BLUMEN: Valentin bringt rote Rosen aus aller Welt

Am Valentinstag herrscht bei Floristen Hochbetrieb. Fair-Trade-Rosen aus Afrika buhlen mit holländischen Blumen um die Gunst der Liebenden.

Lukas Scharpf
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Priska Trautwein bündelt im Luzerner Blumenladen Blütenblatt italienische Freilandrosen der Sorte Diritti Umani (Italienisch für Menschenrechte) zu einem Strauss. (Bilder Pius Amrein)

Priska Trautwein bündelt im Luzerner Blumenladen Blütenblatt italienische Freilandrosen der Sorte Diritti Umani (Italienisch für Menschenrechte) zu einem Strauss. (Bilder Pius Amrein)

Seit den frühen Morgenstunden sind die Floristen und Floristinnen auf den Beinen. Der Tag der Verliebten des heiligen St. Valentin beschert einzelnen Geschäften bis zum Zehnfachen des normalen Umsatzes. Nur der Muttertag kann es mit St. Valentin aufnehmen. Aber die rote Rose, deren Bedeutung sich aktuell zwischen Kitsch und Romantik hin- und herbewegt, hat heute ihren besten Tag des Jahres.

Damit das so ist, schieben Leute wie Paolo Balzarini Überstunden. Er leitet den Bereich Schnittblumen der Luzerner Blumenbörse und fängt um 5 Uhr an, die Lieferungen der Grosshändler entgegenzunehmen. Sie erzielen in diesen Tagen rund 5 Prozent ihres Jahresumsatzes. Laut Angaben ihres Branchenverbandes beträgt der Detailhandelsumsatz rund 40 Millionen Schweizer Franken. «Die Tage vor dem Valentinstag und der Tag selbst sind jedes Jahr speziell», sagt Balzarini. «Speziell und lang», sagt er mit einem (müden) Schmunzeln. Dieses Jahr fällt der Valentinstag in die Skiferien und direkt in die Zeit nach der Fasnacht. «Das macht den Bedarf etwas unberechenbar», sagt Balzarini. Viele entscheiden erst im letzten Moment, wie viele Blumen sie kaufen.

Viel Umsatz, aber keine Goldgrube

Heute gibt es zwar mehr Umsatz. «Aber es ist nicht unbedingt der lukrativste Tag für uns oder die Floristen», sagt der Händler. Denn im Gegensatz zum Muttertag feiert die ganze Welt zugleich den Valentinstag. Die Nachfrage lasse die Preise in die Höhe schnellen. «Diesen Aufschlag kann man nicht voll den Kunden weitergeben», sagt Balzarini. Dafür kämen heute mal die Produzenten, die sonst eher unter Preisdruck leiden, zum Zuge. «Darum geht das für mich in Ordnung.»

Der Florist Marcel Villiger ist Präsident der Innerschweizer Blumenhändler und war dieses Jahr Martinivater der Zunft in Hochdorf. Er hat auch schon mehr geschlafen. Nach dem Fasnachtsdienstag ging er um viertel nach zwei ins Bett. Um fünf Uhr klingelte bereits der Wecker. Denn die Rosen für den Valentinstag hat er bereits gestern in aller Frühe gekauft. «Ich setze auf europäische Blumen, vor allem auf Rosen aus Holland», sagt Villiger. Da die Produktion in der Schweiz und in Europa im Winterhalbjahr zu klein ist, stammen fast alle Rosen aus Übersee oder Gewächshäusern in Holland. «Jeder Florist muss für sich selbst entscheiden, was er im Sortiment hat», sagt Villiger. Wichtige Produzenten sind Entwicklungsländer wie Ecuador in Südamerika und das ostafrikanische Land Kenia.

Die Rosenfarmen in Kenia haben dem Land Arbeitsplätze und Devisen gebracht. Der Anbau von Schnittblumen ist dort bereits der drittwichtigste Wirtschaftszweig. Viele Grossbetriebe zahlen aber weit weniger als die gesetzlichen Mindestlöhne, Arbeiter werden teils schlecht vor gesundheitsschädigenden Pestiziden geschützt. Die Verschmutzung durch Abwässer wird in Kauf genommen. Es gibt aber immer mehr Farmen mit Fair-Trade-Standards.

Max-Havelaar-Label seit 2001

2001 führte Max Havelaar auch ein Label für Schnittblumen ein und stiess auf reges Interesse, vor allem bei den Grossverteilern Coop und Migros. Sie übernehmen einen Grossteil der rund 84 Millionen Schnittblumen, die jährlich unter dem Label verkauft werden. Coop deckt 95, die Migros rund 80 Prozent ihres Rosenbedarfs mit dem Label. Die Hersteller müssen faire Arbeitsbedingungen garantieren, und ein Preispremium geht zurück an die Arbeiter.

Die Rosen werden täglich mit dem Flugzeug in die Schweiz gebracht. Das stösst viele vor den Kopf. Dabei ist der Energieverbrauch beim Transport mit dem Flugzeug ökologischer als die Produktion im Gewächshaus in Holland. Das zeigte eine wissenschaftliche Studie der Stiftung My Climate. Viele Floristen, wie Marcel Villiger, verzichten aber auf Blumen von Max Havelaar und setzen auf Holland-Rosen. «Meiner Meinung nach haben sie eine höhere Qualität», sagt Villiger.

Freilandrosen aus Italien

Priska Trautwein vom Luzerner Blumenladen Blütenblatt bevorzugt Freilandrosen aus der Region San Remo in Italien. Aber auch sie hat Blumen aus Ecuador, auch mit einem Label für sozial verträgliche Arbeitsbedingungen, aber nicht die Marke Fair Trade. «Für ein volles Sortiment kommt man nicht um einen Import via Holland herum», sagt Trautwein.

Die Floristin Marianne Muggli aus Meggen hat Max-Havelaar-Rosen im Sortiment. «Aus Überzeugung, für mich gehört das dazu», sagt Muggli. Damit gewinne sie aber nicht mehr Kundschaft. Für gewisse Kunden sei die Herkunft wichtig, andere interessiere das überhaupt nicht. Aber auch ihre schönsten Valentinsrosen kommen heute aus Holland. Wer übrigens heute einen Strauss verschenken will, der günstiger und ökologischer ist als Rosen aus Holland oder Übersee, der kann auf Tulpen setzen. «Die wachsen hier und brauchen Wärme, um zur Blüte zu kommen», sagt Muggli.

So blühen Ihre Rosen länger


slu. Damit Sie lange Freude am Rosenstrauss haben, gibt Marcel Villiger, Präsident der Innerschweizer Floristen, folgende Tipps:

  • Wer eine Bodenheizung hat, darf die Vase mit dem Strauss nicht direkt auf den Boden stellen. Die Wärme ist nicht gut für die Rosen.
  • Weil Rosen viel Wasser brauchen, stellt man sie am besten bis zur Mitte ein.
  • Bevor man sie ins Wasser stellt, sollte man die Stiele anschneiden. Aber ja nicht mit der Schere oder einem gezackten Rüstmesser. Mit den Zacken zerfetzt man die Saftbahnen in den Stielen. Die Schere zerquetscht sie. Das gilt auch für eine Gartenschere. Für das Anschneiden gibt es Rosenmesser. Sonst taugt auch ein scharfes Sackmesser. Der Schnitt muss möglichst lang und schräg sein, und dann gehören die Rosen ohne Pause direkt ins Wasser.
  • Rosen brauchen zwar Licht, aber kein direktes Sonnenlicht.
  • Obst, vor allem Äpfel, geben ein Reifungsgas ab, das den Blühvorgang fördert. Die Obstschale hat neben dem Rosenstrauss nichts zu suchen.
  • Nährstoffpulver hilft nicht nur den Rosen, sondern macht auch schädlichen Bakterien das Leben schwer.

Wer eine Bodenheizung hat, darf die Vase mit dem Strauss nicht direkt auf den Boden stellen. Die Wärme ist nicht gut für die Rosen.

Weil Rosen viel Wasser brauchen, stellt man sie am besten bis zur Mitte ein.

Bevor man sie ins Wasser stellt, sollte man die Stiele anschneiden. Aber ja nicht mit der Schere oder einem gezackten Rüstmesser. Mit den Zacken zerfetzt man die Saftbahnen in den Stielen. Die Schere zerquetscht sie. Das gilt auch für eine Gartenschere. Für das Anschneiden gibt es Rosenmesser. Sonst taugt auch ein scharfes Sackmesser. Der Schnitt muss möglichst lang und schräg sein, und dann gehören die Rosen ohne Pause direkt ins Wasser.

Rosen brauchen zwar Licht, aber kein direktes Sonnenlicht.

Obst, vor allem Äpfel, geben ein Reifungsgas ab, das den Blühvorgang fördert. Die Obstschale hat neben dem Rosenstrauss nichts zu suchen.

Nährstoffpulver hilft nicht nur den Rosen, sondern macht auch schädlichen Bakterien das Leben schwer.