Krankenkassen

Bitteres Nachspiel: Kolping behält sich rechtliche Schritte gegen Ex-Chef vor

Der Verwaltungsrat der Krankenkasse erwägt sich juristische Masnahmen gegen den Ex-Chef Philippe Signer.

Roman Seiler
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KEYSTONE

Der Mann gilt als alter Hase in der Branche. Heute ist Philippe Signer Regionenleiter Ost bei der Visana. Bekannt wurde der heute 62-Jährige als Konzernleitungsmitglied bei einem der Branchenleader, dem Krankenversicherer Helsana. Im Frühjahr 2013 schaffte es Signer ganz an die Spitze einer kleinen Krankenkasse: Er wurde Chef der Kolping mit 20'625 Grundversicherten. Das Gastspiel bei den Dübendorfern endete jedoch im vergangenen Oktober abrupt. Auf eigenen Wunsch verlasse Signer die Kolping per sofort, hiess es damals zum Abgang des Chefs von beiden Seiten.

Scharfes Geschütz aufgefahren

Rückblickend ist klar: Das war wohl eine nette Umschreibung der schnellen Trennung. Denn jetzt bestätigt Signers Nachfolger bei der Kolping Krankenkasse, Martin Leutenegger: «Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung vom 21. Juni, Philippe Signer die Entlastung nicht zu erteilen.» Der Antrag auf Verweigerung der Décharge bedeutet im Klartext: Der Verwaltungsrat behält sich auch alle rechtlichen Schritte gegen ihren Ex-Chef vor. Signer sagt dazu auf Anfrage dieser Zeitung: «Was das bedeutet, ist offen. Mit dem Abschluss 2015 hatte ich nichts mehr zu tun.»

Bei der Kolping lief unter Signers Führung einiges aus dem Ruder. Die Kasse mit noch rund 17 000 Grundversicherten schrieb im vergangenen Jahr einen Verlust von 7,4 Millionen Franken, davon 6,9 Millionen in der obligatorischen Krankenversicherung. Das hatte zur Folge, dass das Eigenkapital in diesem Geschäft um mehr als die Hälfte auf noch 6,4 Millionen Franken schrumpfte.

Sonderuntersuchung durchgeführt

Das für die Aufsicht über die Grundversicherer zuständige Bundesamt für Gesundheit (BAG) führte im vergangenen Herbst bei der Kolping eine Sonderuntersuchung durch, weil die Kolping Rechnungen von Spitälern nur schleppend bezahlt hatte. Dafür wurden zu tiefe Rückstellungen gebildet. Daher kam es nach einem Gewinn im Vorjahr von 5,7 Millionen Franken zum Verlust im Geschäftsjahr 2015.

Die gesetzlich vorgeschriebenen Reserven in der Grundversicherung beliefen sich aber bereits im Januar vor einem Jahr auf lediglich 75 Prozent der gesetzlich vorgeschriebenen Mindesthöhe. Wegen dieser Schieflage mussten sich die Kolping-Chefs einen Partner suchen. Sie wollen sich nun von Sympany mit 163 000 Grundversicherten übernehmen lassen. Dies wurde im Mai bekannt gegeben.

Jetzt zeigt sich: Die Basler Kasse erbt noch eine weitere Altlast aus der Ära Signer. Die Kolping führt Provisionen an Vermittler für Abschlüsse von Zusatzversicherungen im Wert von 2,15 Millionen Franken in der Bilanz auf. Insgesamt waren es gar 2,71 Millionen Franken, die aktiviert worden sind.

Hohe Provisionen ausgewiesen

Ende 2015 wurden davon 563 00 Franken abgeschrieben, wie im Geschäftsbericht vermerkt ist. Dazu sagt Leutenegger: «Wir haben uns entschlossen, die Abschlusskosten für Mehrjahresverträge über die Laufzeit von drei bis fünf Jahren abzuschreiben.» Das belastet die Erfolgsrechnung während dieser Zeit alljährlich um mehrere 100 00 Franken. Signer sagt dazu: «Der Verwaltungsrat gab mir den Auftrag, eine Wachstumsstrategie zu fahren. Der Hintergrund dieser Übung: Zwischen 2013 und 2015 erhöhte sich der Bestand an Zusatzversicherten um rund 2000 auf gegen 22 00. Dieses Wachstum erkaufte sich Signer offenbar mit sehr hohen Provisionen an Vermittler. Gemäss Informationen der «Nordwestschweiz» finanzierte er diesen teilweise auch von windigen Telefonberatern aus dem Ausland angebahnte Gesprächstermine mit potenziellen Kassenwechslern.

Nun gehen die neuen Kolping-Chefs vom Gaspedal. Sie arbeiteten nun mit deutlich weniger Vermittlern zusammen, sagt Martin Leutenegger: «Zudem zahlen wir nicht mehr so hohe Provisionen wie in der Vergangenheit.» Für die Kolping dürften nur noch Vermittler arbeiten, die von der Finanzmarktaufsicht zertifiziert worden sind. Auch das ist ein Tolggen im Reinheft von Signer.

Der hohe Lohn des Ex-Chefs

Dafür war er gut bezahlt. Sein Jahressalär soll sich auf 300 000 Franken belaufen haben. Dies will Signer weder dementieren noch kommentieren. Nachfolger Leutenegger sagt: «Wie das Krankenversicherungsaufsichtsgesetz verlangt, legen wir die Löhne der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats erstmals im Geschäftsbericht 2016 offen.»