-Food-Formate – wie Ex-Libris, Interio oder Schild – angeschaut. Dabei sind wir zur Einsicht gekommen, dass wir hier Korrekturen vornehmen müssen – auch im Hinblick auf die künftige Entwicklung. Das stark wachsende Onlinegeschäft wirkt sich massiv auf unsere stationären Formate aus.

Wie hoch sind mittlerweile die Onlineumsätze bei Migros-Formaten wie Ex-Libris oder Melectronics?

Die Onlineumsätze unserer klassischen Filialformate sind sehr unterschiedlich hoch. Bei Ex-Libris wird heute teilweise mehr als 50 Prozent des Umsatzes online erzielt. Bei Melectronics ist der Anteil viel kleiner, hier wird weiter gut in den Filialen eingekauft. Das hat auch damit zu tun, dass für Elektronik und Haushaltsapparate unsere Online­-kanäle in erster Linie Digitec.ch und Galaxus.ch sind. Bei Melectronics ist es uns gelungen, durch eine Verkleinerung der Verkaufsfläche und minimen Veränderungen im Angebot die Kostenstruktur anzupassen und die Umsätze relativ gut zu halten.

Die Entwicklung geht dahin, dass im Detailhandel grosse Flächen frei werden, weil Schweizerinnen und Schweizer vermehrt online, aber auch im Ausland, einkaufen – Amazon, Zalando und Co. lassen grüssen. Das hat grosse Veränderungen zur Folge für die Einkaufszonen in den Innenstädten, aber auch für Supermärkte und Einkaufszentren.

Ich rechne vor allem mit grossen Veränderungen in den Einkaufszentren und gehe davon aus, dass dies ähnlich erfolgen wird, wie wir es in anderen Ländern beobachten. Einkaufscenter an zweit- und drittklassigen Lagen und solche mit einem schlechten Mietermix werden es schwerer haben. Sie werden unter Druck kommen, weil sie ihre Flächen nicht mehr entsprechend vermieten können. Es wird auch zu Umschichtungen innerhalb der Einkaufscenter kommen, so dass eine grosser Teil der Flächen künftig für Dienstleistungen genutzt wird.

Was können das für Dienstleistungsangebote sein?

Man kann zum Beispiel mehr auf Gastronomie-, Freizeit und Unterhaltungsangebote setzen. Diesen Weg geht das Einkaufscenter Stücki in Basel, wo Detailhandelsflächen verschwinden und ein Megaplex-Kino entsteht. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir mit der Migros das Gesundheits- und Fitnessangebot in den Einkaufscentern ausbauen. Unsere Angebote Medbase oder Santé-Med eignen sich bestens auch für Einkaufscenter; die gute Lage, Erreichbarkeit und die vorhandenen Parkplätze sind da ein Vorteil.

Wie läuft es in den Einkaufscentern?

Es läuft zum Teil sehr unterschiedlich und das hängt wie erwähnt vom Standort ab. Im Glattcenter oder im Zugerland funktionieren klassische stationäre Formate nach wie vor ausgezeichnet. An anderen Standorten läuft es weniger gut. Wir sind permanent daran, unsere Verkaufsflächen zu überprüfen und an die Kundenbedürfnisse anzupassen.

Sie bauen den Bereich Gesundheit stark aus. So wurden die Gesundheitszentren Medbase und SantéMed übernommen. 2016 lancierten Sie die digitale Gesundheitsplattform Impuls. Wird die Migros zum Hausarzt und gar zum Spital?

Wir bieten ambulante Behandlungen an und bilden Gemeinschaftspraxen, auch mit Fachärzten. Unser Angebot soll möglichst breit sein – vom Gesundheits-Check-up über Prävention und Rehabilitation bis zu leichten Behandlungen. Wir haben jedoch keine Absichten, auch im stationären Bereich tätig zu werden.

Nach 12 Jahren an der Migros-Spitze gehen Sie Ende Jahr in Pension. Was für eine Bilanz ziehen Sie?

Uns ist es gelungen, in den letzten Jahren erfolgreich den Marktanteil der Migros-Gruppe in der Schweiz deutlich zu erhöhen: 2012 lag er noch unter 20 Prozent, heute sind wir bei nahezu 22 Prozent. Dies alles geschah trotz neuen Mitbewerbern und wachsenden Umsätzen des Auslandshoppings, dessen Teil vom Kuchen mittlerweile 11 Milliarden Franken ausmacht. Weiter haben wir die Nachhaltigkeit und die Reputationsthemen ziemlich gut aufgegleist. Ich denke, wir haben auch den Wechsel mit der Digitalisierung und dem Onlinehandel gut gemeistert.

Gewinneinbruch trotz deutlich mehr Kunden

GeschäftsjahrDie Migros-Gruppe hat 2016 den Gesamtumsatz gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent auf 27,7 Milliarden Franken gesteigert. Im Detailhandel (In- und Ausland) nahmen die Einnahmen ebenfalls um 1,2 Prozent auf 23,27 Milliarden Franken zu. Auch den Marktanteil in der Schweiz konnte die Migros-Gruppe um 0,7 Prozent auf 21,9 Prozent steigern.

Der Umsatz in den hiesigen Super- und Verbrauchermärkten stieg um 0,2 Prozent auf 11,7 Milliarden Franken, wie Migros-Finanzchef Joerg Zulauf an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich sagte. «Rund 345 Millionen Einkäufe wurden getätigt. Das ist eine Steigerung von 0,3 Prozent oder täglich 3500 Kassabons zusätzlich», ergänzte Zulauf.

Rückläufig sind hingegen die Gewinnzahlen der Migros: Der Betriebsgewinn sank um 7,2 Prozent auf 911 Millionen Franken, der Gruppengewinn fiel um 16,2 Prozent auf 663 Millionen Franken. Das ist der tiefste Reingewinn seit 2011. Als Grund für den Gewinnrückgang nannte Migros-Chef Herbert Bolliger gestern Wertberichtigungen in der Höhe von 133 Millionen Franken auf den zum Konzern gehörenden Fachgeschäften Interio, Globus, Office World, Cash+Carry Angehrn, Melectronics sowie Ex-Libris. «Die Fachgeschäfte stehen wegen dem Onlinehandel und dem starken Franken besonders unter Druck», wie Bolliger erklärte (siehe Interview).

Herbert Bolliger (63) übergibt im Dezember nach 13 Jahren an der Spitze das Zepter an Nachfolger Fabrice Zumbrunnen (47) und geht in Pension. «Nach dem turbulenten Jahr 2015 mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses war das Geschäftsjahr 2016 nicht weniger herausfordernd», bilanzierte Bolliger. Die Konsumenten hätten ein weiteres Mal von tieferen Preisen profitiert. Er rechnet 2017 mit anhaltendem Preisdruck und will das Ladennetz der Fachmärkte weiter überprüfen. Im Fall von Ex-Libris geht er von zusätzlichen Filialschliessungen aus. Neue Standorte sind hingegen in der Gesundheitssparte geplant.

(eme)

Umsatz der Migros-Gruppe im Jahr 2016 (Bild: Grafik: Martin Ludwig)

Umsatz der Migros-Gruppe im Jahr 2016 (Bild: Grafik: Martin Ludwig)

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