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Baarer Biotechpionier Biogen feiert sein 40-Jahr-Jubiläum in Luzern

Das international tätige Biotechunternehmen Biogen mit Sitz in Baar blickte gestern auf seine 40-jährige Geschichte zurück – und unterstrich seine Ziele für die Zukunft. Thema im KKL Luzern waren auch hohe Medikamentenpreise.
Livio Brandenberg
In Anwesenheit seiner Gründer blickte Biogen gestern im KKL auch auf sein 40-jähriges Bestehen zurück (v. l.): Alfred Sandrock (Chief Medical Officer), Charles Weissmann (Gründer), Phillip Sharp (Gründer) sowie Michel Vounatsos (CEO). (Bild: Manuela Jans)

In Anwesenheit seiner Gründer blickte Biogen gestern im KKL auch auf sein 40-jähriges Bestehen zurück (v. l.): Alfred Sandrock (Chief Medical Officer), Charles Weissmann (Gründer), Phillip Sharp (Gründer) sowie Michel Vounatsos (CEO). (Bild: Manuela Jans)

Das Wort «Pionier» fiel gestern auffällig oft im KKL Luzern. Im grossen Stil feierte das US-Biotechunternehmen Biogen sein 40-jähriges Bestehen. Mit dabei: die Co-Gründer Phillip Sharp – ein Nobelpreisträger in Physiologie oder Medizin – und der Schweizer Charles Weissmann, Erfinder eines Wirkstoffs gegen Hepatitis C. Sie waren Teil einer neunköpfigen Gruppe führender europäischer und amerikanischer Forscher im Bereich der Biotechnologie, die 1978 in Genf den Grundstein legten für den Aufstieg Biogens zu einem Marktführer (siehe Box).

Anfänge in Genf

Mit Standing Ovations wurden die Biogen-Mitgründer Phillip Sharp und Charles Weissmann im KKL auf der Bühne begrüsst. Die beiden Forscher waren dabei, als sich 1978 neun Wissenschafter in Genf trafen, um «einen Traum zu diskutieren, nämlich gentechnische Entwicklungen voranzutreiben», wie es Sharp, der 1993 den Nobelpreis für die Entdeckung von gespaltenen Genen erhielt, ausdrückte. Biogen wurde als holländische Firma gegründet und war eine der ersten Biotechfirmen überhaupt. Schon bald zeigten sich erste Erfolge in der Entwicklung von Impfstoffen gegen die viralen Erreger von Hepatitis B und der Maul- und Klauenseuche. Die Firma wurde in den Anfangsjahren ausschliesslich von Wissenschaftern geführt, doch das Modell funktionierte mehr schlecht als recht, dreimal stand Biogen kurz vor dem Bankrott. 1982 verlegte Biogen, inzwischen wurde ein Manager eingestellt, den Konzernhauptsitz nach Cambridge bei Boston. 1983 erfolgte der Börsengang. Der Durchbruch gelang in den 80er- und 90er-Jahren mit der Einführung von Leukämie- sowie Multiple-Sklerose-Wirkstoffen. Der heutige Konzern geht aus dem Unternehmen Biogen Idec hervor, wozu sich die Firmen Biogen und Idec Pharmaceuticals im Jahr 2003 zusammengeschlossen hatten. Seit 2015 firmiert das Unternehmen wieder weltweit unter dem Namen Biogen.

Biogen sei ein «Pionier der Neurowissenschaften gewesen seit Tag 1», fasste CEO Michel Vounatsos die Firmengeschichte zusammen und verwies darauf, dass Biogen bei der Gründung das einzige weltweite Biopharmaunternehmen gewesen sei, welches sich ausschliesslich den Neurowissenschaften widmete. Heute generiert der Konzern mit über 7500 Angestellten (600 davon in der Schweiz) gut 12 Milliarden US-Dollar Umsatz, exportiert seine Produkte in 105 Länder und gemäss eigenen ­Angaben wird über ein Drittel der Multiple-Sklerose-Patienten weltweit mit Biogen-Medikamenten behandelt.

Der Erfolg liege eben darin, dass Biogen von Beginn an auf wenige Anwendungsgebiete fokussiert habe und so zum führenden Anbieter von Medikamenten zur Behandlung von multipler Sklerose (MS) und Biosimilars (Generika von Biotech-Anwendungen) geworden sei, sagte Vounatsos weiter. Das Unternehmen ist heute weiter führend in der Behandlung von spinaler Muskelatrophie (SMA) und strebt laut dem CEO die Marktführerschaft in weiteren Neurobehandlungen bei Krankheiten wie Alzheimer, Demenz und Parkinson oder auch bei Schlaganfällen an.

Klares Bekenntnis zum Standort Schweiz

Der gestrige Tag bot Biogen die beste Gelegenheit, in die Vergangenheit, die Gegenwart und in die Zukunft zu blicken. Der Bezug des US-Konzerns zur Schweiz stand dabei mit im Zentrum, geht er doch auf die Gründung zurück. So steht auch der Firmenname für «Biological Geneva». Und obwohl Biogen Anfang der 80er-Jahre nach Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts umzog, blieb die Beziehung bestehen – ist inzwischen weiter vertieft worden: Seit 2004 ist der Sitz von Biogen International in Zug, vor ein paar Monaten erst zogen die gut 400 Mitarbeiter von der Stadt Zug nach Baar in das kürzlich fertiggestellte Geschäftshaus Quadrolith. Über den internationalen Hauptsitz – der Konzernsitz ist nach wie vor Cambridge nahe Boston – sollen die 21 Tochtergesellschaften in Europa und Kanada unterstützt und mit Vertriebspartnern rund um den Globus zusammengearbeitet werden. Und in Luterbach bei Solothurn baut Biogen für 1,5 Milliarden Franken eine hochmoderne biopharmazeutische Produktionsanlage, bis zu 600 Arbeitsplätze werden hier geschaffen. Vollends in Betrieb genommen werden könne der Komplex Ende 2020. Auf die Frage, warum die neue Fabrik gerade in der Schweiz gebaut werde und nicht in einem anderen Land, bekannte sich CEO Vounatsos erneut klar zum Standort Schweiz: «Es ist wichtig für uns, eine Produktionsanlage zu errichten, die hochqualitativ ist. Und hier haben wir alles gefunden, was wir brauchen.» Biogen sei stolz darauf, in der Schweiz stationiert zu sein und von hier aus die Welt zu beliefern. In Solothurn entstehe die «bisher innovativste Biopharmazie-Fabrik», die laut dem Unternehmen vollautomatisiert und rund vier Mal produktiver als bestehende Anlagen sei.

Neben den feierlichen Tönen – so etwa auch der Hinweis der Biogen-Führung auf die gut gefüllte Pipeline mit 15 laufenden oder bereits fortgeschrittenen Programmen – wurden gestern auch aktuelle Themen diskutiert. Angesprochen auf die Debatte über hohe Medikamentenpreise respektive die Transparenz bei deren Zustandekommen, meinte CEO Vounatsos, die Forderung nach Transparenz begrüsse Biogen. Er hoffe, die Gesellschaft werde Innovation weiterhin wertschätzen. Heute sei man bereit, für die Folgen von Krankheiten, sprich: Pflege, viel Geld zu zahlen. Doch man wisse heute auch, dass Verzögerungen bei der Entwicklung von Medikamenten schlussendlich Milliarden kosten würden.

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