Black Friday
«Preisreduktionen werden vorgegaukelt» warnt der Konsumentenschutz – mit diesen Tipps entkommen Sie der Schnäppli-Falle

Der Black Friday gilt als Shoppingtag, der die Konsumentinnen und Konsumenten mit grosszügigen Rabatten beglückt. Doch was steckt wirklich dahinter? Wie durchschaut man Black-Friday-Deals? Und wie kann man nachhaltig einkaufen?

Jolanda Riedener
Drucken
Teilen
Nicht alles, was mit Black Friday beschriftet ist, wird tatsächlich günstiger angeboten.

Nicht alles, was mit Black Friday beschriftet ist, wird tatsächlich günstiger angeboten.

Bild: Keystone

Mit dem Black Friday startet hierzulande das Weihnachtsgeschäft und damit die umsatzstärkste Zeit im Detailhandel. Geschäfte werben Kundinnen und Kunden an diesem Tag mit Rabatten an. Der Brauch kommt aus den USA, wo der Freitag nach Thanksgiving für viele ein Brückentag ist, den sie für Weihnachtseinkäufe nutzen. Thanksgiving wird immer am letzten Donnerstag im November begangen. Mittlerweile hat sich der Shoppingtag auch in unseren Breitengraden etabliert.

Doch auch Kritik an diesem Konsumrausch wird immer lauter: Der unnötige Kauf von Elektroartikeln und Kleidung sei alles andere als nachhaltig und helfe nicht, Ressourcen und die Umwelt zu schonen.

Preisreduktionen werden oft nur vorgegaukelt

«Black Friday ist vor allem ein Hype, der Preisreduktionen auf sehr breiter Front vorgaukelt», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes.

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS).

Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Es habe den Anschein, dass an diesem Tag alles sehr günstig sei. Es bestünden aber grosse Zweifel, ob die Preise tatsächlich überall tiefer seien. Immer wieder werde mit Black-Friday-Deals eine grosse Preisreduktion nur vorgegaukelt: «Zum Beispiel, indem man einige Wochen davor die Preise erhöht», sagt Stalder. Nur, um bei den Konsumentinnen und Konsumenten dann am Black Friday den Anschein zu erwecken, ein Schnäppli zu machen.

Ein Hype, den Unternehmen befeuern

Rentiert der Black Friday überhaupt für die Detailhändler? Sara Stalder sagt, dass es generell kaum in einem anderen Land so viele Aktionen und Rabattschlachten gebe wie in der Schweiz. Das habe mit der Hochpreisinsel Schweiz zu tun: Hierzulande seien die Preise schon sehr hoch. Besser für die Konsumentinnen und Konsumenten wäre es aber, wenn das Preisniveau für importierte Produkte generell deutlich tiefer wäre und es dafür weniger Aktionen geben würde.

Black Friday sei vor allem darum ein Erfolg, weil «extrem gutes Marketing, eine geballte Ladung an sogenannten Aktionen und ein Hype um diesen Tag zusammenspielen». Unternehmen würden diesen Hype befeuern. Mittlerweile könnten sie sich dem aber kaum entziehen, auch da die Kunden extra auf diesen Tag warten, um ihre Einkaufe zu tätigen. Aber auch auf Anbieterseite sei man gespalten, es gebe immer solche, die dabei nicht mehr mitmachen wollten. Stalder sagt:

«Doch die Geister, die sie riefen, werden sie nun kaum wieder los.»

Den Konsumentinnen und Konsumenten empfiehlt Sara Stalder: «Bereiten Sie sich mit einer klassischen Einkaufsliste vor. Finden Sie ein Schnäppli, das Sie nicht auf Ihrer Wunschliste haben, dann behalten Sie einen kühlen Kopf, atmen Sie durch und fragen Sie sich: ‹Brauche ich das wirklich?›» Denn alles, was man auf Vorrat kaufe, schade dem Portemonnaie und auch der Umwelt. «Lassen Sie sich nicht zu Schnäpplikäufen verleiten, die Sie später bereuen», sagt Stalder. Falls man etwas Bestimmtes kaufen wolle, solle man den Preis bereits Wochen vorher beobachten und prüfen, ob es beim Artikel tatsächlich eine Preisreduktion gebe.

So kommen Sie ohne Reue durch die Rabattschlacht

Die Stiftung Konsumentenschutz hat in einem Ratgeber weitere Tipps zusammengestellt, wie man Shoppingfallen und unnötige Käufe umgehen kann.

  • Einkaufsliste schreiben und Budget festlegen: Lassen Sie sich nicht mit hohen Rabatten zu überflüssigen Käufen verleiten. 
  • Cool bleiben: Zeitlich begrenzte Rabatte können einen inneren Kaufzwang auslösen. Lassen Sie sich nicht durch Hinweise wie «nur noch wenige verfügbar» unter Druck setzen.
  • Preise vergleichen: Rabatte beziehen sich oft nicht auf den vorhergehenden Marktpreis, sondern auf unverbindliche Preisempfehlungen des Herstellers. Vergleichen Sie den Preis des Produkts mit anderen Händlern oder auf Plattformen wie Comparis. Das gilt auch bei der «Tiefpreisgarantie».
  • Unseriöse, verdächtige Onlineshops meiden: Seien Sie besonders vorsichtig bei Onlineshops. Wenn Sie mit Vorauskasse oder Kreditkarte bezahlen können, gilt es, den Anbieter genau zu prüfen.
  • Rabattlabels misstrauisch beurteilen: Nur weil Produkte ein Black-Friday-Label tragen, heisst das nicht, dass sie auch vergünstigt wurden. Klären Sie vor dem Kauf ab, ob es auch tatsächlich einen Rabatt auf ihren Artikel gibt.

Gegenbewegung: Rabattschlachten schaden dem Klima

Kritik am Detailhandel übt Barbara Wegmann, Campaignerin Zero Waste bei Greenpeace in Zürich. Sie könne es nicht nachvollziehen, dass sich Unternehmen am Black-Friday-Hype beteiligten: «Sie heizen mit solchen Aktionen die Wegwerfmentalität in der Gesellschaft weiter an.» Überkonsum schade dem Klima, der Biodiversität und gehe oft mit sozialer Ausbeutung einher. Sie sagt:

«Detailhändler widersprechen ihren Nachhaltigkeitsversprechen damit diametral.»

Welche ökologischen Alternativen gibt es, wenn man sich etwas Neues leisten will? Gemäss Wegmann hat jedes neue Produkt ökologische Auswirkungen. «Nichts oder gebraucht zu kaufen ist daher immer die bessere Lösung.»

Barbara Wegmann, Campaignerin Zero Waste, Greenpeace.

Barbara Wegmann, Campaignerin Zero Waste, Greenpeace.

Bild: PD

In der Schweiz bestehe ein grosser Secondhand-Markt, wo man fast alles zu günstigen Preisen finde. Andererseits gebe es oft auch kleinere Anbieter, die bei ihren Rohstoffen und Produktionsweisen auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit achten. Um den Black-Friday-Angeboten zu widerstehen, gibt Barbara Wegmann folgende Tipps:

  • Vermeiden Sie Werbung so gut wie möglich: Benutzen Sie online Adblocker oder montieren Sie zum Beispiel einen «Bitte keine Werbung»-Kleber am Briefkasten.
  • Machen Sie sich bewusst, dass man am meisten spart, indem man nichts kauft.
  • Überlegen Sie sich vor einem Kauf: Brauche ich das? Habe ich schon etwas, das den gleichen Zweck erfüllt? Würde ich es mir auch zum regulären Preis kaufen oder kaufe ich es nur wegen des Rabatts?
  • Organisieren Sie stattdessen einen alternativen Black Friday (Buy Nothing Day) mit Freunden. Treffen Sie sich zum gemeinsamen Ausmisten, veranstalten Sie Tauschpartys oder verkaufen Sie gemeinsam aussortierte Gegenstände. «Diese gemeinsam verbrachte Zeit bringt länger andauernde Freude als ein Neukauf.»

Umweltschützer fordern Abschaffung des Black Friday

Die Entwicklungsorganisation Solidar Suisse fordert mit einer Petition sogar die Abschaffung des Black Friday. Solche Rabattschlachten würden den unverhältnismässigen und unüberlegten Überkonsum fördern, heisst es in einer Mitteilung der Organisation.

Und weiter: «Mit dieser Petition fordern wir vom Schweizer Detailhandel, in Zukunft auf die unzeitgemässen Konsumorgien zu verzichten.» Davon würde die ganze Welt profitieren. Denn die Tiefstpreise an Black Friday würden auch auf Kosten von fairen und existenzsicherenden Löhnen für Millionen arbeitende Menschen in armen Weltregionen gehen.

Aktuelle Nachrichten