100'000
Bis zu 100'000 Vollzeitstellen weniger per Ende Jahr

Die Zahl der Kurzarbeitenden hat sich seit März auf 80'000 verdoppelt. Jan-Egbert Sturm, Leiter der ETH-Konjunkturforschungsstelle, sagte gegenüber "Sonntag": " In der Schweiz werden bis Ende Jahr gegen 100'000 Vollzeitstellen wegfallen."

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Trotz steigender Arbeitslosigkeit rekrutieren Schweizer Unternehmen weiterhin Fachkräfte im Ausland. Der Grund: In der Schweiz werden zuwenig Akademiker ausgebildet, da der Zugang zu den Gymnasien bewusst tief gehalten wird. Das stösst zunehmend auf Kritik: "Zulassungsquoten zu den Mittelschulen sind Unsinn", sagte der Aargauer FDP-Nationalrat Philipp Müller im "Sonntag": Wenn wir sie abschaffen, brauchen wir weniger Hochqualifizierte aus dem Ausland." Um die Zuwanderung zu beschränken, will Müller bei den Sozialversicherungen ansetzen: "Unsere Sozialversicherungen sind viel zu attraktiv - vor allem die Arbeitslosenversicherung." Ferner müsse der Vollzug verschärft werden Müller: "Wer seinen Job kündigt und damit grobfahrlässig arbeitslos wird, dem sollte die Aufenthaltsbewilligung entzogen werden können."

Trotz der steigenden Arbeitslosigkeit importiert die Schweiz weiterhin eine hohe Zahl von Akademikern - denn die Schweizer Universitäten bildet zu wenig Leute aus. Von April 2008 bis April 2009 nahm die ständige ausländische Wohnbevölkerung aus den EU- und Efta-Staaten um 53000 Personen zu. 57 Prozent der erwebstätigen Einwanderer haben eine universitäre Ausbildung.
Gleichzeitig wird der Zugang an die Mittelschulen in der Schweiz zunehmend beschränkt: Der Kanton Zürich etwa hält die Maturquote mit einem vorgeschrieben Notenschnitt bei den Deutschaufsätzen zur Aufnahmeprüfung zwischen 3,3 und 3,8 bewusst tief. Politiker und Wissenschafter kritisieren diese Beschränkung: «Eine solche Zulassungsbeschränkung macht keinen Sinn», sagt Daniel Müller-Jentsch vom Think Tank Avenir Suisse. Die Schweiz nütze das vorhandene Potenzial nicht aus: «Wenn die Schweiz konsequent in die Bildung investieren würde, könnten an den Universitäten mehr eigene Leute ausgebildet werden.» Damit liesse sich auch die Einwanderung entschärfen.