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BLOCKCHAIN: «Die Arbeitsverteilung wird sich ändern»

Fachleute sehen in der digitalen Technologie die nächste Revolution. Speziell die Finanzbranche setzt auf die Blockchain. Im Interview spricht der UBS-Technologie-Chef über die Zukunft der neuen Technik.
Interview Ernst Meier
Das Wort «Eurokurs» ist das meistgegoogelte Wort 2015 in der Schweiz. (Symbolbild Keystone)

Das Wort «Eurokurs» ist das meistgegoogelte Wort 2015 in der Schweiz. (Symbolbild Keystone)

Interview Ernst Meier

Wie erklären Sie jemandem, der noch keine Ahnung hat, möglichst einfach, was Blockchain ist?

Stefan Marzohl: Die Blockchain ist eine Art Logbuch, welches alle Transaktionen und Informationen dazu chronologisch aufbewahrt. Jede Seite (Block) des Logbuchs wird kryptografisch – also verschlüsselt – versiegelt und an die vorangegangene Seite ebenfalls kryptografisch gekettet (Chain). So gehen keine Informationen verloren, und Einträge können nicht mehr verändert werden. Das Logbuch wird auf vielen Systemen geführt und jeweils abgeglichen. Das Logbuch als Ganzes, respektive die Blockchain, kann nicht vernichtet werden.

Das Thema Blockchain ist derzeit in aller Munde. Erleben wir eine Revolution, oder ist das Ganze nur ein Hype?

Marzohl: Wir denken, dass Blockchain potenziell eine wichtige transformative Technologie ist, die unsere Welt in den nächsten zwanzig Jahren ähnlich prägen wird wie das Internet über die letzten zwanzig Jahre.

Was bringt die Blockchain denn so Revolutionäres?

Marzohl: Grundsätzlich bringt die Blockchain-Technologie interessante Funktionalitäten in den Bereichen der Unwiderrufbarkeit von Änderungen digitaler Vermögenswerte, verteilter Verarbeitung und darauf basierender Zusammenarbeitsmöglichkeiten.

Weshalb interessiert sich die UBS so stark für Blockchain?

Marzohl: Die Blockchain-Technologie kann für Dienste zum Einsatz kommen, welche für ein Finanzsystem wesentlich sind. Blockchains können diese besser und effizienter nutzen als heutige Tools. Zum einen erstellt Blockchain funktionsfähige und dezentrale Datensätze von Transaktionen, welche die Substitution einer grossen Anzahl proprietärer Datenbanken mit einer einzelnen und unverletzbaren Datenbank erlaubt. Dies könnte zu einer radikalen Vereinfachung und Kostenreduktion für grosse Teile des Finanzsystems und der Bankenwelt führen. Zudem gilt die Technik als sicher und zuverlässig.

Angewendet wird die Blockchain-Technik auch in Kryptowährungen wie Bitcoin. Setzt die UBS auf das neue Zahlungsmittel?

Marzohl: Nein, wir sind nicht so sehr interessiert an Kryptowährungen, sondern vielmehr an den Möglichkeiten der zu Grunde liegenden Technologie Blockchain.

Wo wendet die UBS die Blockchain-Technologie denn bereits an?

Marzohl: Derzeit hauptsächlich in unserem Labor in London, wo wir Blockchain und deren mögliche Anwendungen erforschen. Im letzten Jahr haben wir das Blockchain-Programm «Crypto 2.0 Pathfinder» gestartet. Uns ist wichtig, dass sich unsere Spezialisten mit Fachleuten aus der Welt der Finanztechnik austauschen können. Die UBS interessiert vor allem die Bereiche Bezahlungs- und Handelssysteme sowie Smart Bonds. Bereits sind durch das Labor in London erste Prototypen von Anwendungen mit Blockchain-Technologie – sogenannte Proof of Concepts – entstanden. So zum Beispiel Smart Bonds; das sind so etwas wie vollautomatisierte Anleihen.

In welchen Branchen wird sich die Blockchain-Technologie durchsetzen? Wo macht die Technik im Alltag Sinn?

Marzohl: Blockchain kann in allen Gebieten, wo es darum geht, Transaktionen oder Listen zu schützen, zum Einsatz kommen. Im Alltag könnte die Technologie beim Verkauf oder der Übertragung von Immobilien, Kunstwerken, Steuerdokumenten etc. Sinn machen – und sich sehr wohl auch durchsetzen. Wir sehen natürlich grosse Möglichkeiten im Finanzsektor; zuerst unter den Instituten und dann möglicherweise auch für un­sere Endkunden.

Durch die Blockchain fallen Dienste von Dritten – Bankmitarbeitern, Staatsbehörden, Notaren etc. – weg. Gefährdet die Blockchain-Technolgie nicht das Geschäftsmodell von Banken oder anderen Dienstleistungsunternehmen?

Marzohl: Es ist uns natürlich sehr wohl bewusst, dass die Blockchain viele unserer Geschäftsmodelle verändern könnte. Es ist aber kein Geheimnis, dass sich die Bankenindustrie einer Reihe von sehr schwierigen Herausforderungen stellen muss. Schon lange vor Blockchain gab es die Tendenz, solche Dienste zu vereinfachen. Es wäre unklug, wenn wir uns Blockchain verschliessen würden, denn die Technologie kann es ermöglichen, signifikant Kosten zu sparen und Effizienz zu gewinnen. Blockchain wird es aber auch ermöglichen, verbesserte und radikal veränderte Geschäftsmodelle zu realisieren. Das macht es umso interes­santer für uns.

Sind durch die Blockchain-Technologie nicht Tausende von Jobs gefährdet?

Marzohl: Sicher erlaubt die Blockchain-Technologie Kostenersparnisse und Effizienzgewinne. Dies gibt uns aber neue Möglichkeiten, unsere Geschäftsbereiche zu erweitern. Die Arbeitsverteilung wird sich verändern. Wenn durch neue Technologien Jobs wegfallen, entstehen auch neue Tätigkeiten.

Es gibt weder eine Drittautorität noch eine Aufsichtsbehörde oder sonst wie Regulatorien für Blockchains. Wieso soll man der neuen Technologie trauen?

Marzohl: Das ist gerade das Interes­sante an der Blockchain. Durch die Benutzung der Masse und der eingesetzten Krypto-Technik ist die Technologie in sich sehr sicher. Regulatorische Auflagen können durch Smart Contracts direkt in Blockchains integriert werden. Das würde einer Aufsichtsbehörde eine Echtzeitsicht auf die Transaktionen ermöglichen. Über die Smart-Contract-Funktion kann Blockchain auf viele solcher Auflagen und Regeln angepasst werden.

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