Bloss weg vom Zement: Holcim repariert jetzt auch Holzhausdächer

Der Zementhersteller übernimmt für 1,3 Milliarden Dollar die US-Firma Malarkey. Konzerchef Jan Jenisch erhofft sich eine höhere Börsenbewertung.

Daniel Zulauf
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Holcim hat es offensichtlich eilig aus der Zementecke herauszukommen. Der Konzern, der 2015 durch die Fusion der schweizerischen Holcim und der französischen Lafarge zum weltgrössten Zementkonzern aufgeschwungen hatte, ist durch verschiedene grosse Desinvestitionen insbesondere in Südostasien auf den dritten Platz hinter zwei chinesische Zementproduzenten zurückgefallen.

Auf der Spur von Sika

Verantwortlich für den Schrumpfkurs ist die Strategie von Konzernchef Jan Jenisch. Er will die Umsatzverteilung von der sehr viel Kapital absorbierenden Zementproduktion auf weniger kapitalintensive Geschäfte verlagern. Diese bündelt er in dem eigens geschaffenen Bereich «Solutions & Products» aus dem Holcim Baumaterialien mit guten Gewinnmargen und hohem Wachstum anbietet. Strategisch bewegt sich Holcim in die gleiche Richtung wie der Bauchemiekonzern Sika bei dem Jenisch früher CEO war.

Eine teure Expedition in unbekanntes Territorium

Noch ist Zement mit einem Umsatzanteil von 62 Prozent aber das dominierende Geschäft von Holcim. Solutions & Products bringt es erst auf rund 13 Prozent. Bis 2025 will Holcim den Umsatzanteil der jüngsten Sparte aber auf 30 Prozent steigern. Zu diesem Zweck hat Holcim im Januar den Zukauf von Firestone, einem amerikanischen Spezialisten für Flachdachbeschichtungen angekündigt und rasch vollzogen. 3,4 Milliarden Dollar bezahlte man für die Firma mit einem Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Dollar. Nun schlägt Holcim wieder zu und nochmals in Amerika. Und diesmal wird es noch ein bisschen teuerer. Malarkey, eine familiengeführte Firma aus Portland kostet 1,4 Milliarden Dollar für weniger als 550 Millionen Dollar Umsatz.

Die auf die Herstellung von Schindeln für die Bedachung typisch amerikanischer Familienhäuser spezialisierte Firma sei hoch profitabel und in einem sehr rasch wachsenden Markt tätig. Allerdings bedecken die Malarkey-Schindeln nur Holzhäuser – ein völlig neues Marktsegment für Holcim. Der Konzern sieht trotzdem gewisse Synergien zwischen Malarkey und der auf amerikanische Grossimobilien ausgerichteten Firestone.

CO2-Abdruck drückt auf den Aktienkurs

Jenisch dürfte bei der Übernahem aber auch auf ganz andere Dinge als auf rein industrielle Faktoren schielen. Im Januar sagte er anlässlich der Firestone-Akquisition, die stark gestiegene Bedeutung von Nachhaltigkeitsratings habe die Börsenbewertung von Holcim aufgrund des hohen CO2-Ausstosses in der Zementproduktion um 30 Prozent gedrückt. Nach dieser Logik könnte es sich für die Holcim-Aktionäre auch lohnen Geschäfte zuzukaufen, nur weil sie einen kleinere CO2-Fussabdruck haben, wie dies bei den Gebäudesanierungen spezialisierten Firmen Firestone und Malarkey der Fall ist. Die Holcim-Aktien haben am Donnerstag zwar 1,8 Prozent zugelegt. Im Jahresverlauf haben sie aber mehr als 7 Prozent auf 46 Franken verloren.