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BÖRSE: Jahr der Entscheidung am Finanzplatz Schweiz

Seit Jahren schüttet die SIX Millionenbeträge an ihre Besitzer aus. Die Bedingungen für die Finanzdienstleisterin dürften sich jedoch bald ändern. Aktuell ist sie auf der Suche nach einem «strategischen Partner» für das Zahlkartengeschäft.
Daniel Zulauf
Die SIX hat von ihren Eigentümerbanken einen neuen Auftrag gefasst. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 21. März 2018))

Die SIX hat von ihren Eigentümerbanken einen neuen Auftrag gefasst. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 21. März 2018))

Daniel Zulauf

Die SIX-Group ist seit ihrer Gründung vor zehn Jahren ein veritab­ler Goldesel für ihre 130 Eigentümerbanken. Rund 1,7 Milliarden Franken hat die Betreiberin der schweizerischen Börsen- und ­Finanzmarktinfrastruktur seit 2008 an Dividenden und Sonderdividenden an ihre Besitzer ausgeschüttet – allen voran an UBS und Credit Suisse, die allein 30 Prozent der SIX-Anteile halten.

Und auch heuer erlaubt die «hervorragende Liquiditäts- und Kapitalsituation» von SIX wieder eine Gewinnabführung im Umfang von rund 140 Millionen Franken. Doch mit der im November angekündigten strategischen Neuausrichtung werden sich die Bedingungen grundlegend verändern. SIX sucht nach einem «strategischen Partner» für das Zahlkartengeschäft.

Dieses stellte das Rückgrat der bisherigen Diversifikationsstrategie. Es liess den Umsatz von SIX von 2008 bis 2017 von 1,3 Milliarden auf 1,9 Milliarden Franken steigen, obschon in der gleichen Zeit wichtige Ertrags- und Gewinnbringer, insbesondere aus verschiedenen Kooperationen mit der Deutschen Börse, verkauft worden waren.

Millioneninvestitionen ins Zahlkartengeschäft

Im Zahlkarten- beziehungsweise im Acquiring-Geschäft übernimmt die SIX gegen eine Transaktionsgebühr Dienstleistungen, die nötig werden, wenn ein Kunde im Laden per Karte bezahlt. Das margenarme Massengeschäft lebt von Skaleneffekten: Je mehr Transaktionen, desto rentabler, so lautet die Formel. In den letzten Jahren investierte die SIX jährlich 40 Millionen Franken in das Geschäft, wie Finanzchef Daniel Schmuck gestern auf der Jahresbilanz-Pressekonferenz in Zürich ausführte.

Die Summe ist beträchtlich: Sie entspricht rund 14 Prozent des Betriebsgewinns (Ebit) von 281 Millionen Franken beziehungsweise fast einem Fünftel des Jahresgewinns (207 Millionen Franken). Die Investitionen zum Aufbau des neuen kontaktlo­- sen Schweizer Zahlungssystems Twint, an den die SIX einen Drittel beisteuert, haben zum Vergleich bislang gut 70 Millionen Franken gekostet. Die Partnersuche für das Zahlkartengeschäft ist nach Angaben des neuen CEO Jos Dijsselhof weit fortgeschritten.

Starke Veränderung der Erfolgsrechnung erwartet

Danach muss sich zeigen, wie die Eigentümerbanken mit den frei werdenden Investitionsmitteln umgehen werden. Sie könnten sich das Geld in Form von höheren Dividenden auszahlen. Das würde aber dem Bekenntnis der SIX widersprechen, die Wett­bewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes mit Hilfe der neuen Strategie weiter zu stärken. Sicher ist, dass die Erfolgsrechnung der SIX im nächsten Jahr stark verändert daherkommen wird.

Mit dem Abgang des Zahl­kartengeschäfts an einen neuen Mehrheitseigentümer wird der Umsatz der «Payments-Division» von aktuell knapp 1 Milliarde auf etwa die Hälfte schmelzen. Weil aber die SIX eine Beteiligung behält, wird sie auch weiterhin vom Erfolg des Geschäfts profitieren.

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