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Boom bei TV-Apps: Fans schauen WM auf dem Handy statt im Fernsehen

Immer mehr Menschen schauen hierzulande die Fussballspiele auf dem Smartphone oder am PC über Webstreaming-TV-Angebote. So hat die Nutzung der mobilen TV-App von Swisscom in der ersten WM-Woche um bis zu 50 Prozent gegenüber der Vorwoche zugenommen.

Marc Fischer
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Webstreaming im Trend: «Wir erleben derzeit einen absoluten Boom», sagt Jörg Meyer, Vizepräsident von Zattoo.

Webstreaming im Trend: «Wir erleben derzeit einen absoluten Boom», sagt Jörg Meyer, Vizepräsident von Zattoo.

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Die Hitparade der kostenlosen Unterhaltungs-Apps spricht eine deutliche Sprache: Die Apps von Zattoo, Swisscom TV, Teleboy und Wilmaa belegen dieser Tage Spitzenplätze. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer nutzen die Software der Mobil-TV-Anbieter, um die Fussball-WM auf ihrem Smartphone oder ihrem Tablet zu schauen.

«Sportliche Grossevents sind sehr wichtig für uns, weil sie erfahrungsgemäss viele neue Nutzer bringen», sagt Jörg Meyer, Vizepräsident von Zattoo. Schon der Start des Webstreaming-TV-Anbieters stand ganz im Zeichen des Massensports: 2006 nahm Zattoo anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 den Betrieb auf. Damals konnte man zwischen vier frei empfangbaren Kanälen wählen. Heute sind es mehr als 140 Sender.

Und sie stossen bei den Nutzern auf grosses Interesse. «Wir erleben derzeit einen absoluten Boom», sagt Meier. Er geht davon aus, dass Zattoo im Rahmen der WM einen neuen Zuschauerrekord erreichen wird. Das war auch schon im vergangenen Februar anlässlich der Olympischen Winterspiele der Fall.

Zattoo war vor der Olympiade die Nummer 3 im Schweizer Markt für Webstreaming-TV, hinter Swisscom TV und Teleboy. Doch ein Marketing-Coup sollte das ändern: Zattoo startete nämlich anlässlich der Winterolympiade eine Kooperation mit dem Online-Portal «20 Minuten», gemessen an den Traffic-Zahlen der stärksten Nachrichtenplattform der Schweiz.

Zensur zeigt wenig Wirkung

Die Zahl der Unique Clients, also jener Geräte (Clients), die auf Zattoo zugreifen, explodierte von 664'000 im Januar auf mehr als eine Million im Februar 2014. Dies zeigen Daten vom Netmetrix, der Messgesellschaft für Internet-Nutzung. Gesamthaft über alle grossen Webstreaming-TV-Anbieter (Zattoo, Swisscom, Teleboy und Wilmaa) haben im Februar rund 3 Millionen Mobil-Geräte auf die mobilen TV-Apps zugegriffen. Es war ein Allzeithoch.

Ob dieser bisherige Rekord anlässlich der WM wirklich gebrochen wird, ist noch offen, weil Netmetrix die Juni-Zahlen erst im Juli publizieren wird. Nimmt man aber die Zahlen von Swisscom, hinter Zattoo der zweitgrösste Webstreaming-TV-Anbieter, dürfte ein neues Allzeithoch locker erreicht werden. In der vergangenen Woche verzeichnete die TV-App von Swisscom einen Nutzungsanstieg von rund 50 Prozent. Das zeigen Zahlen, die der «Nordwestschweiz» exklusiv vorliegen.

Sollte das für alle Anbieter gelten, so dürfte der Traffic der mobilen TV-Anbieter auf klar über 3,5 Millionen Franken ansteigen. Dass Grossfirmen wie UBS und Novartis sowie mehrere Kantonsverwaltungen während Grossanlässen die Streaming-Dienste blockieren, dürfte daran wenig ändern. Zum einen werden die Spiele am Abend zu Zeiten ausgestrahlt, da praktisch niemand mehr arbeitet.

Zum anderen aber haben die Zensoren keine Macht über mobile Geräte. Und im Nutzerverhalten sind genau Smartphones und Tablets zentral. So nutzen 65 Prozent der Zattoo-Kunden die TV-App auch mobil. 45 Prozent nutzen die App auf dem PC oder Mac und nur 5 Prozent nutzen die App auf einem internetfähigen klassischen Fernsehgerät (dass die drei Kategorien zusammen mehr als 100 Prozent ergeben, hat damit zu tun, dass ein Nutzer gleichzeitig auf mehreren Kanälen aktiv sein kann).

Am höchsten ist der Traffic jeweils eine Viertelstunde vor Spielbeginn, wenn sich die meisten Nutzer einloggen, um den Anpfiff zu sehen. Um diesen Ansturm standhalten zu können, braucht es viel Bandbreiten. Zattoo etwa hat die Kapazitäten für die WM verdoppelt.

Auch auf den Apps der «Nordwestschweiz» und hier direkt können Sie die WM via Webstream live verfolgen.