Die Rabattschlacht erreicht die Immobilienbranche

Mieterlass, Geld für die Umzugskosten. Auch Wohnungsvermieter in der Zentralschweiz springen auf den Black-Friday-Zug auf. Ein Experte sieht dies kritisch.

Christopher Gilb
Hören
Drucken
Teilen
Die Überbauung Therma 31 in Sursee: Mit einem «Black-Friday-Deal» werden potenzielle Mieter umworben. (Bild: Dominik Wunderli, Sursee, 27. November 2019)

Die Überbauung Therma 31 in Sursee: Mit einem «Black-Friday-Deal» werden potenzielle Mieter umworben. (Bild: Dominik Wunderli, Sursee, 27. November 2019)

Einem Leser ist es gleich am Montag ins Auge gestochen: «Heute in einem Bus in Sursee gesehen: Ein Plakat mit Werbung für neu erstellte Mietwohnungen in der Nähe des Bahnhofs, und zwar ein Black-Friday-Angebot», schreibt er. In Aussicht gestellt würden Neumietern 3000 Franken an die Umzugskosten.

Das besagte Plakat stammt vom Immobiliendienstleister Privera und bezieht sich auf die Surseer Überbauung Therma 31. «Ab dem 25. November werden bei ausgewählten Wohnungen an Neumieter Mietzinsreduktionen und Gutscheine vergeben», heisst es in der Mitteilung zur Aktion. Diese wird bereits im zweiten Jahr durchgeführt. Genaue Zahlen, ob die Vermietungsquote letztes Jahr gestiegen sei, könnten sie nicht nennen, teilt Privera-Sprecherin Katharina Bornhauser mit. «Wir können jedoch klar sagen, dass die Aktion positiv für die Vermietung gewirkt hat.» Sie habe Aufmerksamkeit generiert.

«Zu viel auf Halde gebaut»

Doch nicht nur Privera setzt auf den bevorstehenden Schnäppchentag, auch Helvetia lockt erstmals mit einem «Black Friday Special». «Drei Monate gratis wohnen», lautet hier das ­Angebot. Es bezieht sich auf ­inserierte Wohnungen in verschiedenen Regionen, darunter auch in Kriens. Wohnungsvermietung und Black Friday – dar­in sieht ein Branchenkenner, der lieber nicht namentlich genannt werden möchte, ein Warnsignal. Es scheine, dass die ersten Vermieter anfangen würden zu verzweifeln. Für die Branche sei das auch nicht gut, zeige es doch, dass aufgrund des Anlagenotstandes zu viel auf Halde gebaut werde.

Bekannt ist, dass Pensionskassen, Versicherungen und vermögende Privatleute trotz regional steigender Leerstandsquoten nach wie vor ihr Heil im Mietimmobiliengeschäft suchen, da dort unter dem Strich immer noch mehr Rendite als mit mancher Anlagealternative herausschaut. Auf die Frage, wo die Aktion durchgeführt werde, schreibt denn auch die Helvetia: «In Regionen, in denen der Leerstand gross ist.»

Unterstützung beim Umzug ist gefragt

In einer Masterarbeit der Zürcher Hochschule für Wirtschaft gingen die Autoren der Frage nach, ob solche Anreize überhaupt einen Einfluss auf den Entscheid der potenziellen Mieter haben. Das Fazit ihrer Online-Umfrage mit 370 Teilnehmern ist, dass gerade die monetäre und organisatorische Unterstützung beim Umzug unter den potenziellen Anreizen am attraktivsten gefunden wird. Doch bergen solche Angebote nicht das Risiko, dass vor lauter Preisnachlässen die Vermietung zum Verlustgeschäft wird? Das sei auch eine Frage der Verbuchung, sagt Robert Weinert, Leiter des Immo-Monitorings von Wüest Partner. «Eine finanzielle Unterstützung beim Umzug wird über die Kosten abgebucht und hat keinen Einfluss auf den Wert der Liegenschaft, eine Mietzinsreduktion hingegen schon.» Auch Weinert sieht die Leerstände als Auslöser von Rabattaktionen. «Da können solche Angebote durchaus das Zünglein an der Waage sein.»

Zurück zur Überbauung Therma 31 in Sursee. Gemäss der Webseite des Projekts waren die Wohnungen dort ab März und Juni 2019 bezugsbereit. Wie viele davon sind noch frei? Laut Privera von den 80 Wohnungen noch 19. «Wir haben regelmässig Interessentinnen und Interessenten und Besichtigungen vor Ort», schreibt Konzernsprecherin Katharina Bornhauser. «Wir sind daher mit der Situation zufrieden.»

Nun nähere man sich der Weihnachtszeit, die hinsichtlich Vermietung und Wohnungswechsel eher ruhig sei. «Wir wollen hier kurzentschlossenen Wohnungssuchenden gute Anreize bieten und sie auch in dieser Zeit ansprechen.»

WOHNEN: Vermieter locken mit Geschenken

Weil immer mehr Wohnungen leer stehen, werden Vermieter grosszügig. Sie erlassen neuen Mietern zum Beispiel erste Monatszinse oder Parkplatzmieten. Doch längst nicht alle Immobilienbesitzer müssen Geschenke verteilen.
Rainer Rickenbach