Euro
Billiger Euro: Schweizer stürmen deutsche Läden

Der Euro bewegt sich auf einem historischen Tief. Das lässt die Einkaufszentren in Süddeutschland jubilieren. Denn: Der Schweizer Einkaufstourismus hat wieder Hochkonjunktur.

Sven Zaugg und Vasilije Mustur
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Keystone

Der Rettungsschirm für den Euro lässt die Einheitswährung auf tiefem Niveau stabilisieren. Ein Problem für Schweizer Export und Tourismusbranche. Die grossen Profiteure sind die Detailhändler jenseits der Schweizer Grenzen, wie Recherchen von «a-z.ch» zeigen. Deutsche Detailhändler in der Grenzregion können sich dank dem tiefen Wechselkurs kaum vor Schweizer Konsumenten retten.

Das Einkaufszentrum «Lago» in Konstanz verzeichnet heute täglich gegen 23 000 Kunden. «Davon sind zwischen 20 bis 30 Prozent Schweizer», sagt Center-Manager Peter Hartmann. Dabei würden sich die Schweizer Konsumenten vor allem mit Drogerieartikel, Lebensmitteln oder Schuhen eindecken.

Neuer Schwung für Einkaufstourismus

Ende 2009 resümierte die Wirtschaft über eine Abnahme des Einkaufstourismus. Nachdem die Schweizer 2005 im Ausland noch Güter im Wert von 2,1 Milliarden Franken erstanden hatten, ging der Betrag bis Ende letzten Jahres auf 1,8 Milliarden zurück.

Zwar haben Coop und Migros laut «K-Tipp» auf den Markeintritt von Aldi und Lidl reagiert und ihre Preise für Produkte des täglichen Bedarfs in den letzten vier Jahren um 15 Prozent gesenkt. Dennoch scheint aufgrund des schwachen Euros der Gang ins nahe Ausland für Schweizer Konsument wieder an Attraktivität gewonnen zu haben, wie Recherchen von «a-z.ch» zeigen. (sza)

Hartmann stellt bei der Schweizer Kundschaft seit einem Jahr einen markanten Anstieg fest. Die Zahl der Schweizer habe um drei bis vier Prozent zugenommen, sagt er. Damit konnte das «Lago» in den letzten 12 Monaten über 11 000 neue Kunden aus der Schweiz für sich gewinnen.

Ansturm auf Einkaufstempel erwartet

Wie preisbewusst Schweizer Konsumenten in den letzten Jahren geworden sind, sei auch daran zu erkennen, dass sie sich vermehrt für das Mehrwertsteuer-Rückerstattungsformular interessierten. Damit wird den Schweizer Konsumenten die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent zurückerstattet. Hartmann kann sich durchaus vorstellen, dass der Ansturm auf seinen Einkaufstempel noch weiter zunehmen wird, sollte sich der Euro auf diesem tiefen Niveau stabilisieren.

Derweil klingeln auch im Rheincenter Weil am Rhein dank den Schweizern die Kassen. Zwischen 15 000 und 25 000 Kunden verzeichnet das Einkaufszentrum in der Nähe von Basel täglich. Davon stammen über 50 Prozent aus der Schweiz - und es werden täglich mehr, wie Center-Manager Günther Merz sagt.

«Bessere Konditionen gibt es nicht»

«Natürlich spielt uns der schwache Euro in die Hände», freut sich Merz. Die Zurückerstattung der Mehrwertsteuer sei ein Anreiz für die preisbewussten Schweizer, bestätigt er Aussagen von «Lago»-Center-Manager Hartmann. «Bessere Konditionen gibt es fast nicht.» Überdies sei die Nähe des Kantons Aargau zu Deutschland mitentscheidend für den Einkauf im Rheincenter.

Merz stellt auch fest, dass sich auch das Einkaufsverhalten der Schweizer verändert hat. Während sich die Schweizer Konsumenten den Einkaufswagen in der Vergangenheit primär mit Lebensmittel füllten, kauften sie heute vermehrt Textilien, Tierfutter, ja gar Tiere ein.