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BÖRSE: Europa beflügelt den Schweizer Markt

Die wirtschaftliche Erholung der Eurozone hat auch in der Schweiz die Kurse der Dividendenpapiere nach oben getrieben. Die Halbjahresbilanz fällt weit überdurchschnittlich aus.
Daniel Zulauf
Die Neue Börse Zürich-West des SIX-Hauptsitzes in Zürich. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Die Neue Börse Zürich-West des SIX-Hauptsitzes in Zürich. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Daniel Zulauf

Nach sechs Monaten und knapp zwei Wochen liegt das Kursbarometer der 20 wertvollsten Unternehmen am Schweizer Aktienmarkt, der Swiss Market Index (SMI), mehr als 8 Prozent im Plus. Das ist eine aussergewöhnlich gute erste Halbjahresbilanz – die zweitbeste in den vergangenen zehn Jahren. Besser war nur das Ausnahmejahr 2013, als die Kurse im ersten Semester um fast 13 Prozent und im zweiten Semester gleich nochmals um mehr als 7 Prozent zulegten. Damals vor vier Jahren waren es noch primär die Notenbanken, welche mit ihrer ultraexpansiven Politik die Kapitalmarktzinsen in immer tiefere Sphären drückten und die Anleger auf der Suche nach Rendite immer weiter in den Aktienmarkt trieben.

Inzwischen unternimmt die Wirtschaft auch in Europa erste erfolgreiche Gehversuche ohne geldpolitische Krücken. Unter aktiver Mithilfe der EZB setzt sich in den europäischen Finanzmärkten immer mehr die Erwartung durch, dass die Notenbank das 2 Billionen Euro grosse Anleihenkaufprogramm im Dezember tatsächlich zum Abschluss bringen kann und den Marktkräften bei der Gestaltung der Zinslandschaft wieder mehr Spielraum überlässt. In Vorwegnahme dieser Entwicklung sind die Zinsen in Europa am Steigen.

Investoren erwarten höhere Preise und höhere Löhne

Das zeigt sich auch in der Schweiz. Die Rendite der Referenzanleihe der Eidgenossenschaft mit zehnjähriger Laufzeit weist seit wenigen Tagen zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein positives Vorzeichen auf – trotz unveränderter Negativzinspolitik der Nationalbank. Hinter den Bewegungen in der Zinslandschaft verbirgt sich letztlich die Erwartung der Investoren, dass dereinst auch die Preise und die Löhne – oder ganz einfach die Inflation – wieder stärker steigen werden. Auch das ist ein Zeichen, dass der Aufschwung weiter an Fahrt gewinnt.

Bemerkenswert ist schliesslich auch die Kursentwicklung des Euro. Mit einer zuletzt eindrücklichen Dynamik macht die Gemeinschaftswährung sowohl gegenüber dem Dollar als auch gegenüber dem Franken Boden gut.

Vor diesem Hintergrund sind auch die starken Kursgewinne am hiesigen Aktienmarkt zu verstehen. Der Zinsanstieg kündet die Fortsetzung des noch zarten wirtschaftlichen Aufschwungs in Europa an, und für die meisten exportorientierten Schweizer Unternehmen ist Europa nach wie vor der mit Abstand wichtigste Markt. «Wir erleben zum ersten Mal seit langer Zeit eine weltweite Konjunkturerholung, die keine grosse Region auslässt. Das Klima für zyklische Industrieaktien ist ausgezeichnet», sagt Reto Lötscher, Finanzanalyst bei der Luzerner Kantonalbank. In der Schweiz haben die Industriewerte seit Jahresbeginn im Mittel gut 14 Prozent zugelegt. Spitzenperformer im SMI sind die Neulinge Lonza und Sika mit je mehr als 25 Prozent Kursgewinn. Auch im Gesamtmarkt stehen die Industrievaloren zuoberst. Ams, Von Roll, Meyer-Burger, Cicor oder Tornos heissen die Sieger im Swiss Performance Index (SPI) nach dem ersten Halbjahr mit Kursaufschlägen von 60 bis 130 Prozent. Es sind alles gestandene Industriefirmen, die auf beinharte Zeiten wegen des starken Frankens zurückblicken. Dementsprechend warnt Finanzanalyst Lötscher: «Viele Industriewerte sind schon sehr heiss gelaufen. Die Investoren suchen nach Aktien, die noch Aufholpotenzial besitzen.»

Warnung vor Euphorie

Potenzial wird vielerorts den Banken eingeräumt. Diese gehö­ren zu den grössten Profiteuren eines Zinsanstiegs, solange dieser in einem massvollen Tempo abläuft. Kreditbanken betreiben die sogenannte Fristentransformation: Sie borgen sich Geld kurzfristig und leihen es langfristig aus. Wenn die Zinskurve steiler wird, wie dies aktuell der Fall ist, verbessern sich ihre Ertragsaussichten. Das erklärt zum Teil auch die wieder stärkeren Kursgewinne der über längere Sicht enttäuschend schwachen Performance der Credit-Suisse-Valoren. Während das Doping der Notenbanken an Wirkung verliert, sorgen andere Akteure für Musik an den Börsen: «Der zunehmende Aktivismus von grossen Hedge-Fonds-Investoren weckt Fantasien auch im breiten Anlegerpublikum, weil er die Unternehmen zu mehr Effizienz zwingt», meint Lötscher und denkt dabei sicher nicht zuletzt an Nestlé.

Doch der Analyst warnt vor Euphorie: «Man kann die gute Performance des Aktienmarktes im ersten Halbjahr nicht einfach auf die verbleibenden sechs Monate extrapolieren. Dafür gibt es noch immer zu viele unbekannte und auch viele noch kaum erkannte Gefahren.» Immerhin war die Kursentwicklung im ersten Halbjahr in den vergangen zehn Jahren am Schweizer Aktien sechsmal auch für das zweite Halbjahr bestimmend. Noch immer sitzen beim Börsenspiel die Notenbanker mit am Tisch. Diese haben kein Interesse, dass sich an den Aktienmärkten gefährliche Preisblasen bilden. Deshalb könnten sie dereinst auch bremsen, wenn die Party allzu lustig zu werden droht.

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