Trotz Börsenflaute: Das sind vier Aktien, die in der Coronakrise steigen

Auch in der Krise können Unternehmen gedeihen. Das zeigen vier Beispiele von Firmen, deren Aktien heuer besonders stark gestiegen sind.

Daniel Zulauf
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Ein Bulle steht im Hauptsitz der Onlinebank Swissquote. Deren Aktie ist in diesem Jahr stark angestiegen.

Ein Bulle steht im Hauptsitz der Onlinebank Swissquote. Deren Aktie ist in diesem Jahr stark angestiegen.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Zur Rose

Die Aktien des Ostschweizer Medikamentenhändlers sind seit Jahresbeginn um 78 Prozent gestiegen. Die Coronakrise hat die Kursentwicklung begünstigt. Denn die Gruppe erwartet als Folge der Krise nach eigenen Angaben «eine deutlich schnellere Marktakzeptanz für den Medikamentenversand und digitale Gesundheitsdienstleistungen». Zur Rose erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,6 Milliarden Franken. Als Folge des starken Wachstums, das erhebliche Kosten verursacht, schreibt die Firma noch Verluste. Aber das Management rechnet damit, dass es den Medikamentenhandel bald weit über die bestehenden Hauptmärkte Schweiz und Deutschland hinaus ausrollen kann, um mittelfristig einen profitablen Umsatz von 3 Milliarden Franken zu erreichen. Die Wachstumsstory lässt sich in dem derzeit eher trüben Umfeld natürlich besonders gut verkaufen. So werden die Titel von vielen Banken und Brokern mit teilweise sehr sportlichen Kurszielen zum Kauf empfohlen.

Givaudan

Die Aktien der drei Pharmafirmen Bachem (Aktienkurs seit Anfang Jahr +54 Prozent), Lonza (+35 Prozent) und Roche (+8 Prozent) kennt man schon länger als potentielle Gewinner der Pandemie. Weniger bekannt ist die Erfolgsgeschichte eines weiteren Chemieunternehmens - des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan. Der Aktienkurs dieses Unternehmens steht aktuell 9 Prozent höher als Ende 2019. Die Firma hat den Umsatz im ersten Quartal trotz Krise um 6,1 Prozent gesteigert und ihr eignes mittelfristiges Ziel von 4 bis 5 Prozent sogar noch übertroffen. Über 90 Prozent der Produkte von Givaudan waren und sind vom weltweiten Lockdown unbehelligt. Die Firma stellt Aromen für die internationale Getränke- und Lebensmittelindustrie her und ein grosser Teil der Riechstoffe gehen in Hygieneprodukte wie Seifen oder Putzmittel. Rückläufig war einzig der Verkauf von Riechstoffen für die Parfumhersteller, aber dieser macht nur rund 8 Prozent des Jahresumsatzes von 6,2 Milliarden Franken (2019) aus. Zwei Dinge machen Givaudan besonders attraktiv für Aktionäre: Erstens ist die Firma ist in einem hochkonzentrierten Markt die grösste Anbieterin. Sie muss deshalb nicht mehr viel Geld in Übernahmen stecken, um sich gefährliche Konkurrenten vom Leib zu halten. Zweitens und als Folge davon erwirtschaftet Givaudan jedes Jahr einen hohen freien Cash-flow den sie als Dividenden ausschüttet. Das ist der Grund weshalb die Bill Gates Stiftung seit Jahren zu den grössten Aktionären von Givaudan gehört (aktuell 13,9 Prozent).

Highlight Event and Entertainment

Besonders erstaunlich erscheinen die 35 Prozent, welche die Aktien der Highlight Event and Entertainment AG im bisherigen Jahresverlauf zugelegt haben. Denn das vom FC-Basel-Präsidenten Bernhard Burgener präsidierte Unternehmen vermarktet unter anderem Grossanlässe wie den Eurovision Song Contest, der im März erstmals in der Geschichte abgesagt werden musste. Auch hält die Firma über ihre Tochtergesellschaft Highlight Communication einen Mehrheitsanteil an der deutsche Filmproduktionsgesellschaft Constantin. Zudem vermarktet sie die weltweiten Übertragungsrechte von Uefa Champions-League- und Euro-League-Spielen. Auch der deutsche TV-Sender Sport1 gehört zur Gruppe. Die weitgehend fussballfreie Zeit, der Lockdwon der Kinos und das Verbot von Grossveranstaltungen – das sind wahrlich keine guten Bedingungen für die Highlight-Gruppe. Doch offensichtlich blicken gewisse Investoren schon weit über den Corona-Horizont hinaus. Die Fäden in der Gruppe ziehen nebst Burgener ein paar Grossaktionäre. Sie halten zusammen rund 80 Prozent aller Aktien. Aus Marktkreisen vernimmt man, dass diese Gruppe derzeit jede Aktie kauft, die von Kleinaktionären auf den Markt geworfen wird. Spekuliert wird unter anderem, dass Highlight Event und Highlight Communication vollständig fusionieren könnten, was dem Unternehmen längerfristig zusätzliche Wachstumspotenzial eröffnen würde. Die Spekulation ist für nicht Eingeweihte allerdings nur schwerlich zu durchschauen.

Swissquote

Die Online-Bank hat im März ein überraschend gutes Jahresergebnis vorgelegt. Die gute Nachricht kam fast zeitgleich mit der allgemeinen Börsenerholung nach dem Corona-Crash. Dadurch haben die Swissquote-Aktien die Delle im ersten Quartal mehr als ausgeglichen. Der Kurs steht 38 Prozent höher als am Jahresende. Die hohen Börsenumsätze in der Zeit von Februar bis März haben Swissquote, wie allen anderen Banken, grosse zusätzliche Einnahmen beschert. Doch diese dürften den guten Aktienkursverlauf nur teilweise erklären. Ausschlaggebend sind vielmehr die längerfristigen Wachstumsprojektion. Diese hatten dem Aktienkurs 2018 starken Auftrieb gegeben. Obwohl Swissquote im Februar 2019 eine Verdreifachung des Personalbestandes auf 1800 Mitarbeiter angekündigte und die Wachstumserwartungen damit bestätigt führte ein enttäuschendes Jahresergebnis zu einem starken Kursrückgang. Inzwischen ist die Hoffnung aber zurückgekehrt. Doch Online-Banking bleibt ein Geschäft, das starken Schwankungen unterliegt – so auch der Aktienkurs.

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