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BITCOIN: Neues Geld kämpft um Akzeptanz

Der Online-Währung haftet ein dubioser Ruf an. Trotzdem geht die Stadt Zug in die Offensive und akzeptiert Bitcoins als Zahlungsmittel. Ist dies leichtsinnig oder eine vorbildliche Pioniertat?
Bild: Quelle plus500.ch / Grafik: Oliver Marx

Bild: Quelle plus500.ch / Grafik: Oliver Marx

Ernst Meier

Die Stadt Zug nimmt als erste Behörde weltweit die Internetwährung Bitcoin als Zahlung entgegen – die Meldung sorgte rund um den Globus für Schlagzeilen. Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller ist seit Bekanntgabe der News vor einer Woche ein gefragter Interviewpartner. Sogar TV-Stationen aus den USA und Japan meldeten sich bei ihm.

Bis anhin gilt Bitcoin als Währung für Computerfreaks. Es sind die sogenannten «Nerds» – mässig sozialisierte PC-Spezialisten, die mit Pizza und Cola stundenlang vor dem Bildschirm sitzen, gamen, chatten, surfen oder Programmzeilen tippen –, welche die Kryptowährung als Zahlungsmittel in ihrem abgeschlossenen Kosmos nutzen. Bitcoin wurde auch in Verbindung mit Geldwäscherei, Spekulanten oder Drogenhändlern gebracht. Zunehmend findet Bitcoin aber in der traditionellen Finanzwelt Beachtung. Die Stadt Zug macht hier einen weiteren Schritt. Auch wenn dieser nur klein ist: Bitcoin-Zahlungen sind auf maximal 200 Franken beschränkt. Die Steuerrechnung muss also weiter in Franken entrichtet werden.

Bitcoin und andere Kryptowährungen basieren auf der Blockchain-Technologie. Darunter versteht man ein weltumspannendes unveränderbares Register für alle Arten von Transaktionen und Daten, die auf dezentralen Computern gespeichert sind. Die Technologie gilt als der Schlüssel für die Wirtschaft der Zukunft. Start-up-Unternehmen, aber auch altbewährte Firmen arbeiten an Angeboten und Dienstleistungen, die durch Blockchain-Technologie revolutioniert werden. So wie Uber die Taxibranche umkrempelt oder AirBnB die traditionelle Hotellerie verändert, so soll dank Blockchain auch in anderen Bereichen die Funktionen einer «Drittperson als Vermittler» überflüssig werden: Mit dem Bitcoin braucht es keine Bank mehr für den Zahlungsverkehr, ähnlich könnten dereinst auch Notariats- oder Grundbuchdienstleistungen neu definiert werden.

Crypto Valley Zug

Dem Kanton Zug kommt in der Entwicklung von Bitcoin eine bedeutende Rolle zu. An der Lättichstrasse 1 in Baar trifft man einen der Branchenpioniere. Der Däne Niklas Nikolajsen hat vor drei Jahren die Bitcoin Suisse AG gegründet. Er ist überzeugt: «Blockchain-Technologien und Kryptowährungen werden das internationale Geldsystem revolutionieren.» Laut Nikolajsen stehe die Branche dort, «wo das Internet vor 25 Jahren stand.» Zehn Mitarbeiter zählt Bitcoin Suisse. Sie bietet Dienstleistungen rund um die digitale Währung an: Kauf und Verkauf von Bitcoins, Beratung, Training und Seminare. Stolz ist man bei Bitcoin Suisse auf die eigenen «Bancomat-Appa­rate». In sechs Schweizer Städten sind diese aufgestellt und ermöglichen die Umwandlung von Bitcoin in Schweizer Franken sowie deren Auszahlung – und umgekehrt.

Bitcoin Suisse ist nur ein Player der Branche, die sich innert dreier Jahre in Zug ausgebreitet hat. Im Umkreis von wenigen Kilometern findet man über 15 Unternehmen, die sich mit Kryptowährungen und Blockchain-Technologien beschäftigen. Sie heissen Crypto (Sicherheitslösungen), Monetas (Transaktionsplattform), Xapo (Speicherverwaltung) oder Ethereum (Blockchain-Entwickler). Man spricht bereits vom Crypto Valley Zug – in Anlehnung ans Silicon Valley, das Weltkonzerne wie Apple oder ­Google beheimatet. In Zug zu Hause ist auch der 22-jährige Vitalik Buterin. Der sagenumwobene Russe wird als Wunderkind der Branche verehrt. Buterin plant mit seiner Firma Ethereum «eine digitale Revolution, welche die Bankenwelt für immer verändern wird», wie es heisst.

Regierung sieht hohes Potenzial

Wie wichtig die Branche für Zug ist, lässt sich von der Regierung nicht erfahren. «Es gibt dazu noch keine Erhebungen, entsprechend kann das Cluster nicht quantifiziert werden», sagt Regierungsrat Matthias Michel. Er verweist aber auf die Dichte und Qualität der ansässigen Unternehmen sowie die weltweite mediale Beachtung. «Dies zeigt, dass sich hier ein Cluster entwickelt mit hohem Potenzial», ist der Volkswirtschaftsdirektor überzeugt. Hinsichtlich Standortförderung sagt Michel: «Wir wenden keine finanziellen Mittel dafür auf; weder direkt noch durch Steuerermässigungen.» Die Wirtschaftspolitik des Kantons sei auf die Bereitstellung von guten allgemeinen Rahmenbedingungen (Ausbildung, Steuermodell, Verfügbarkeit der Arbeitskräfte, Infrastruktur usw.) fokussiert. Laut Michel sei für die Blockchain-Firmen die Nähe zu Finanzdienstleistern und Informatikfirmen sowie entsprechenden Ausbildungszentren wichtig. «Beide sind im Wirtschaftsraum Zug stark vertreten.»

Nicolai Oster, Betriebsleiter bei Bitcoin Suisse, erklärt die Vorzüge von Zug wie folgt: «Wir schätzen die Stabilität und die Sicherheit, die der Standort bietet.» Besonders in der noch jungen Blockchain-Branche sei dies wichtig. Was bietet Zug, was das Silicon Valley nicht hat? «Rechtssicherheit», ist Oster überzeugt. Obwohl man auch in der Schweiz durch die Finanzmarktaufsichtsbehörde kontrolliert werde, so sei die Gefahr in den USA grösser, dass die Regierung plötzlich komme und die Branche mit neuen Gesetzen einschränke.

Volles Vertrauen ist noch nicht da

Ob Bitcoin wirklich eine Zukunft hat, wird in der Finanzwelt vielerorts angezweifelt. «Geld muss drei Funktionen erfüllen», erklärt Felix Adam, Währungsexperte bei ACT Currency in Zürich. «Zahlungsmittel, Messinstrument und Wertaufbewahrungsmittel.» Die beiden letzten Kriterien erfülle Bitcoin derzeit nicht. Gerade die Kursschwankungen seien noch zu gross (siehe Grafik).

Ausserhalb der Nerd-Szene ist das Vertrauen in Bitcoin nicht sehr gross. Die digitale Währung sorgt seit ihrer «Geburt» Ende 2008 immer wieder für Aufsehen. Mehrmals gelang es Kriminellen, Bitcoins von Computern zu stehlen und anonym in Umlauf zu bringen. Der grösste Bitcoin-Handelsplatz Mt. Gox musste 2014 nach Manipulationen und verlorenen Bitcoins gar geschlossen werden. Als «Anfangsschwierigkeiten» bezeichnet man dies in der Zuger Bitcoin-Szene, denn man stehe erst am Anfang «einer Währungsrevolution», wie es bei Bitcoin Suisse überzeugt tönt.

Geschaffen durch Computer

Kryptowährungeme. Bitcoin ist eine Währung, die es nur in digitaler Form gibt – also als Computer-Code oder, noch tiefer: als Abfolge von Bits und Bytes. Bitcoin wird als Internetwährung bezeichnet, weil zur Überweisung von einem Konto auf ein anderes das World Wide Web benutzt wird. Während Notengeld gedruckt oder Gold geschürft wird, entstehen Bitcoins durch Computerberechnungen. Diese Daten gelten dank Verschlüsselungstechnik als fälschungssicher und geschützt. Eine zentrale Instanz – zum Beispiel eine Notenbank –, welche die Währung schafft oder mit ihr handelt, gibt es nicht. Alle Zahlungen erfolgen anonym von Computer zu Computer, ohne Bank. Jeder, der ein virtuelles Bitcoin-Konto hat, ist Teil des Netzwerkes.

Anzahl Bitcoins ist beschränkt

Den Marktwert von Bitcoins bestimmen Angebot und Nachfrage. Zurzeit sind gegen 15 Millionen Bitcoins im Umlauf. Dies entspricht in etwa 7 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Notenumlauf der Schweizerischen Nationalbank wurde 2015 mit rund 67 Milliarden Franken beziffert. Eine interessante Eigenart von Bitcoin: Bei 21 Millionen Stück soll Schluss sein. So hat es die Gründergemeinde in ihren Programmcodes festgelegt. Durch die Endlichkeit unterscheidet sich die Kryptowährung von einer Notenpresse oder einem Schneeballsystem.

Im Lättich in Baar ist die Firma Bitcoin Suisse zu Hause. Im Bild Betriebsleiter Nicolai Oster (links) und Technologie-Chef Christian Holm. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Im Lättich in Baar ist die Firma Bitcoin Suisse zu Hause. Im Bild Betriebsleiter Nicolai Oster (links) und Technologie-Chef Christian Holm. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

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