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BÖRSE: Anlagenotstand treibt die Kurse

Die Dividenden-Saison neigt sich dem Ende zu. Soll man im Sommer erfolgreiche Aktien verkaufen? Nicht zwingend, denn obwohl es zu saisonalen Schwankungen kommt, haben andere Faktoren eine noch grössere Bedeutung.
Daniel Zulauf
Die Schweizer Börse SIX in Zürich. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die Schweizer Börse SIX in Zürich. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Daniel Zulauf

Im Mai wird das Aktienportefeuille ausgekehrt, im September neu eingerichtet. Auch in der Schweiz hat die alte und sicher berühmteste aller Börsenweisheiten statistisch gesehen ihre Berechtigung. «Sell in May and go away, but remember to come back in September» heisst die Regel, von der man in Europa oft nur den Anfang kennt. Dabei ist der saisonale Zyklus auf beiden Kontinenten hochgradig signifikant.

Am Schweizer Aktienmarkt liegt die beste Erntezeit statistisch irgendwo zwischen Anfang Januar und Ende April. Der Börsenmonat mit der besten Kursperformance von durchschnittlich gut 2 Prozent in den vergangenen dreissig Jahren war hierzulande jeweils der Dezember. Ausnehmend gute Monate waren in dieser Periode aber auch der März und der April, während Januar und Februar deutlich abfallen. Die Auswertung, wie sie vor einiger Zeit Analysten der Bank J. Safra Sarasin zum Thema Saisonalität am Schweizer Aktienmarkt vorgenommen hatten, bestätigen über die spezifische Mairegel hinaus das universell gültige Muster vom guten Winter- und vom schwachen Sommerhalbjahr.

Doch wer mit Börsenregeln Erfolg haben will, muss bereit sein, diese mit letzter Konsequenz anzuwenden. So starke Nerven dürfte mindestens in der Schweiz kaum jemand haben. Die wichtigsten Börsenindices, allen voran das Blue-Chip-Barometer Swiss Market Index und dessen jüngerer Brüder Swiss Leader Index werden so einseitig von einigen wenigen Unternehmen und Branchen dominiert, dass ein Investor bei der Anwendung der Mairegel nicht nur zeitlich, sondern auch titelbezogen eine grosse Wette eingehen muss.

Währung spielt auch eine Rolle

Allein die Aktien der beiden Basler Pharmakonzerne und des Nahrungsmittelmultis Nestlé repräsentieren zusammen 50 Prozent des Marktes. Hinzu kommen die Banken mit einem Gewicht von um die 10 Prozent. Wer im Januar vor einem Jahr mit einem derart schiefen Portefeuille in den Frankenschock geriet, braucht sich heute über die schwache Performance nicht zu wundern. Der SMI bewegte sich in diesem Zeitraum um gegen 12 Prozent nach unten, der SLI um fast 9 Prozent. Im vergangenen Jahr mussten sich die in Franken rechnenden Anleger darob allerdings noch wenig grämen. In der Heimwährung gerechnet, hätten sie aufgrund der heftigen Abwertung des Euros zum Franken auch in den vergleichsweise starken Märkten wie Deutschland, Frankreich oder Italien (die Indices stiegen dort zwischen 10 und 13 Prozent) kaum etwas dazugewonnen.

Bankaktien ja oder nein? Allein diese Wahl war entscheidend, ob ein Aktieninvestor in der Schweiz in den vergangenen 15 Monaten Geld verloren oder gewonnen hat. Ganz ohne SMI-Schwergewichte hätte ein Anleger in dieser Periode sogar eine stolze Performance von 8,3 Prozent erzielt. Mit anderen Worten: Die richtige Titelselektion hätte dem Depotausweis in der Periode weit mehr geholfen als die sture Anwendung der Börsenregel.

Höhere Dividenden

«Vom damaligen Frankenschock ist in den aktuellen Kursen aber kaum mehr etwas übrig», sagt Giovanni Micoli, Anlagechef bei der Vermögensverwaltungsbank Aquila in Zürich. Getrieben wird der Aktienmarkt inzwischen durch andere Faktoren – allen voran der Gewinnentwicklung der Unternehmen. Im vergangenen Jahr sind die Gewinne der 20 wertvollsten Unternehmen an der Schweizer Börse um durchschnittlich 6,5 Prozent gesunken. Zwar sind die Dividenden noch einmal im Mittel um 2,6 Prozent gestiegen. Doch die Erwartungen für die nächste Zukunft sind auf allen grösseren Märkten negativ. Internationale Vergleiche zwischen Kursniveau und erwarteten Un­ternehmensgewinnen lassen die Schweiz gegenwärtig als besonders teuren Aktienmarkt aussehen. In der Rangliste von Andreas Homberger vom Zürcher Vermögensverwalter Hinder Asset Management steht die SWX Swiss Exchange puncto Bewertung international direkt hinter den USA auf dem zweiten Platz.

Über dem historischen Schnitt

Der Schweizer Aktienmarkt weist aufgrund verschiedener Faktoren zwar traditionell eine höhere Bewertung auf als andere Märkte, aber derzeit bewegt sich dieser auch deutlich über dem historischen Durchschnitt. Und dies, obschon die Schweiz seit Anfang Jahr die im internationalen Vergleich schwächste Börse hat (–10 Prozent). Micoli verweist auf den akuten Anlagenotstand, der in der Schweiz mit dem weltweit höchsten Negativzins von –0,75 Prozent ausgeprägter ist als überall sonst. «Ausserhalb des Aktiensegmentes wird es immer schwieriger, Anlagen mit einer vertretbaren Rendite zu finden», sagt der Anlageexperte. Eidgenössische Bundesanleihen weisen für Laufzeiten von bis zu zwölf Jahren durchwegs negative Renditen auf.

Andreas Homberger sieht die Zukunft dennoch nicht nur trübe. «Die Unternehmen haben den Wechselkursschock zu drei Vierteln verdaut beziehungsweise die nötigen Anpassungen vorgenommen», sagt Homberger. Damit seien sie deutlich wettbewerbsfähiger geworden, was sich in absehbarer Zeit günstig in den Kursen niederschlagen sollte. Der Zyklus lässt erwarten, dass der Effekt im Winter zum Tragen kommt, aber Hand aufs Herz: Wer will darauf schon eine Wette eingehen?

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