BORGWARD: Auto-Ikone kehrt Luzern den Rücken

Die deutsche Kult-Marke Borgward wollte von Luzern aus den operativen Betrieb steuern. Nun kommt eine andere Schweizer Stadt zum Zug.

Maurizio Minetti
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Borgward will mit modernen Autos auch Nostalgiker ansprechen. Das Bild zeigt das Modell Hansa 1500, das 1949 vom Band lief. (Bild Borgward AG)

Borgward will mit modernen Autos auch Nostalgiker ansprechen. Das Bild zeigt das Modell Hansa 1500, das 1949 vom Band lief. (Bild Borgward AG)

Der Name lässt die Herzen der Liebhaber deutscher Automobile höher schlagen: Borgward. Unter dieser Marke wurden zwischen 1939 und 1963 Autos, aber auch Lastwagen und Busse, gebaut. Einst war Borgward der drittgrösste Autohersteller Deutschlands. Über ein halbes Jahrhundert nach dem Konkurs der Firma hat Christian Borgward, Enkel des Firmengründers, die Automobilmarke zusammen mit seinem Partner Karlheinz Knöss wieder zum Leben erweckt – unterstützt von chinesischen Investoren. Teil dieses Plans war auch eine Niederlassung in Luzern, die 2008 gegründet wurde. Nun zieht die Schweizer Borgward AG aber weg von Luzern, wie Karlheinz Knöss, Vizepräsident der Stuttgarter Borgward Group, auf Anfrage bestätigt.

Schneller in Stuttgart

Viele Angestellte benötigte die Luzerner Borgward AG bisher indes nicht. Knöss spricht von zwei Personen, die sich um Administration und Marketing gekümmert haben und nun in Stuttgart arbeiten. Die Luzerner Niederlassung, die sich zuerst an der Steinhofstrasse und später an der Töpferstrasse befand, sollte in Zukunft als operative Zentrale für die gesamte Gruppe fungieren. Auch die Abwicklung von Verträgen mit Investoren lief bisher über Luzern. Im Handelsregister wird als Zweck der AG die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Automobilen, Wasserfahrzeugen und Flugzeugen angegeben.

«Die Schweiz hat im Rahmen unserer Gesamtstrategie weiterhin eine wichtige Bedeutung. In Stuttgart sitzt nun unser globales Hauptquartier, wo alle operativen Aufgaben gebündelt sind», sagt Knöss. Der Sitz der Schweizer Tochtergesellschaft soll nun nach Zürich verlegt werden, da man von Zürich aus schneller in Stuttgart sei, gibt Knöss an. Welche Rolle die Zürcher Niederlassung innerhalb der neuen Borgward-Gruppe spielen soll, ist aber noch nicht klar. Zunächst ist die Zürcher AG bei einem Anwalt parkiert; Angestellte gibt es keine. Solange Borgward keine Autos verkauft, halten sich die strategischen Aufgaben in Grenzen.

2017 auf dem europäischen Markt

Christian Borgward hatte die Wiederauferstehung der Marke dieses Jahr erstmals am Genfer Autosalon offiziell bekannt gegeben. Vor wenigen Wochen hat das Unternehmen an der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt sein erstes Modell vorgestellt. Borgward will zunächst im zweiten Quartal 2016 den chinesischen Markt betreten. Europa folgt erst ein Jahr später. Geplant ist, mittelfristig einen weltweiten Absatz von «deutlich über 500 000 Fahrzeugen» pro Jahr zu erzielen. Produziert werden die Fahrzeuge im Norden Pekings.

Kritik von Dudenhöffer

Beobachter zweifeln allerdings an den Plänen von Borgward. Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen und angesehener Automobilexperte, sagt: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Borgward Erfolg haben wird.» Er sieht das Problem darin, dass der an der IAA vorgestellte Mittelklasse-Geländewagen BX7 zu teuer für den chinesischen Markt sein wird. Und in Europa kennen nur Liebhaber die Marke Borgward, sagt Dudenhöffer.

Er vergleicht Borgward mit der jungen chinesischen Marke Qoros: Das Auto sei technisch einwandfrei, verkaufe sich in China aber nicht, weil es zu teuer sei. «Wenn sich Chinesen ein modernes Auto leisten, entscheiden sie sich für eine der etablierten Marken», so Dudenhöffer.

Maurizio Minetti