BILANZ: Negativzinsen bremsen LUKB

Im ersten Halbjahr hat die Luzerner Kantonalbank das Negativzinsumfeld zu spüren bekommen. Dies hat den Gewinn belastet. Aber nicht so stark wie befürchtet, erklärt LUKB-CEO Daniel Salzmann.

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LUKB-Chef Daniel Salzmann in seinem Büro in Luzern. (Bild: Manuela Jans)

LUKB-Chef Daniel Salzmann in seinem Büro in Luzern. (Bild: Manuela Jans)

Interview Roman Schenkel

Daniel Salzmann, Sie sind jetzt ein Jahr lang CEO der LUKB. Wie haben Sie das Jahr erlebt?

Salzmann: Es war ein spannendes, herausforderndes Jahr. Der Job gefällt mir sehr gut. Wir sind aktuell mitten in einer intensiven Arbeitsphase, der Überarbeitung der Strategie für die Periode 2016 bis 2020. Das ist eine ideale Situation für mich und auch die Geschäftsleitung. Wir können gemeinsam die Pflöcke für die nächsten fünf Jahre der LUKB ein­schlagen.

Herausfordernd war insbesondere das Marktumfeld. Die Negativzinsen machen sich bemerkbar. Wie stark ist die LUKB betroffen?

Daniel Salzmann: Die Negativzinsen üben einen starken Druck auf die Ertragskraft unserer Bank aus. Wir haben aber rechtzeitig Gegenmassnahmen ergriffen, um die negativen Effekte zu kompensieren. Das ist uns im ersten Semester 2015 grösstenteils auch gelungen. Unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen bin ich zufrieden mit den Halbjahreszahlen und danke den Mitarbeitenden für den grossen Einsatz, den sie geleistet haben. Es ist immerhin das zweithöchste Halbjahresergebnis, das die LUKB je erwirtschaftet hat. Anfang Februar 2015, anlässlich der Kommunikation unseres Jahresergebnisses 2014, waren wir noch deutlich pessimistischer.

Wie viel Geld hat die LUKB im ersten Semester dadurch verloren?

Salzmann: Unsere Absicherungskosten gegen steigende Zinsen haben die Erfolgsrechnung im ersten Semester mit rund 29 Millionen Franken belastet. Die LUKB hat sich wie viele andere Banken auch – gegen steigende Zinsen abgesichert. Insgesamt ging das Zinsergebnis um 10,5 Millionen Franken zurück. Sprich: Die Differenz, also rund 18,5 Millionen Franken, konnten wir mit verschiedenen Massnahmen kompensieren.

Welche Massnahmen sind das?

Salzmann: Das ist eine Fülle an taktischen Massnahmen wie beispielsweise Kostensenkungen oder Anpassungen des Zinsgefüges. Was natürlich auch geholfen hat, ist die erfreuliche Volumenentwicklung: Wir konnten die Ausleihungen bei konstanter Zinsmarge steigern, und auch die Nettoneugelder nahmen deutlich zu.

Geben Sie die negativen Zinsen nun weiter?

Salzmann: Für Privatkunden ist das absolut kein Thema. Für grössere Kunden, also Institutionelle oder grosse Firmenkunden, belasten wir vereinzelt negative Zinsen. Das sind momentan aber nur rund 20 Positionen. Wir suchen jeweils mit den Kunden eine individuelle Lösung. Dabei versuchen wir Negativzinsen zu vermeiden, was aber nicht immer mög­lich ist.

Wie reagieren diese Kunden?

Salzmann: Das hat sich eingespielt. Das Verständnis bei den professionellen Anlegern ist vorhanden. Sie kennen die Situation und die Zusammenhänge und wissen, wie das System funktioniert. Alle Banken verhalten sich derzeit ähnlich, es gibt keinen Marktteilnehmer, der das Negativzinsthema ignorieren könnte.

Die LUKB hat im ersten Semester sehr erfolgreich gehandelt. Der Handelserfolg war in den ersten sechs Monaten sehr stark. Woran lag das?

Salzmann: Das lag primär am Devisenhandel, wo nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses viel mehr Volatilität vorhanden war als im ersten Halbjahr 2014. Letztes Jahr gab es durch den Mindestkurs kaum Kursbewegungen bei den Devisen. Sobald Volatilität im Devisenhandel vorhanden ist, kann man auch Geld verdienen. Das hat die LUKB erfolgreich getan.

In den letzten Wochen war erneut viel Bewegung im Euro-Franken-Kurs. Was sind die Prognosen der LUKB beim Franken?

Salzmann: Prognosen sind schwierig. Wir sind der Ansicht, dass die Hoffnungen, der Euro tendiere in Richtung 1,10 Franken und bleibe dann auch dort, etwas zu optimistisch sind. Es kann zwar vereinzelt Ausschläge in diese Richtung geben, wir gehen aber davon aus, dass sich der Euro in einem Band zwischen 1.05 und 1.10 Franken bewegen wird. 1.10 ist zum aktuellen Zeitpunkt die obere Grenze.

Die Schweizer Banken müssen also weiterhin mit einem schwierigen Umfeld leben.

Salzmann: Auf jeden Fall. Es gibt keine Anzeichen, dass die Nationalbank in naher Zukunft die Negativzinsen wird aufheben können.