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Kommt jetzt die Blockchain-Revolution? Schweizer Banken winken ab

In einer Umfrage der Schweizerischen Nationalbank zeigt sich: Die Schweizer Banken erwarten keine Blockchain-Revolution im Finanzsektor.
Niklaus Vontobel
Trotz Hype um die Blockchain halten Schweizer Banken die Technologien für unbedeutend. Im Bild ist ein Podium von der «Crypto Valley Conference on Blockchain Technology» in Zug. (Bild: Dominik Wunderli, 25. 6 2019)

Trotz Hype um die Blockchain halten Schweizer Banken die Technologien für unbedeutend. Im Bild ist ein Podium von der «Crypto Valley Conference on Blockchain Technology» in Zug. (Bild: Dominik Wunderli, 25. 6 2019)

Die Blockchain wird von ihren Anhängern als Schlüsseltechnologie gesehen. Sie werde gar den Weg bereiten zu einer neuen Gesellschaft: frei von Machthabern und zentralen Autoritäten. Doch die Banken, deren Macht durch die Blockchain gebrochen werden sollte, zittern keineswegs. Die Schweizer Banken halten die Blockchain gar für vergleichsweise unbedeutend. Für nur geringfügig wichtiger als Technologien, die sich zusammen packen lassen unter dem Begriff «was es sonst noch an neuen Technologien gibt».

Die Haltung der Banken will nicht recht zum Hype um die Blockchain passen. Die Technologie verspricht, dass Daten verteilt auf viele Rechner verwaltet werden können. Ohne zentrale Kontrollinstanz, und damit demokratischer und sicherer. Erst am Montag wurde bekannt, dass die Finanzmarktaufsicht Finma erstmals überhaupt zwei Bankenlizenzen vergeben hat an zwei Finanzdienstleister, die ihre Services auf der Blockchain aufbauen.

Doch die Haltung ist weit verbreitet, wie eine neue Umfrage der Schweizerischen Nationalbank zeigt. Darin wurden 34 Schweizer Banken befragt. Diese 34 Banken decken immerhin 80 Prozent des Schweizer Bankensektors ab. Der Befund ist klar. «Nur sehr wenige Banken bezeichnen die Blockchain als eine der wichtigsten innovativen Technologien in den nächsten drei Jahren», heisst es im Bericht der Nationalbank. Genau sind es nur ungefähr 3 Prozent aller Banken. Rund 97 Prozent halten also andere Technologien für relevanter.

Das Resultat kam auch für die Nationalbank überraschend, wie der zuständige Experte an einem Medienanlass am Dienstag sagte. Es werde viel geredet über die Blockchain. «Aber mit konkreten Projekten ist es schwierig.» Anscheinend würden sich die Banken derzeit darauf konzentrieren, bestehende Prozesse zu digitalisieren. Die Blockchain werde wohl erst später angegangen.

Das lange Warten auf die Killer-App

In Gesprächen konnten die Nationalbank-Experten noch mehr über die Denkweise der Banken heraushören. Demnach kalkulieren die Banken genau und drehen jeden Franken lieber zwei Mal um. Solange der Nutzen nicht wirklich greifbar sei, also ein klarer Business-Case vorliegt, wird nicht investiert. Zumindest unter den Schweizer Banken wartet die Blockchain also weiterhin auf eine Killer-Applikation, eine revolutionäre Anwendung.

Doch warum fragt die Nationalbank überhaupt bei den Banken nach der Blockchain? Weil sie generell wissen will, wie sich die neuen Technologien auswirken. Sie hat nicht nur über den Franken und die Inflation zu wachen. Per Gesetz muss sie auch im Auge behalten, dass keine neue Finanzkrise ausbricht. Denn theoretisch könnten die Banken geschwächt werden durch die neuen Technologien. Ihre Margen könnten weiter erodieren. Dabei sind sie bereits dünner als früher, die negativen Zinsen schmerzen auch die Banken. Nun könnten einzelne Banken vielleicht pleitegehen, so die Überlegung. Womöglich würden Konkurrenten mit hinab gerissen und eine Krise ausgelöst.

Der Wandel ist tatsächlich gross, ebenso die Zahl der neuen Technologien und ihre mögliche Sprengkraft für altbewährte Geschäftsmodelle. Biometrie kommt zum Einsatz, Robotik oder Big Data, künstliche Intelligenz oder Cloud Computing, um einige zu nennen.

Allem Hype zum Trotz: auch die Fintech-Unternehmen werden nicht gefürchtet

Quasi auf den Rücken dieser neue Technologien kommen nun ausserdem Newcomer angeritten. Amerikanische Bigtech-Giganten wie Facebook oder Google; wendige Fintech-Unternehmen, die heute klein sind, morgen vielleicht riesig; oder Digitalbanken, die Kunden nur online bedienen und so günstiger sind als herkömmliche Banken in ihren Marmortempeln.

Auch bei den Newcomern zeigt die Nationalbank-Umfrage eine Überraschung. Die Banken fürchten die Fintech-Unternehmen keineswegs. Sie sehen sie im Gegenteil als Partner an, die ihnen beim Einsatz neuer Technologien helfen können – oder gar als Zulieferer. Mit anderen Worten, die Banken sehen in den Fintech-Unternehmen alles andere als die Finanzgiganten von morgen.

Wen die Banken hingegen fürchten, sind die Bigtech-Giganten wie Amazon, Google, Facebook oder Apple. Ihnen trauen die Banken anscheinend viel zu. Weil sie erstens Unmengen an Kundendaten haben, die sie auf der Suche nach neuen Finanzservices durchsuchen können. Und weil sie zweitens die nötigen Milliarden haben, um ihre Services unter die Kunden zu bringen.

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